Thursday, 26. October 2017

Freier Zugang zu wissenschaftlicher Literatur: Info-Veranstaltung für Wissenschaftler und interessierte Öffentlichkeit

Seit einiger Zeit regt sich Widerstand gegen die bisherige Praxis wissenschaftlicher Verlage, wissenschaftliche Literatur gegen stetig höher werdende Abo-Kosten zur Verfügung zu stellen. „Open Access“ nennt sich die Gegenbewegung, die einen offenen Zugang zu Forschungsergebnissen postuliert, die ohnehin schon aus öffentlichen Mitteln finanziert wurde. Einer der profiliertesten Vertreter der Open-Access-Bewegung in Deutschland ist Ulrich Herb von der Saarländischen Universitäts- und Landesbibliothek (SULB) in Saarbrücken. Er lädt gemeinsam mit Kollegen der SULB und des Leibniz-Instituts für neue Materialien am 26. Oktober Wissenschaftler und die interessierte Öffentlichkeit zu einer Infoveranstaltung ein, um über Open Access zu informieren und zu diskutieren.

Mit wissenschaftlichen Publikationen verdienen wenige große Verlage viel Geld. Die drei größten Verlage – Elsevier, Wiley und Springer Nature – publizieren etwa 50 Prozent aller wissenschaftlichen Artikel weltweit. Wissenschaftliche Bibliotheken in Deutschland geben rund 300 Millionen Euro jährlich für aktuelle Literatur aus. Dabei waren bisher Preissteigerungen für die Abonnements von durchschnittlich sechs Prozent pro Jahr üblich. Die Universitäten und Forschungsinstitute, die ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern den Zugang zu den aktuellen Forschungsergebnissen gewähren wollten, mussten diese Steigerungen bisher hinnehmen, weil sie keine andere Wahl hatten. Doch seit einigen Jahren formiert sich Widerstand gegen die oft als willkürlich empfundenen Preissteigerungen. Bisheriger Höhepunkt ist der Boykott des Verlags Elsevier, der die deutsche Wissenschaft aufschreckt.

Angeführt von der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) kündigten mittlerweile 183 Hochschulen und Forschungseinrichtungen ihre Verträge mit dem größten Anbieter wissenschaftlicher Zeitschriften. Die vom Projekt DEAL (https://www.projekt-deal.de) organisierte Verweigerung hat zwei Ziele: Zum einen sollen für deutsche Einrichtungen die Kosten für Elsevier-Publikationen reduziert werden, zum anderen sollen Publikationen der Angehörigen deutscher Forschungseinrichtungen „Open Access“, also frei zugänglich, verfügbar sein. Mit anderen Worten: jedermann – egal ob Wissenschaftler oder Laie, egal an welchem Ort – soll diese Artikel kostenlos lesen können. Von diesem entgeltfreien Zugang verspricht man sich eine weitere Verbreitung wissenschaftlicher Informationen und eine Beschleunigung der Forschung. Dass Open Access diese Versprechen halten kann, beweisen Studien, wonach Open-Access-Dokumente häufiger zitiert werden als Closed-Access-Dokumente, deren Nutzung für Leser kostenpflichtig ist (Vgl. http://www.istl.org/10-winter/article2.html, http://opcit.eprints.org/oacitation-biblio.html, https://peerj.com/preprints/3119v1/).

Für Wissenschaftler ist Open Access eine Gratwanderung: Unterstützt eine Hochschule DEAL, verlangt sie Wissenschaftlern den Verzicht auf wichtige Informationsquellen ab. Auch andere Varianten, Open Access zu fördern, erfordern ein Anpacken der Wissenschaftler und sind mitunter unbequem: Publizieren sie bereits erschienene und kostenpflichtig erhältliche Werke zusätzlich Open Access, müssen sie rechtliche Fallstricke beachten. Veröffentlichen sie bei einem Open-Access-Verlag statt bei einem eingesessenen Closed-Access-Verlag, müssen sie auf dessen Renommee verleihende Marke verzichten. Auch finanzielle Fragen tun sich auf: Zirka 30 Prozent der Open-Access-Journale sind zwar entgeltfrei nutzbar, verlangen jedoch für das Publizieren eines Artikels Gebühren.

„Ungeachtet dieser Unwägbarkeiten existieren sehr gute Argumente für Open Access: Wer Open Access veröffentlicht, wird nicht nur häufiger zitiert, er behält zumeist auch die rechtliche Hoheit über seine Werke. Zudem geht er konform mit den von zahlreichen Forschungsförderern propagierten Zielvorgaben: Der Europäische Rat für Wettbewerbsfähigkeit fordert freie Zugänglichkeit für alle Publikationen zu Ergebnissen öffentlich finanzierter Forschungsarbeiten ab 2020“, erklärt Ulrich Herb.

Open Access hat also zahlreiche Schattierungen und Aspekte, möglichst viele davon werden bei der Informationsveranstaltung an der Universität des Saarlandes diskutiert. Geplant sind Vorträge zum Elsevier-Boykott und zum DEAL-Projekt sowie zur Handhabung von Open-Access-Publikationsgebühren. Zusätzlich informiert die Saarländische Universitäts- und Landesbibliothek über die Open-Access-Angebote der Universität.

Zur Veranstaltung am 26. Oktober von 09:30 Uhr bis 12:30 Uhr ist die interessierte Öffentlichkeit ebenso wie natürlich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aller saarländischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen eingeladen. Veranstaltungsort ist das Gebäude C93 der Universität des Saarlandes.

 

Um eine formlose und nicht-verpflichtende Anmeldung wird gebeten bei:

Dr. Ulrich Herb
Tel.: (0681) 3022798
E-Mail: u.herb(at)sulb.uni-saarland.de

Verena Wohlleben
Tel.: (0681) 30258024
E-Mail: v.wohlleben(at)sulb.uni-saarland.de