jeudi, 29. juin 2017

Krebsforschung: Uniklinikum spielt ganz vorne mit

Saarbrücker Zeitung

Ein Beitrag aus dem Uniklinikum in Homburg erregte weltweit Aufsehen in der Krebsforschung. Professor Pfreundschuh stellte seine Studie vor.

Jedes Jahr Anfang Juni sind in Chicago die Hotels belegt und das Kongresscenter Mc Cormick ausgebucht, denn rund 35 000 Krebsforscher aus der ganzen Welt kommen zu dem größten Fachtreffen der Welt zusammen. Veranstalter ist die American Society of Clinical Oncology (ASCO), die aus den vielen Fachvorträgen, die in Chicago gehalten werden, die besten auswählt, die später unter dem Titel „Best of Asco“ an verschiedenen Orten wiederholt werden.

Einer dieser besten Beiträge stammt von der Deutschen Studiengruppe für Hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome (DSHNHL), die von Medizinern des Universitätsklinikums des Saarlandes in Homburg geleitet wird. Man könnte auch sagen: Einer der maßgeblichen Beiträge, wie man Patienten mit aggressivem Lymphknotenkrebs wirksam behandeln kann, kam vom Uniklinikum aus Homburg. „Ich gratuliere unseren Homburger Forschern für ihre wertvolle und international sichtbare Arbeit zur besten Behandlung aggressiver Lymphome“, bedankte sich Professor Bernhard Schick, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Uniklinikums, bei seinen Kollegen.

„Die Vorstellung der Ergebnisse unserer  klinischen Studie wurde von der Fachwelt als „Best of ASCO“, also einer der besten Vorträge des Kongresses  ausgezeichnet“, betonte Professor Michael Pfreundschuh, Direktor der Klinik für Innere Medizin I, gestern anlässlich einer Pressekonferenz. Mit dabei war auch Professor Christian Rübe, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, dessen Abteilung bei der Studie eine maßgebliche Rolle spielt. Denn genau um den Einsatz der Strahlentherapie geht es dabei.

Vereinfacht erklärt, untersucht die  Studie, wann Patienten mit einer aggressiv wachsenden bösartigen Lymphknotenerkrankung, den diffusen großzelligen B-Zell-Lymphomen (DLBCL), von einer Bestrahlung profitieren. Die Forscher untersuchten Patienten, bei denen Lymphome mit großen Tumormassen vorlagen, nach Abschluss einer speziellen Immuno-Chemotherapie mit einer Positronen-Emissionstomographie (PET) - einer medizinischen Diagnosemethode, die Stoffwechselprozesse im Körper darstellt.

Sie konnten dadurch die Patienten identifizieren, die nach sechs Zyklen einer Immunochemotherapie keine Bestrahlung benötigen. Dies führte fast zu einer Halbierung der notwendigen Strahlentherapien, ohne dass es zu einem Rückgang der bekannt hohen Heilungsraten kam. ,,Andererseits profitieren die Patienten, die aufgrund des PET-Befundes noch eine Strahlentherapie benötigen, deutlich von der Bestrahlung und weisen durch die Radiotherapie, trotz Restbefund, gleich gute Heilungsraten auf, wie die Patienten ohne Restbefund“, erklärte Professor Rübe. Das Universitätsklinikum in Homburg habe damit „weltweit eine Marke gesetzt bei der Behandlung von Lymphknotenkrebs“,  so Pfreundschuh. Wer in die Studie aufgenommen würde, habe gute Aussichten, den Krebs zu besiegen.

In Zahlen stellt sich das folgendermaßen dar: Von 187 Patienten, die an einem aggressiven Lymphom erkrankten und unter anderem mit Chemotherapie wurden, wurden 166 Patienten mit der PET-Methode auf Stoffwechselprozesse untersucht. Dabei ergab sich, dass  bei 80 Patienten noch Spuren des Lymphoms vorhanden waren, das man aber mittels Strahlentherapie entfernen konnte. Damit waren die Heilungschancen derjenigen, die nach Überprüfung keine Spur des Tumors mehr trugen und solchen, die mit Strahlentherapie behandelt wurden, gleich. Dieses Ergebnis sorgte in Chicago für viel Beifall, zumal in einigen Ländern wie Frankreich, wo gar nicht, oder USA, wo sehr wenig bestrahlt wird, sich nun wohl die Therapieansätze ändern werden.

Die Professoren Pfreundschuh und Rübe wiesen allerdings darauf hin, dass es immer schwieriger werde, akademische Studien durchzuführen, zumal sie immer teurer würden und die Hürden der Bürokratie schier unüberwindlich seinen, „vor allem in Deutschland.“ Habe man noch vor zehn Jahren eine Studie für zwei Millionen Euro stemmen können, seien es jetzt schon 12 Millionen, „da überlegen sich die Kliniken schon, ob sie sich das noch antun“, so Pfreundschuh.

Doch auch ohne das hervorragende Abschneiden der Homburger Experten weisen langjährige Erfahrungen der Ärzte und Pflegekräfte mit Knochenmark- und Stammzelltransplantationen das Uniklinikum als besonderen Ort zur Behandlung von Lymphknotenkrebs aus.

Durch Kooperationen mit weltweit führenden Zentren auf dem Gebiet der Krebsforschung und das der Klinik angegliederte Jose-Carreras-Zentrum für Immun- und Gentherapie profitieren die Patienten unmittelbar von den neuesten Entwicklungen für jede Tumorart. Durch die Leitung von und Teilnahme an großen internationalen Studien werden dem neuesten internationalen Standard entsprechende Immun- und Chemotherapien angeboten; gleichzeitig wird dadurch ein höchstes Maß an Qualitätskontrolle dieser Therapien gesichert. Als weltweit anerkannte Institution auf dem Gebiet der Erforschung des Immunsystems erhalten Tumorpatienten und auch Patienten mit immunologischen und rheumatologischen Erkrankungen den neuesten Standard an Diagnostik und Therapie.

Die Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie ist spezialisiert auf die primäre Radiotherapie und die kombinierten Radiochemotherapieverfahren von bösartigen Tumoren.

Mit modernsten Techniken und Therapieverfahren werden bösartige Tumorerkrankungen entweder mit alleiniger Strahlentherapie, mit Radiochemotherapie oder in interdisziplinärer Abstimmung mit den chirurgischen und internistischen behandelt. Der Großteil der Patienten wird ambulant behandelt, zur stationären Betreuung steht eine Station mit insgesamt 24 Betten im 7. Obergeschoss des Gebäudes 6 zur Verfügung.

Quelle: Saarbrücker Zeitung