vendredi, 21. juillet 2017

Magdalena Telus, ehemals Leiterin des Polnisch-Lektorats der Saar-Uni und ihre Meinung zu Städtepartnerschaften: Europa braucht internationale Begegnungen

Saarbrücker Zeitung

Familie Telus-Meiser ist von Europa überzeugt. Sie würden auch eine Städtepartnerschaft nach Polen begrüßen und unterstützen.

St. Ingbert. 152 Personen mit polnischer Staatsangehörigkeit leben derzeit in St. Ingbert. Eine davon ist Magdalena Telus. Sie wohnt gemeinsam mit ihrem Mann Andreas Meiser in Rohrbach. Das Ehepaar hat die frühere Rohrbacher Mühle gekauft (wir berichteten). Mittlerweile passiert dort so einiges. Denn die Familie Telus-Meiser hat sich europäisch bestens vernetzt.

Bei einem Besuch in unserer Redaktion, berichtet Magda Telus, was sie umtreibt: „Wir erleben heute, wie sich Polen abschottet. Europapolitik wird über Bord geworfen, die gegenwärtige polnische Regierung denkt in nationalstaatlichen Dimensionen.“ Magdalena Telus ist jedoch eine, die anpackt, die die deutsch-polnische Zusammenarbeit voran treibt. Sie schaut nach Westen und sagt: „Das Saarland hat sich einer Frankreichstrategie verpflichtet. Betrachten wir uns das Zentrum Europas – wir haben, wie schon im Weimarer Dreieck wahrzunehmen, eine Linie von Frankreich über Deutschland nach Polen – eine kulturell wie wirtschaftlich  interessante europäische Achse.“ Die Chancen, die diese Konstellation bietet, sollte man laut Telus, die Polonistik, Slawistik und Germanistik studiert hat, nutzen. „Wir alle – die Menschen in Frankreich, in Deutschland, in Polen – das Saarland als europäische Kernregion, sollte seine Position als Vordenker begreifen und mit Leben füllen.“

Sie betont, wie wichtig Städtepartnerschaften seien. „Am wichtigsten ist das gemeinsame Treffen, zusammen zu wohnen, zu essen, sich auszutauschen. Wie bei Schulpartnerschaften auch.“ So überwinde man am besten die Sprachbarriere. Auch für Europa sei eine Städtepartnerschaft wichtig. „Es geht um internationale Begegnungen. Man fährt von der einen europäischen Stadt in die andere.“ Noch habe St. Ingbert keine Partnerstadt in Polen. „Aber vielleicht klappt das ja mal. Das wäre schön. Beginnen könnte man mit einer Schulpartnerschaft.“ Ein Anfang sei doch gemacht. Der Saarpfalz-Kreis habe eine Partnerschaft ins polnische Przemyœl.

Für Magdalena Telus steht fest: „Ich würde eine Städtepartnerschaft zwischen St. Ingbert und einer polnischen Stadt in jeder Hinsicht unterstützen – wissenschaftlich wie sprachlich.“ Telus würde auch bereit stehen, wenn es darum ginge, Informationen über polnische Kommunen zu beschaffen, die für St. Ingbert als Städtepartnerschaft in Frage kämen. Auch vorbereitende Workshops seien denkbar. „Wenn das Land und vor allem die Sprache nicht mehr fremd sind, wird auch die Distanz kleiner.“ In dem Zusammenhang betont sie, dass sich Interkulturalität nicht von allein einstelle und dass Polenarbeit Europaarbeit sei.Telus, die sagt, dass man mehrere Heimaten haben kann, ist promovierte Lehrbeauftragte an der Universität des Saarlandes, gehört auch zu den Aktivisten von „Pulse of Europe“, einer unabhängigen europaweiten Bürgerinitiative, die den europäischen Gedanken unter die Menschen bringen will. „Wir befinden uns in einer historischen Zeit. Wir haben die Aufgabe, Europa zu erhalten und zu gestalten.“

Ihr Bezug zu St. Ingbert ist durch ihre Schwiegermutter entstanden, eine St. Ingberterin, die in Illingen lebt. Teile der Familie ihres Mannes leben allerdings noch in St. Ingbert, in der Stadt, die Magdalena Telus als Stadt der Dichter und Maler bezeichnet. „St. Ingbert ist ein Kunstfleckchen im Saarland“, sagt die 1963 in Breslau Geborene, die vor 30 Jahren zum Studium nach Deutschland gekommen ist.

Quelle: Saarbrücker Zeitung