dimanche, 23. juillet 2017

Finanzierung für wissenschaftliche Erfindungen: Startkapital für clevere Forscher-Ideen aus dem Saarland

Saarbrücker Zeitung

Über die „Deutsche Crowdinvest“ soll künftig Kapital eingesammelt werden, um Erfindungen in Produkte und Firmen umzuwandeln.

Von Lothar Warscheid

Saarbrücken. Das Saarland ist eine Ideenschmiede. Vor allem an den Hochschulen wird an zahlreichen Entwicklungen getüftelt, die das Zeug haben, ein zukunftsweisendes Produkt zu werden. Einer Untersuchung zufolge entwickeln die Saar-Hochschulen  rund 100 wissenschaftliche Patente, Lizenzen und Erfindungen pro Jahr. Doch nur drei Prozent davon werden dazu genutzt, eine unternehmerische Existenz aufzubauen.

Denn der Weg von der Forschung zu einer erfolgreichen Firma ist weit – vielen oft zu weit. Häufig fehlt es den Wissenschaftlern, die Patente anmelden, an kaufmännischem Know-how und/oder an Startkapital. Hier soll jetzt Abhilfe geschaffen werden – und zwar mit einem neuen Finanzierungsinstrument. Es trägt den Namen „Deutsche Crowdinvest GmbH“ (DCI) und wurde kürzlich als eigenständiges Unternehmen aus der Taufe gehoben. Im Herbst soll es an den Start gehen.  „Hinter uns liegen drei Jahre Entwicklungszeit“, erläutert Uwe Johmann, Firmenkundenvorstand der Sparkasse Saarbrücken, der die DCI maßgeblich nach vorne gebracht hat.

Das Konzept lehnt sich an die Idee des sogenannten Crowdfunding, bei dem eine Vielzahl von Menschen Geld zur Verfügung stellen, um Projekte, Produkte, Firmengründungen aus den Hochschulen heraus (Start-ups) und vieles mehr zu finanzieren. Das Geld wird in erster Linie über das Internet eingesammelt. Die Geldgeber erhalten in der Regel ihren Einsatz nicht zurück, sondern werden mit dem Produkt oder der Dienstleistung abgegolten, die damit finanziert wurde. Beim Crowdinvesting hingegen wird die Crowd (englisch Menschenmasse) – also die einzelnen Anleger – finanziell direkt an dem Projekterfolg beteiligt. Häufig sind kleinere Geldbeträge üblich.

Bei der DCI soll allerdings nicht gekleckert werden, sondern größere Summen in die einzelnen Vorhaben aus dem Hochschul-Umfeld (Spin-offs) fließen. Es sollen zwei Gruppen von potenziellen Investoren angesprochen werden. Zum einen einen sind das private Anleger, zum anderen Unternehmen oder Fonds, die Risikokapital (Venture Capital) zur Verfügung stellen. Zu dieser Gruppe können allerdings auch Profi-Investoren gehören oder sogenannte Family Offices. Dass sind Finanzinvestoren, die  Geld im Auftrag von wohlhabenden Familien verwalten, die ihren Reichtum zum Beispiel durch einen Firmenverkauf erworben haben.

Die erste Zielgruppe der privaten Anleger „kann sich mit Nachrangdarlehen in ein Start-up-Unternehmen einbringen“ schwebt Johmann  vor. Solche Darlehen sind nicht ohne Risiko. Sie müssen im Fall einer Insolvenz erst zurückgezahlt werden, nachdem vorrangige Gläubiger wie zum Beispiel Lieferanten und Banken ihr Geld in voller Höhe erhalten haben. Lediglich die Eigentümer und Gesellschafter rangieren mit ihrem Eigenkapital noch hinter den Nachrangdarlehen. Allerdings werden wegen dieses Risikos höhere Zinsen in Aussicht gestellt.   In der Regel sind in der Finanzierungsstruktur Hausbanken und die Förderbank eingebunden, die die in Frage kommenden Unternehmen „auf Herz und Nieren prüfen“, versichert Johmann, „und die selbst Kapital zur Verfügung stellen“. Zwei Kreditinstitute nehmen den Geschäftsplan und das Zahlenwerk unter die Lupe. Bei dieser Form der Finanzierung plant die DCI eine Obergrenze von 2,5 Millionen Euro.

Bei der zweiten Zielgruppe mit Unternehmen oder Venture Capital Fonds, ist vorgesehen, dass pro Projekt 20 Anteile gezeichnet werden können. Deren Höhe ist allerdings nach oben offen. „Es soll keine Begrenzung der Investmenthöhe geben“, sagt der Sparkassen-Bänker. Erfahrungsgemäß investieren Risiko-Fonds in der Anfangsphase von Start-ups Summen von 250 000 bis zu drei Millionen Euro. Am Ende können es – je nach Erfolgsaussichten der Unternehmen – bis zu 15 Millionen Euro sein. Das Geld, was über die DCI fließen soll, sieht Johmann nicht in Konkurrenz zu den klassischen Finanzierungsformen über die Hausbank oder die Förderung durch die landeseigene Strukturbank SIKB. „Es soll vielmehr eine Ergänzung sein“, sagt er.

Johmann verweist vielmehr auf Überlegungen der EU. Diese plant, dass die Banken Firmenkredite künftig mit deutlich mehr hartem Eigenkapital unterlegen müssen. Im Gegenzug sollen sich die Unternehmen besser über den Kapitalmarkt refinanzieren können. „In diese Lücke soll die DCI stoßen.“ Anteilseigner an ihr sollen die Sparkasse Saarbrücken mit 60 Prozent sowie die Landesbank Saar (Saar-LB) und die SIKB mit jeweils 20 Prozent werden. Der Start soll bescheiden sein. Zunächst will sich die DCI auf zwei Start-ups und eine Firma, die Eigenkapital sucht, konzentrieren.

Zudem soll das Konzept bundesweit vermarktet werden. Sparkassen aus anderen Regionen können sich eigene Partner suchen und die DCI-Struktur  in Lizenz erwerben. Denn nicht umsonst heißt die Gesellschaft „Deutsche Crowdinvest“ – aber mit dem Zusatz „Aus der Region für die Region“. Für Johmann hat die DCI das Zeug, „zu einem echten saarländischen Exportschlager zu werden“.

Quelle: Saarbrücker Zeitung