lundi, 24. juillet 2017

Studenten organisieren interkulturellen Treff: Die munterste Deutschstunde der Stadt

Saarbrücker Zeitung

Studenten schufen im Februar einen Treffpunkt für junge Einwanderer und Altersgenossen aus Saarbrücken.

Saarbrücken. Mitten im Nauwieser Viertel gibt es einen besonderen Ort. Hinter der großen braunen Tür mit der Nummer 13 herrscht eine außergewöhnlich lebendige Atmosphäre. Junge Menschen umringen ein Klavier. Sie singen deutsche und englische Lieder.

Beim Tischfußball werden lautstark jede beeindruckende Aktion und jedes Tor gefeiert. Am Tisch nebenan werden die Köpfe zusammengesteckt. Hinter vorgehaltener Hand geht es um den nächsten Spielzug, das nächste Tor.

Hier tummeln sich Menschen aus aller Welt. Im Herzen von Saarbrücken treffen sich Flüchtlinge und andere Einwanderer mit alteingesessenen Saarbrückern beim „Interkulturellen Treff“, um entspannt ihr Deutsch zu verbessern.

Andrey Eganov nennt die Veranstaltungen einen vollen Erfolg. Jedes Mal verwandeln um die 25 Leute den Deutsch-Ausländischen Jugendclub (DAJC) in einen Ort der Begegnung. Dort sitzen Menschen aus vielen Ländern zum Gedankenaustausch an einem Tisch.

Die „Welcome Initiative for Refugees” (WIR), zu Deutsch die  „Willkommensinitiative für Flüchtlinge“ rief den interkulturellen Treff im Februar dieses Jahres ins Leben. Saarbrücker Studenten gründeten WIR im Jahr 2015, weil es bis dahin noch keine vergleichbare Organisation an der Universität des Saarlandes gegeben habe, sagt Mitgründer Andrey Eganov. „Wir  wollen mit dieser Initiative Flüchtlingen helfen, ein Studium aufzunehmen.”

Die WIR-Mitglieder hörten sich unter den Neu-Saarbrückern um, wie sie ihnen am besten helfen können. Das Ergebnis: Ein Großteil der Befragten wünschte sich mehr Kontakte mit Deutschen, um die Sprache zu üben. Denn in Sprachkursen gehe es oft nur um die Grammatik und  den Wortschatz, sagt Carolin Contomichalos, eine Mitgründerin der Initiative. Der Treff solle Flüchtlingen beim Üben helfen. „In den Sprachkursen ist oft dafür nicht so viel Zeit“, sagt sie. „An der Übung scheitert es dann manchmal.“

Der Treffpunkt im Nauwieser Viertel soll diese Gelegenheit zum Üben  bieten. Bei Gesellschaftsspielen, beim Musizieren und beim Kickern  üben die Besucher nicht nur, besser mit der deutschen Sprache umzugehen, die lernen auch viele Menschen und andere Kulturen kennen und verstehen.

„Dieser Sprachtreff ist eine sehr gute Gelegenheit, Vorurteile abzubauen”, sagt Ahmad Fakhreddin. Er kommt fast wöchentlich zu den Veranstaltungen und freut sich darauf, dort immer wieder neue Menschen anzutreffen. Wie zum Beispiel Florence Heuwagen. Sie kommt schon seit ein paar Wochen „vor allem weil man hier so viele nette Leute trifft. Und es ist praktisch weil ich ein bisschen Arabisch lernen kann”, sagt sie.

Denn eines ist besonders wichtig:  Nicht nur Flüchtlinge sollen von Einheimischen lernen, sondern umgekehrt lernen die Saarbrücker,  über den eigenen Tellerrand zu blicken. Deshalb begrüßt Carolin alle Interessierten, egal woher sie sind, und sagt: „Alle sind hier herzlich willkommen.“

Quelle: Saarbrücker Zeitung