vendredi, 08. septembre 2017

Start der Kinder-Uni mit Vorlesung der Philosophin Susanne Mantel: Könnten wir wie Pippi Langstrumpf leben?

Saarbrücker Zeitung

Ob wir, wie das stärkste Mädchen der Welt, auch einfach auf Regeln pfeifen könnten, das will Susanne Mantel in ihrer Vorlesung am 8. November bei der Kinder-Uni klären.

Von Martina Kind

Saarbrücken. „Ich mach‘ mir die Welt, widdewidde wie sie mir gefällt!“ Diese Zeile aus dem berühmten Pippi-Langstrumpf-Lied von Astrid Lindgren kennt bestimmt jeder von euch. Doch habt ihr auch schon einmal darüber nachgedacht, wie es wäre, wirklich nach seinen eigenen Regeln leben zu können, so wie Pippi? Wie viel Spaß man da haben könnte! Stundenlang mit seinen Freunden rumhängen statt Hausaufgaben zu machen oder zu lernen, abends so lange fernzusehen, wie man möchte... Und niemand, der einem ständig vorschreibt, was man zu tun oder zu lassen hat.

Das echte Leben sieht aber leider anders aus. Da müssen wir uns den ganzen Tag an irgendwelche Vorschriften halten, sei es in der Schule, zu Hause oder bei unseren Freunden. Manche dieser Regeln können ganz schön unsinnig sein, zum Beispiel dass wir nicht zwei verschiedene Socken anziehen sollen. Ob es aber auch wichtige Regeln gibt und welche das sein könnten, diese Fragen will Susanne Mantel am 8. November bei der ersten Kinder-Uni im neuen Semester beantworten.

Susanne Mantel lehrt Philosophie an der Universität des Saarlandes. Das heißt, dass sie sich nicht so einfach damit zufrieden gibt, dass es bestimmte Regeln auf dieser Welt gibt. Schließlich muss es ja auch einen guten Grund für sie geben. Und um den herauszufinden, macht sie gemeinsam mit anderen Professoren oder ihren Studenten sogenan­nte Gedanken­experimente. Dabei stellen sie sich Sachen vor, die im echten Leben gar nicht vorkommen, fragen sich gegenseitig Löcher in den Bauch und diskutieren miteinander, bis ihnen fast der Kopf raucht. Kurz gesagt: Sie philosophieren.

„Wir fragen uns zum Beispiel oft, wann eine Tat gut ist und wann böse. Vielleicht ist euch schon einmal aufgefallen, dass es auch in vielen Kinderbüchern darum geht, was gut ist und was schlecht“, erklärt Mantel. Ronja Räubertochter denkt etwa darüber nach, warum man nicht rauben darf. Andere Geschichten wie „Die Brüder Löwenherz“ handeln sogar davon, wie zwei mutige Kinder versuchen, ein Land von einem Bösewicht zu befreien, der Unschuldigen großes Leid zufügt. Dann stellt sich die Frage, was erlaubt ist, um diesen Bösewicht zu besiegen. Solche Geschichten haben also sehr viel mit Regeln zu tun, sagt Mantel.

Gibt es eine Regel, die erklärt, warum das, was der Bösewicht tut, schlecht ist? Ist es zum Beispiel immer böse, anderen Menschen Leid zuzufügen? Ist es dann aber in Ordnung, dass die Guten in einer Geschichte gegen einen Bösewicht kämpfen und ihn vielleicht sogar töten? Denn damit fügen sie ja dem Bösewicht Leid zu und brechen so eigentlich auch eine Regel. Über solche Fragen möchte Susanne Mantel bei der ersten Vorlesung im neuen Semester mit euch diskutieren. Sie bringt drei spannende Beispiele aus „Pippi Langstrumpf“, „Ronja Räubertochter“ und „Die Brüder Löwenherz“ von Astrid Lindgren mit, über die ihr gemeinsam nachdenken könnt. Dabei dürft ihr dann – wie die echten Philosophen – selbst Gedankenexperimente machen und euch überlegen, wie ihr handeln würdet, wenn ihr die Hauptfigur in der Geschichte wärt.

Wenn ihr also gerne mehr über Helden und Bösewichte erfahren möchtet, dann kommt doch einfach am 8. November zu Susanne Mantels Vortrag „Was ist gut und was ist böse?“ in den Audimax der Uni.

Quelle:
Saarbrücker Zeitung