lundi, 18. septembre 2017

Diese Denkstätten stehen unter Denkmalschutz an der Universität des Saarlandes

Saarbrücker Zeitung

Zahlreiche Bauwerke der Saar-Uni stehen unter Denkmalschutz. Sie bezeugen eine bewegte Geschichte – und verteuern die Sanierung.

Von Christian Leistenschneider


Saarbrücken.
Historische Relevanz lässt sich nicht immer auf den ersten Blick erkennen. So mancher Geisteswissenschaftsstudent an der Universität des Saarlandes wird sich wohl verwundert die Augen reiben, wenn er erfährt, dass Gebäude C5 2, das hauptsächlich mit akuten Brandschutzmängeln und jahrelangem Sanierungsstau in Verbindung gebracht wird, offiziell unter Denkmalschutz steht. Laut saarländischem Denkmalschutzgesetz ist es somit ein Kulturdenkmal, das als Zeugnis menschlicher Geschichte und örtlicher Eigenart besonders geschützt und gepflegt werden muss.

Und damit ist es bei weitem nicht allein. Ganze 30 der insgesamt 108 Gebäude auf dem Saarbrücker Campus finden sich auf der Denkmalschutzliste des Bildungsministeriums. Das hat auch mit der besonderen Geschichte der Hochschule zu tun. Den Kern der Uni bilden die Gebäude einer ehemaligen Kaserne. Die nach einem preußischen Offizier benannte Below-Kaserne wurde 1937/38 unter nationalsozialistischer Herrschaft errichtet. Die drei- bis viergeschossigen Backsteinbauten sind heute unter anderem Sitz des Präsidiums und der Verwaltung der Hochschule.

Nachdem 1948 beschlossen wurde, die Kaserne in eine Universität umzuwidmen, wurde ein Architektenwettbewerb zur Erweiterung des Geländes ausgeschrieben. Daraus entwickelten sich die Bauten des sogenannten Universitätsforums, die den französischen Platz vor dem Audimax-Gebäude umschließen. Meist handelt es sich dabei um sogenannte Betonskelett- und Flachdachbauten, die als typisch für die Nachkriegsmoderne gelten. Als erstes entstand 1952-54 die Bibliothek an der Westseite des Platzes.

Die dritte Gebäudegruppe, die auf dem Campus unter Denkmalschutz steht, bilden Einzelbauten, die nach 1964 entstanden sind. Herausragendes Beispiel ist das Mensa-Gebäude. Aufgrund der Gesamtkonzeption als Verbindung von Kunst und Architektur hat es weltweit Beachtung gefunden. Es gilt als bemerkenswertes Beispiel des sogenannten Brutalismus, eines Baustils, der den Beton feiert.

Zur Kategorie bewahrenswerter Einzelbauten gehört auch C5 2. Aufgrund seines schmalen Grundrisses wird das achtgeschossige Gebäude auch als „Scheibe“ bezeichnet. Was aber macht es besonders? In einer Publikation des Landesdenkmalamtes heißt es dazu: „Der Erweiterungsbau der Philosophischen bricht als erster Großbau mit der städtebaulichen Grundkonzeption der Universität. Damals noch in Randlage, schuf die markante Scheibe eine neue Dominante, ohne jedoch bestehende Substanz zu beeinträchtigen. Die konsequente horizontale Schichtung und rationale Außengestaltung ist von hoher Eleganz, die auch im Innern baukünstlerisch eingelöst wird. Die reduzierte Formensprache repräsentiert die rationale Bauauffassung der 1960er Jahre“. Und wer bei der Inneneinrichtung des Baus an fehlende Feuerlöscher und triste Flure denkt, sollte sich folgenden Text zu Gemüte führen: „Eingestellte Wandkompartimente bilden im Korridor eine Raumfolge, die den Eintretenden – gleich einer barocken Enfilade ­­– in die Tiefe des Gebäudes führt. Der Künstler Horst Linn steuerte die Wandgestaltung mit Reliefs aus filigranem Kupferblech bei. Die hellgrauen Marmorplatten der Fußböden aus der Bauzeit sind erhalten.“

Ein bewusster Blick auf die historische Substanz der Unibauten lohnt sich also. Für die Hochschule ist das aber nicht nur ein Grund zur Freude. Denn Denkmalschutz bedeutet Auflagen – und damit höhere Kosten. Besonders bei der Sanierung von Gebäuden fällt das ins Gewicht. Die Mehrkosten, die sich hierbei ergeben, sind im Bauhaushalt zu spüren: Verteuert sich eine Renovierung wegen Denkmalschutzauflagen, wird an anderer Stelle gespart.

Anlässlich der wegen Sicherheitsproblemen beschlossenen schrittweisen Evakuierung von Gebäude C5 2 machte der Allgemeine Studierendenausschuss Asta der Uni deshalb einen radikalen Vorschlag: Statt das Gebäude aufwendig zu renovieren, sollte man es abreißen und ein neues hinstellen. Das sei im Endeffekt schneller und billiger. Dazu müsste aber erst einmal der Denkmalschutz aufgehoben werden.