Zwischen Genres und Medien: Formen moderner Prosa in Frankreich

Sektionsleitung: PD Dr. Nanette Rißler-Pipka (Siegen), Dr. Christof Schöch (Würzburg)

Sektionsbeschreibung

Ein entscheidendes Merkmal moderner französischer Literatur seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Transgression im Sinne einer Überschreitung oder Entgrenzung von Vorgaben, die von Genres und Medien bestimmt werden. Die aus dieser zugespitzten Formel entspringende Fragestellung ist die nach dem neuen Verhältnis von Gattungen und Medien unter den Bedingungen einer solchen Transgression. In der Anordnung unseres Versuchs fokussieren wir uns dabei auf eine Gattung, die wir gerade nicht den "Roman", das "Prosagedicht" oder die "Erzählung" nennen, sondern schlicht "Prosa". Wir fragen nach jenen Formen moderner Prosa, die ihr angestammtes Genre über-schreiten, sich mit anderen Genres oder Medien vermischen und dabei neue, hybride oder intermediale Formen entdecken.

Dieses theoretisch und inhaltlich immer noch sehr breit gefächerte Gebiet berührt aktuelle Debatten der Narratologie, Gattungspoetik, Intermedialität und Hybridisierung (Rabatel, Genette, Nünning, Combe, Rajewsky, Spielmann). Wir möchten mit der Sektion an diese Debatten anschließen und an konkreten Beispielen zeigen, welches Erkenntnispotential die entsprechende Theoriebildung haben kann. Dabei möchten wir auch zu einer methodischen Grenzüberschreitung einladen: Wie tragen etablierte Methoden einer präzisen, exemplarischen, theoretisch fundierten Lektüre einerseits, und neuere, quantitative Verfahren der literarischen Textanalyse (Jannidis, Ramsay, Jockers) andererseits, zur Untersuchung der generisch und/oder medial transgressiven modernen Prosa bei? Wo liegen ihre jeweiligen Beschränkungen? Wir werden dabei von der Überzeugung geleitet, dass beide Ansätze unterschiedliche Perspektiven auf die zahlreichen Facetten der Fragestellung anbieten können, die sich ergänzen bzw. gemeinsam eine Hypothese belegen können.

Bestimmte Fragestellungen sind möglicherweise besonders dazu geeignet, anhand größerer Text-sammlungen und mit den Mitteln der quantitativen Textanalyse exploriert zu werden. Können wir mit solchen Verfahren neue Gruppen moderner Prosatexte mit gemeinsamen Merkmalen erkennen? Ergeben sich Muster, die zu einer Neubestimmung einer Gattung im Verhältnis zu anderen Medien befähigen? Oder liegt der Charakter moderner Prosa gerade in der Verweigerung von Gemeinsamkeiten und identifizierbarer Kennzeichen, was quantitative Verfahren herausfordert? Umgekehrt ist es unabdingbar, gerade solche Einzelfälle qualitativ zu untersuchen, die aus übergeordneten Mustern heraus fallen und sich Regelmäßigkeiten entziehen. Wie schaffen es diese Einzelstücke moderner Prosa, nicht nur aufzufallen, wahrgenommen zu werden, sondern in vielen Fällen Vorbildfunktion zu sein und ein eigenes Subgenre zu begründen? Bilden die Texte, die unter Subgenres wie Avantgarde-Roman, Prosa-Gedicht, Nouveau Roman, Postavantgarde-Roman, Erinnerungsroman, Kriminalroman, etc. firmieren, tatsächlich kohärente Ensembles, oder überwiegen ihre singulären Eigenschaften? Wie kann eine methodische Dialektik zwischen quantitativem Überblick und qualitativer Einzelanalyse produktiv werden? Das Spannungsfeld zwischen auf statistischer Basis gewonnenen Textgruppen und vorliegenden literaturgeschichtlichen Einordnungen ergibt in dieser Hinsicht ohne Zweifel Stoff für anregende Diskussionen.

Als Untersuchungsgegenstände für die genannten und weitere Fragestellungen und ihre Bearbeitung aus beiden Perspektiven bieten sich zum einen die Prosawerke von AutorInnen an, die den Roman als Gattung in eine neue oder individuelle Richtung gelenkt haben. Das Spektrum kann hier-bei von Gide, Proust über Sarraute, Robbe-Grillet, Simon, Duras, Butor, Perec bis hin zu Manchette, Daeninckx, Bon, Echenoz, Toussaint, NDiaye, etc. reichen. Zum anderen denken wir an Texte von AutorInnen, die andere Formen der Prosa genutzt oder weiterentwickelt haben oder ganz neue Formen erfunden haben, und die zum Beispiel aus dem Kontext der Avantgarden stammen, wie Leiris, Picasso, Duchamp, Cahun, Ponge etc. Diese Liste ließe sich verlängern und wir sind gespannt auf neue Vorschläge, die idealerweise ein großes Spektrum an Subgenres der modernen französischen Prosa abdecken und die Transgression von Medien und Genres exemplarisch darstellen.

 

Eine detaillierte Sektionsbeschreibung inklusive Vorträge finden Sie hier. (Stand: 22.09.16)

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Aktuelles


 

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