Saarbrücker literaturwissenschaftliche Ringvorlesungen

Erkundungen zwischen Krieg und Frieden

im Rathausfestsaal der Landeshauptstadt Saarbrücken


Sommersemester 2016 | montags 19:00 Uhr

Der Krieg, als „Zustand der öffentlichen Gewaltthätigkeiten zwischen Staaten oder beträchtlichen Theilen derselben“, wie der Dresdner Bibliothekar und Lexikograph Johann Christoph Adelung (1732–1806) im „Grammatisch- kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart“ definiert, bestimmt nicht nur das politische Denken und Handeln. In allen Epochen haben Krieg und Kriegserlebnis auch die Literatur, die Künste und Wissenschaften geprägt. Da aber die Erfahrung des Krieges und die Sehn sucht nach Frieden einander dialektisch bedingen, haben Schriftstellerinnen und Schriftsteller in ihren Werken auch über Voraussetzungen und Bedingungen wie die grundsätzliche Möglichkeit des friedlichen Miteinanders menschlicher Gesellschaften nachgedacht.

Vor dem Hintergrund der Bürgerkriege, der Eroberungs-, Befreiungs-, Angriffs- und Verteidigungskriege, in denen Macht und Ohnmacht politischen Handelns in unserer Gegenwart offenbar werden, fragt die fünfte Saarbrücker literaturwissenschaftliche Ringvorlesung nach bellizistischen und pazifistischen Diskursen in der Literatur. Der Fokus liegt hierbei auf den kanonischen Werken der Literaturgeschichte, die im Hinblick auf Repräsentation und Inszenierung, auf Darstellungsstrategien und Rhetoriken, auf Erinnerungen und Deutungen von Krieg und Frieden befragt werden.

Veranstalter der Saarbrücker literaturwissenschaftlichen Ringvorlesungen sind Professor Dr. Sikander Singh und Dr. Manfred Leber von der Universität des Saarlandes in Zusammenarbeit mit Christel Drawer von der Kontaktstelle Wissenschaft der Kulturabteilung der Landeshauptstadt Saarbrücken.

Die Vorlesungen dauern in der Regel eine Stunde. Im Anschluss besteht die Möglichkeit, Fragen zu stellen und mit den Vortragenden ins Gespräch zu kommen.

Die Vorlesungen sind öffentlich und der Eintritt ist frei.

25|04|2016 19:00 Uhr
Professor Dr. Roland Marti (Slavische Philologie)
Lev N. Tolstojs „Krieg und Frieden“ („Vojna i mir“)

Der Titel des wohl bekanntesten Werkes von L. N. Tolstoj, „Krieg und Frieden“ („Vojna i mir“) steht für die gesamte Ringvorlesung Pate. Erst „Krieg und Frieden“ führte seinerzeit „die Russen“ nachhaltig in die Weltliteratur ein. Dass gerade „Krieg und Frieden“ dies bewirkte, ist erstaunlich, denn das Werk ist zum Teil sehr schwere Kost. Außerdem entsprach es in mancherlei Hinsicht nicht den damaligen Vorstellungen von einem Roman (und der Verfasser selbst hat es auch nicht als solchen bezeichnet). Aber vielleicht ist es gerade die Verbindung von privater und Weltgeschichte mit geschichtsphilosophischen Überlegungen, die, zusammen mit dem klar akzentuierten russischen Standpunkt Tolstojs, den Reiz dieses Textes ausmacht. Im Kontext der Ringvorlesung werden die allgemein geschichtlichen Aspekte von „Krieg“ und „Frieden“ im Mittelpunkt stehen. 

02|05|2016 19:00 Uhr
Professor Dr. Ralf Bogner (Neuere deutsche Literaturwissenschaft)
Von der Pflugschar zum Schwert. Wehrpflicht, Kriegsdienst und Desertion in der Dorfgeschichte

Die Dorfgeschichte ist eine der beim Publikum beliebtesten literarischen Gattungen im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Sie ist angesiedelt im ländlichen Milieu und erzählt von den Schicksalen von Bauern, Kleinhäuslern, Tagelöhnern, Dorfschullehrern, Landpfarrern und Vagabunden. Dabei reflektiert sie literarisch alle wesentlichen gesellschaftlichen, politischen und infrastrukturellen Veränderungen dieser Jahrzehnte. Dazu gehört auch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, die gerade auf dem Dorf – fern von der großen Machtzentralen und von den dortigen Kasernen – massive, politisch nur schwer vermittelbare Konsequenzen im Zusammenleben mit sich bringt. Viele Figuren der Dorfgeschichten werden so zu exemplarischen Repräsentanten für erzählerische Debatten auch rund um viele aktuelle militärische Fragen – bis hin zur Diskussion um eine mögliche Legitimität der Desertion unter bestimmten Bedingungen und bis zum Zweifel am Sinn des Ersten Weltkriegs. 

09|05|2016 19:00 Uhr
Professor Dr. Peter Riemer (Klassische Philologie)
Friedenshoffnung und Bürgerkrieg in Vergils „Aeneis“

Für die „Aeneis“, das römische Nationalepos, ist die Gegensätzlichkeit von Krieg und Frieden von fundamentaler Bedeutung. Venus sorgt sich stets um ihren Sohn Aeneas, der nach dem Untergang Trojas auf der Flucht in eine neue Welt den Angriffen Junos anscheinend schutzlos ausgeliefert ist. Jupiter tröstet die besorgte Göttin schon zu Beginn des Werks, indem er den Nachfahren des Aeneas eine große Zukunft voraussagt; einst werde die Kriegspforte des Janustempels in Rom geschlossen und Friede einkehren. Vor diesem Frieden aber, so lehrt das Epos, sind manche Kriege zu führen. Rückblickend wird der Krieg zwischen Griechen und Trojanern geschildert, der mit dem Fall Trojas endet und die Flucht aus der Heimat zur Folge hat. Bei der Ansiedlung der Trojaner auf italischem Boden bricht erneut ein Krieg aus. Diese inneritalischen Kämpfe hat Vergil zu einer Auseinandersetzung zwischen Stammverwandten gemacht: eine Präfiguration der römischen Bürgerkriege im 1. Jahrhundert v. Chr.?

23|05|2016 19:00 Uhr
Professor Dr. Wolfgang Haubrichs (Mediävistik und Ältere deutsche Philologie)
Helden ohne Frieden. Von der gesellschaftlichen Rolle der Gewalt in früher heroischer Epik („Beowulf“, „Hildebrandslied“, „Waltharius“ und andere)

Heldenlieder und Heldenepik des frühen (und teilweise auch noch des hohen) Mittelalters kann man als Versuche auffassen, den gesellschaftlichen Gebrauch von Gewalt, ohne den Herrschaft nicht aufrechtzuerhalten war, in einer durchaus bereits christlich überformten Gesellschaft dennoch zu legitimieren. Die heroische Sage bediente sich dazu dreier Strukturmodelle, die jeweils eine zutiefst bedrohte Welt voraussetzen: 1) den befreienden und oft primordialen Kampf von Land und Menschen bedrohenden Ungeheuern (Meermonstern, Drachen, Wesen der Anderwelt); 2) die Wiederherstellung des ‚Rechts‘ in einer durch Verletzung der Ordnung rechtlos gewordenen Welt; 3) die Inszenierung von unlösbaren Wertekonflikten, die anscheinend Gewalt unausweichlich machen. Diese epischen Figurationen einer grundsätzlich friedlosen Welt sollen an den Beispielen des angelsächsischen „Beowulf“, des althochdeutschen „Hildebrandliedes“ und der verschieden versprachlichten Waltharius-Sage besprochen werden. 

30|05|2016 19:00 Uhr
Professorin Dr. Christiane Solte-Gresser (Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft)
Fluchtgeschichten. Erzählen vom Zweiten Weltkrieg bei Irène Némirovsky, Anna Seghers und anderen

Die Invasion der Deutschen Wehrmacht in Frankreich, Belgien und den Niederlanden im Mai und Juni 1940 zählt zu den Kriegsereignissen, die sich tief in das kollektive Gedächtnis der Franzosen eingegraben haben. Die einsetzende Massenflucht der Zivilisten, die Auflösung der französischen Armee und das daraus entstehende Chaos auf den Straßen zwischen Flandern, Paris und Südfrankreich wurden von zahlreichen Schriftstellern und Künstlern verarbeitet, die sich selbst auf die Flucht begeben mussten.

So haben etwa Romain Rolland und Léon Werth ihre Erfahrungen in Briefen, Berichten und Tagebüchern festgehalten. Claude Simon, Robert Merle, Anna Seghers und Irène Némirovsky veröffentlichen Romane, die eben diese Ereignisse ins Zentrum stellen. Madeleine Bourdouxhe legt eine autobiographische Erzählung vor, Henri Verneuil dreht einen Spielfilm, Frans Masereel fertigt ein Skizzenbuch an, das seine Flucht dokumentiert.

Der erste Teil des Vortrags bietet einen allgemeinen Überblick über die literarische Verarbeitung dieser traumatischen Erfahrung vor allem im Hinblick auf die verwendeten Motive, Wahrnehmungsperspektiven und ästhetischen Gestaltungsverfahren der verschiedenen Werke. Im Hauptteil werden die beiden Romane „Suite française“ von Irène Némirovsky (1942/2004) und „Transit“ (1944/1948) von Anna Seghers näher präsentiert und miteinander verglichen. Dabei wird sich zeigen: Beide Texte betten die Kriegsereignisse als Handlung in eine komplexe Erzählstruktur ein; beide lassen sich aber auch als grundsätzliche schriftstellerische Erkundungen über Krieg und Frieden verstehen. Und nicht zuletzt denken beide Autorinnen in ihren Romanen intensiv darüber nach, welche Konsequenzen die Kriegserfahrungen für das Geschichtenerzählen und für die Literatur insgesamt haben.  

06|06|2016 19:00 Uhr
Dr. Johannes Birgfeld (Neuere deutsche Literaturwissenschaft)
Gotthold Ephraim Lessings „Minna von Barnhelm“ als ‚Nachkriegsliteratur‘

Gotthold Ephraim Lessings „Lustspiel in fünf Aufzügen“ „Minna von Barnhelm, oder Das Soldatenglück“ erlebte im Jahr 1767 sowohl seine Uraufführung wie seine erste Drucklegung. Zugleich hebt Lessing im Untertitel hervor, „verfertiget“ habe er sein Stück bereits „im Jahre 1763“, im letzten Jahr also des seit 1756 vor allem zwischen Preußen und Österreich tobenden Siebenjährigen Krieges. Und 1763 spielt auch die Handlung des Stücks: am 22. August 1763 in einem Gasthof in Berlin, etwas mehr als ein halbes Jahr nach der Unterzeichnung des Friedens von Hubertusburg am 15. Februar 1763, der zwischen Preußen und seinen Gegnern den status quo ante bellum wieder herstellte. Kriege gehören im 18. Jahrhundert zum Alltag. Nach dem Siebenjährigen Krieg aber, in dem sich viele Dichter auf Seiten Österreichs oder Preußens propagandistisch engagiert haben, kehren keineswegs alle Autoren nach den Feiern zum erneuten Frieden ohne weiteres zum Alltag zurück. Ein Teil der nach dem Kriegsende entstehenden Literatur wird zur tatsächlichen Nachkriegsliteratur, in der Autoren kurz nach Kriegsende über die Erfahrungen des Krieges und/oder über die durch den Krieg entstandenen neuen gesellschaftlichen Verhältnisse öffentlich räsonieren. Der Vortrag wird zu zeigen versuchen, in wie fern das scheinbar als ‚Eheanbahnungsstück mit Hindernissen‘ gestaltete Lustspiel tatsächlich vor allem eine Demonstration einer erheblichen Desillusionierung und Entfremdung Lessings und der bürgerlichen Schichten über den preußischen Staat ist.  

13|06|2016 19:00 Uhr
Professorin Dr. Romana Weiershausen (Neuere deutsche Literaturwissenschaft / Frankophone Germanistik)
Vom Krieg in den Frieden: Traum und Trauma in der Heimkehrerliteratur nach dem Zweiten Weltkrieg

Den Soldaten, die nach Kriegsende, zum Teil nach mehrjähriger Kriegsgefangenschaft, in die Heimat zurückkehrten, begegnete ein ‚Zuhause‘, das verstörend verändert war: zerbombte Städte, verlorene Familien oder entfremdete Eheverhältnisse. Insbesondere kamen sie in eine Gesellschaft, die verdrängen und vergessen wollte, wofür die Heimkehrer standen, nämlich die traumatischen Kriegserlebnisse. In der Heimkehrerliteratur, etwa von Reinhold Schneider, Hans-Erich Nossack und Wolfgang Borchert, drückt sich die empfundene Unwirklichkeit der Realität aus. Der Traum spielt dabei eine entscheidende Rolle. Der Vortrag wird dem in ausgewählten Beispielen aus der deutschen Literatur der späten 1940er und der 1950er Jahre nachgehen. 

20|06|2016 19:00 Uhr
Professor Dr. Ralf Hertel (Anglistische Literaturwissenschaft der Universität Trier)
Kriegsstück oder Antikriegsstück? Von der Subjektivierung des Krieges in Shakespeares „Heinrich V.“

In Shakespeares „Heinrich V.“ begegnet uns Krieg in verschiedenen Formen: als Erbfolgekrieg, als territorialer Krieg, schließlich auch als Glaubenskrieg, bei dem die Franzosen zu dekadenten Katholiken, die (historisch ebenfalls katholischen) Engländer hingegen zu Proto-Protestanten stilisiert werden. Zudem spielt Shakespeare hier von der verbalen bis hin zur psychologischen verschiedene Formen der Kriegsführung durch. Zugleich steht der Rhetorik patriotischen Getöses eine ganz und gar unheroische Realität entgegen: Die Motivation für Heinrichs Frankreichfeldzug scheint fragwürdig, seine Rhetorik klingt bei genauer Betrachtung oft hohl, und die beschworene „brüderliche Einheit“ zerfällt durch das deutliche Markieren von Hierarchien ebenso wie die nationale Einheit, die durch die Verwendung verschiedener Dialekte in Frage gestellt wird. Da die Wahl der Dramenform es fast unmöglich macht, den Krieg direkt und szenisch vorzuführen, muss er im Drama eine Leerstelle bleiben. Wir sehen deshalb nie den Krieg an sich, sondern nur seine Folgen, gespiegelt in den Beteiligten und ihren Schicksalen. So unterläuft das Drama die abstrakte Rede vom Krieg und subjektiviert ihn. Auf diese Weise unterläuft das Drama eindeutige Festlegungen, und es bleibt dem Zuschauer überlassen, es als Kriegspropaganda oder Anti-Kriegsstück zu deuten. 

27|06|2016 19:00 Uhr
Professor Dr. Hans-Jürgen Lüsebrink (Romanische Kulturwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation)
Ahmadou Kouromas „Allah muss nicht gerecht sein“ („Allah n’est pas obligé“)

Dieses Werk des im westafrikanischen Staat Elfenbeinküste geborenen Schriftstellers A. Kourouma (1927 bis 2003), der mit seinem Roman „Les Soleils des Indépendances“ („Die Sonnen der Unanbhängigkeiten“, 1960) eines der epochalen Werke der postkolonialen Literatur Afrikas schuf, führt den Leser in die Epoche der blutigen Bürgerkriege in Liberia und Sierra Leone in den ausgehenden 1990er Jahren. Aus der Sicht des Kindersoldaten Ibrahima werden die unvorstellbaren Grausamkeiten und Brutalitäten, aber zugleich auch die Absurditäten dieser innerafrikanischen Konflikte geschildert, die die Geschichte des Kontinents seit über einem halben Jahrhundert kennzeichnen. Bei ihnen geht es um Macht und Geld, aber auch um interethnische Konflikte und verhärtete ideologische Positionen. Mit mehreren Wörterbüchern ausgerüstet, mit deren Hilfe sich der Erzähler allmählich in die Sprache der Herrschenden und politischen Führer, das Französische, und ihre Mentalität hineinzudenken vermag, entwickelt er einen ebenso distanzierten wie desillusionierten Blick auf die grausamen Geschehnisse, in die er hineingezogen wird. Dieser ermöglicht ihm letztlich auch eine erfolgreiche Strategie des Überlebens. 

04|07|2016 19:00 Uhr
Professorin Dr. Patricia Oster-Stierle (Französische Literaturwissenschaft)
Der Erste Weltkrieg in der französischen Literatur damals und heute: Marcel Proust und Jean Echenoz

Der erste Weltkrieg verwandelt im letzten Band von Marcels Prousts großem Werk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ das verwunschene Combray der Kindheit in das vom Krieg zerstörte Verdun. Der Cinéaste Raoul Ruiz hat in seinem Film „Le temps retrouvé“ eindrückliche Bilder für diese bisher wenig beachtete Metamorphose gefunden. Proust war zwar selbst nicht Soldat, doch er konnte sich der Erfahrung von Leid und Tod in seiner unmittelbaren Umgebung nicht entziehen. Wie aber reflektiert ein Autor einhundert Jahre nach dem ersten Weltkrieg diese Erfahrung? Jean Echenoz versucht in seinem schmalen Roman „14“ eine nüchterne und scharfsinnige Annährung im Zeitraffer an La Grande Guerre, wie der Erste Weltkrieg in Frankreich heißt. 

11|07|2016 19:00 Uhr
Professorin Dr. Astrid Fellner (Nordamerikanische Literatur- und Kulturwissenschaft)
Krieg und Frieden in der amerikanischen Literatur

Krieg und Frieden – die Darstellung und literarische Repräsentation in der nordamerikanischen Literatur ist deswegen besonders ergiebig, weil die USA aufgrund ihrer Geschichte ein besonderes Verhältnis zum Krieg aufweist. Als Nation entstanden die Vereinigten Staaten von Amerika nämlich als unmittelbare Folge eines Krieges. Vom Revolutionskrieg im 18. Jh. bis hin zu den Kriegen in Afghanistan und Irak im 21. Jh. spannt sich dann ein breiter Bogen gewaltsamer Interventionen. Wie Richard Slotkin in seiner 1973 erschienenen Studie „Regeneration through Violence. The Mythology of the American Frontier, 1600–1860“ erklärt, prägte die koloniale Geschichte der Indianerkriege die Symbolsysteme der amerikanischen Literatur und Kultur von Anfang an und begründet damit auch eine einzigartige Art und Weise in der amerikanischen Literatur über Krieg zu schreiben (vgl. Hölbling 1987). Dieser Vortrag setzt sich zum Ziel, einen breiten Überblick über die Darstellung von Krieg und Frieden in der U.S.-amerikanischen Literatur zu geben. Vor allem sollen diejenigen Texte in den Fokus gerückt werden, die Gewalt in Frage stellen, rhetorischen Protest gegen Krieg einlegen, die Desillusionierung der Romanhelden in den Vordergrund stellen und Kritik am Wertesystem der USA üben. 

18|07|2016 19:00 Uhr
Dr. Manfred Leber (Neuere deutsche Literaturwissenschaft)
Kriegstreiber, Verräter oder verhinderter Friedenstifter? Das schwankende Wallenstein-Bild vor, nach und bei Friedrich Schiller

„Von der Parteien Gunst und Hass verwirrt / Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte“, heißt es im Prolog von Schillers „Wallenstein“. Hat sich an diesem Befund kontroverser Bewertungen des kaiserlichen Feldherrn des Dreißigjährigen Kriegs seither Wesentliches geändert? Inwiefern scheinen auch Schillers eigene Rekonstruktionsversuche der historischen Figur, vergleicht man die Dramen-Trilogie „Wallenstein“ mit der vorausgegangen historischen Abhandlung „Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs“, einem Schwanken unterworfen zu sein? Und schließlich: Kann vielleicht gerade Schillers „Wallenstein“-Dichtung, die erstaunlich weitgehend Kriterien der Aristotelischen Tragödienpoetik entspricht, Relevanz auch für den anhaltenden Historikerstreit um Wallenstein zuerkannt werden? Auf diese Fragen versucht der Vortrag Antworten zu geben. Im Zentrum wird dabei eine Analyse von „Wallenstein. Ein dramatisches Gedicht“ stehen (so der vollständige Titel von Schillers Hauptwerk), und zwar sowohl seines immanenten Handlungsgefüges als auch der damit verwobenen historischen und poetologischen Bezüge. 

25|07|2016 19:00 Uhr
Professor Dr. Sikander Singh (Neuere deutsche Literaturwissenschaft)
Paul Gerhardt und das Ende des Dreißigjährigen Krieges

Wie bei den meisten Schriftstellern und Dichtern seiner Generation wurde das Leben von Paul Gerhardt (1607 bis 1676) wesentlich von der Erfahrung des Dreißigjährigen Krieg und seiner Auswirkungen geprägt. Denn auch nach der Verkündigung des Westfälischen Friedens im Jahr 1648 waren die Folgen des jahrzehntewährenden Konfliktes zwischen der Katholischen Liga und der Protestantischen Union, der weite Teile Europas zerstörte, gegenwärtig. Deshalb werden in den Liedern, die den evangelisch-lutherischen Pfarrer bis in unsere Gegenwart zu einem der bedeutendsten Kirchenlieddichtern gemacht haben, sowohl Kriegserlebnisse als auch Friedenshoffnungen in vielfältiger Weise thematisiert und vor dem Hintergrund theologischer Positionen reflektiert.

Der Vortrag geht zum einen der Frage nach, in welcher Weise marodierende Söldner und plündernde Soldaten, Morde und Seuchen, Flucht und Vertreibung das Leben Gerhardts beeinflusst haben; zum anderen unternimmt er den Versuch, die Liedtexte im Hinblick auf die theologische Einordnung der Dialektik von Krieg und Frieden zu deuten.