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11.

Bischof O(bert) von Cremona an Bischof B(ernhard) von Parma:
beschreibt die Kriegssituation zwischen beiden Städten und bittet um eine vermittelnde Zusammenkunft.
(Cremona?, 1118-33)
Ü: S fol. 20r-v; V fol. 31r-v.
D: -
R: Wattenbach S. 42-50 (zu 1132).


[Epistola] episcopi ad episcopum

B. 1) sancte Parmensis ecclesie venerabili episcopo ac fratri in Christo dilectissimo O. 2) divina misericordia Cremonensis ecclesie dictus episcopus salutem et orationem in Domino.

Que, quanta, quot et qualia sint scelera perpetrata propter bella et discordias, que inter nostros cives et vestros, diabolo instigante ab antiquo humani generis inimici[tias] seminante,3) sunt pullulata, brevi non possumus explicare epistola, sed opus esset bibliotheca prolixa. Hinc enim sunt castra diruta, domus incense, arva depopulata, coloni propriis laribus depulsi, rapine, furta, latrocinia, edes sacre incense, homicidia nonnulla commissa et cetera, que enumerare tediosum est, flagicia et facinora perpetrata. Ad hoc, hinc et inde multi captivi in vinculis detenti, clausi in tenebris graviorem vitam morte exigunt.

Quocirca valde vereor, frater venerabilis, ne destrictus iudex requirat hec omnia de manibus nostris, quia iubemur animas pro fratribus ponere et pro animarum et corporum salute iugiter invigilare. Trepidamus pro veritate hominum inimicitias incurrere et iustitie tramitem incustodire, faciem hominum pertimescimus et divinum iudicium parvipendimus. Valde nobis timendum est, ne illud propheticum incidamus: Canes muti non valentes latrare.4) Super muros Ierusalem Deus nos custodes posuit, in specula positi hostes procul videre, contra clamare et instare debemus. Non pastor, sed mercennarius vocatur, qui, cum lupus venit, dimittit oves et fugit,5) qui videt iniquitatem et tacet.6)

Dilectionem itaque tuam, venerande frater, rogamus et obsecramus in Christo, ut, quando vel ubi tibi conplacuerit, conveniamus secundum beneplacitum tuum et de salute nostrorum civium cum personis, que tibi videntur idonee, sollerter tractemus. Super hoc stilo, queso, repende colloquio.

Von Bischof an Bischof

B(ernhard), dem verehrenswerten Bischof der Kirche von Parma und innig geliebten Bruder in Christo, (entbietet) O(bert), durch göttliche Gnade Bischof von Cremona genannt, Gruß und Gebet im Herrn.

Welches, wie groß, wie viele und welcher Art die Verbrechen sind, die durch Krieg und Zwietracht, die zwischen unseren und euren Bürgern durch Anstiftung des Teufels, der seit alters für die Aussaat von Feindschaften unter dem Menschengeschlecht verantwortlich ist, verübt werden, können wir nicht in einem Brief darstellen, sondern es bedürfte dafür einer ganzen Bibliothek. So sind denn auch die Burgen zerstört, die Häuser verbrannt, die Erde entvölkert, die Bauern von Haus und Hof vertrieben, die heiligen Stätten niedergebrannt, Raub, Diebstahl, Plünderungen, nicht selten auch Morde werden begangen und noch andere Schandtaten und Gräuel ausgeführt, die aufzuzählen keine Freude macht.

Deshalb, verehrter (Mit-)Bruder, fürchte ich sehr, dass ein strenger Richter das alles aus unseren Händen zurückfordern wird, da wir ja den Auftrag haben, unser Leben für unsere Brüder hinzugeben und über ihr seelisches wie über ihr körperliches Heil zu wachen. (Doch) wir zaudern, zu Gunsten der Wahrheit gegen die(se) Feindseligkeiten der Menschen anzugehen und den Weg der Gerechtigkeit (nicht) zu vernachlässigen; wir fürchten uns vor dem (bösen) Angesicht der Menschen und denken zu wenig an das göttliche Gericht. (So) müssen wir sehr fürchten, dass uns das Prophetenwort trifft: "Stumme Hunde, die nicht fähig sind zu beißen." Gott hat uns als Wächter über die Mauern von Jerusalem gesetzt, (drum) müssen wir von dieser hohen Warte aus die Feinde schon von weitem sehen und müssen gegen sie anschreien und sie zurückdrängen. Nicht Hirte, sondern Mietling [~ Söldner] wird genannt, wer die Schafe im Stich lässt und flieht, wenn der Wolf kommt; (dasselbe gilt für den,) der Unrecht sieht und schweigt.

Daher bitten wir deine Fürsorglichkeit, verehrter (Mit-)Bruder, und beschwören (dich) in Christo, dass wir uns treffen nach deinem Ermessen, wann und wo es dir gefällt, und eingehend über das Wohl unserer Bürger zusammen mit Personen, die dir geeignet scheinen, beraten. (Deine Meinung) zu einem solchen Gespräch schreibe uns bitte zurück.

  1. Bischof Bernhard von Parma, 1106-33.
  2. Bischof Obert von Cremona, 1118-62.
  3. Vgl. Prov. VI, 19.
  4. Vgl. Isai. 56, 10 - wo allerdings von vielen ("multi") und nicht von stummen ("muti") Hunden die Rede ist...
  5. Vgl. Joan. 10,12.
  6. Vgl. Eccles. 3,16.

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