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12.

Bischof B(ernhard) von Parma an Bischof O(bert) von Cremona:
erklärt Bereitschaft zur Friedensvermittlung und schlägt einen Termin für ein Treffen der beiden Bischöfe vor: am Mittwoch nächster Woche in Colorno.
(Parma?, 1118-33)
Ü: S fol. 20v; V fol. 31v-32r.
D: -
R: Wattenbach S. 42-50 (zu 1132).


Responsio

O. 1) religiosissimo et sapientissimo Cremonensi episcopo B. 2) sancte Parmensis ecclesie humillimus famulus fraternam salutem cum oratione continua.

Quanta mentis affectione quantaque amabili cordis devotione, reverende frater, litteras tue dilectionis suscepimus, non modo stilo notare, verum etiam vix valemus pectoris archano scrutari. Sunt enim in illis Spiritu sancto dictante, patre et filio docente ammonitorii dulcia sermonis eloquia et fraterne caritatis Christi favo suavia necnon salubria documenta. Visa sunt mihi non ab homine, sed a Deo transmissa et Spiritus sancti fervore ignita. Unde merito cum David, licet peccator, canto: Ignitum eloquium tuum vehementer, et servus tuus dilexit illud.3)

Idcirco me reprehendo et me ipsum inertia et negligentia condempno, quia sicut etate precedo, ita in hoc facto re deberem precedere. Sed tamen ammonitus et fratris ammonitione commotus gaudeo ac benigne respondeo. Scrutator cordium et discretor cogitationum cognovit, quia in unius cordis penetrabilibus [= penetralibus?] pro talibus excessibus suspiro, ingemisco ac doleo et cottidie filios meos arguo, obsecro, increpo, ut resipiscant et ad Dominum Deum suum creatorem redeant, quatinus solita pietate iram sue indignationis ab eis avertat. Sed cum sine dolore loqui non possumus, cor illorum ut Pharaonis peccatis exigentibus induratum videtur.4) Verumtamen quia pastoralis officii est oves sibi commissas pascere et virga correptionis dirigere, errantes ad viam veritatis reducere,5) iuxta apostolum 6) opportune, importune instare et a bono proposito cessare non debemus.

Sequentis ergo (h)ebdomade tertia feria in Capite Lorini 7) erimus, ad quem locum eo die fraternitatem vestram securitate a nobis recepta vos venire rogamus, ibique de his, que ad animarum et corporum salutem pertinent, Deo duce tractabimus.

Antwort

O(bert), dem wahrhaft gottesfürchtigen und weisen Bischof von Cremona, (entbietet) B(ernhard), der heiligen Kirche von Parma niedrigster Diener [= Bischof], (s)einen brüderlichen Gruß begleitet von ständigem Gebet.

Mit wie großer Bewegung und entsprechender herzlicher Zuneigung, verehrter (Mit-)Bruder, wir deine freundlichen Zeilen empfangen (und gelesen) haben, vermögen wir nicht mit dem Griffel festzuhalten, aber auch kaum aus der Tiefe unseres Herzens hervortreten lassen. Denn (diese Zeilen bzw. Worte) sind unter dem Einfluss des heiligen Geistes und der Eingebung des Vaters und des Sohnes eine ebenso angenehme wie lehrreiche Predigt und erst recht ein heilsames Lehrbeispiel (geworden), das durch das Wachs der brüderlichen Liebe Christi versüßt wird. Sie sind mir erschienen, als wären sie nicht von menschlicher Hand (geschrieben), sondern als eine Botschaft Gottes und von der Glut des heiligen Geistes entfacht. Von daher ist es angemessen, wenn ich, obgleich ein Sünder, mit David sage: "Deine Rede ist heißglühend, und dein Diener liebt sie (sehr)."

Deshalb tadle ich mich selbst und verfluche mich wegen meiner bisherigen Untätigkeit und Nachlässigkeit, weil ich so, wie ich dem Alter nach vorangehen, dies auch in dieser Sache tatkräftig hätte tun sollen. Aber dennoch, gemahnt und durch des (Mit-)Bruders Mahnung bewegt, freue ich mich und antworte bereitwillig. Der (Herr), der die Herzen erforscht und die Gedanken erkennt, weiß, dass ich im Innersten meines Herzens über die (von dir geschilderten) Exzesse seufze, stöhne und leide und täglich meine Söhne [metaphorisch] tadle, beschwöre, schelte, damit sie wieder zur Vernunft kommen und zu ihrem Herrn und Schöpfer zurückfinden, auf dass er in seiner gewohnten Gnade seinen zornigen Unwillen von ihnen abwende. Aber, auch wenn wir es nicht ohne Schmerz sagen können, ihr Herz scheint verhärtet wie einst (dasjenige) Pharaos im Gefolge seiner Sünden. Aber dennoch, weil es Aufgabe des Hirten ist, die ihm anvertrauten Schafe zu weiden und mit der Zuchtrute zu lenken, die (Herum-)Irrenden auf den Weg der Wahrheit zurückzuführen, dürfen wir dem Apostel (Paulus) zufolge (davon) nicht ablassen - egal, ob's gelegen oder ungelegen kommt - und von (unserem) guten Vorsatz abweichen.

Also werden wir am dritten Werktag [= Mittwoch] der nächsten Woche in Colorno sein, wohin wir auch euch - nachdem euch hiermit sicheres Geleit zugesagt ist - am selben Tage zu kommen brüderlich bitten, und dort wollen wir über die Dinge, die das Heil der uns Anvertrauten [wörtlich: der Seelen und Körper] betreffen, mit Gottes Hilfe beraten.

  1. Bischof Obert von Cremona (s.o. Brief 11).
  2. Bischof Bernhard von Parma (s.o. Brief 11).
  3. Ps. 118, 140.
  4. Vgl. Exod. 4,21; 7,3f.+13f.+22; 14,4.
  5. Vgl. 4 Reg. 19,28 und Isai. 37,29.
  6. (Paulus:) 2 Tim. 4,2.
  7. Colorno, 16 km nördlich von Parma (also auf "halber Strecke" zwischen Parma und Cremona).

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