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20.

Abt B. von St. Benedikt zu Montecassino an Prior G(regor) von St. Georg zu Lucca:
bittet um seinen Besuch für Mitte Mai zwecks Verhandlung über den von seinen Mönchen verklagten Abt Macharius von Subiaco.
(Montecassino?, ...................)
Ü: S fol. 22r; V fol. 35r-v.
D: -
R: Wattenbach S. 42-50 (zu 1132).

Epistola abbatis ad priorem

B.1) peccator monachus non suis meritis, sed divina misericordia vocatus abbas monasterii sancti Benedicti de Monte Cassino G.2) priori sancti Georii3) cenobii Lucani et ceteris eius congregationis fratribus salutem et paternam benedictionem.

Quoniam, fratres et filii nobis karissimi, pro salute animarum vestrarum et corporum incessanter vigilare debemus, oportet nos omni cautela vos cottidie ammonere, et iuxta hoc, quod apostolus ad Timotheum4), arguere, obsecrare, increpare salubriter nobis vos convenit, ne per nostram negligenciam vos pereatis et nos taciturnitate, quod absit, dampnemur et vos per inobedientiam condempnemini.

Idcirco sicut presens vos viva voce monui, ita nunc per epistolam vos absens moneo et per obedientiam, quam Deo et beato Benedicto et nobis promisistis, ut ordinem vestrum regulariter teneatis, precipio, propositum ne transgrediamini, ad miserum seculum, cui abrenuntiastis, prave vivendo ne revertamini. Mementote uxoris Loth, que in statuam salis est conversa, quia contra preceptum Domini retrorsum aspexit. De Sodomis exire est mundum relinquere; retro respicere est ad mundanam conversationem redire; in statuam salis converti est in se dampnationem pati et aliis exemplum sue dampnationis prebere. De Sodomis existis, mundum reliquistis, nolite respicere retro. Nemo enim, sicut apostolus dicit5), potest hic gaudere cum seculo et in celesti patria gaudere cum Christo.

De cetero, frater Gregorie, una cum fratribus nostris [eher: vestris ?] Gregorio [eher: Ieronymo] et Augustino mediante Maio ad nos venire festina, quia de causa Macharii6), fratris nostri abbatis de Sublacu, qui a suis monachis accusatur, tecum et cum ceteris nostre congregationis proprioribus tractare disposuimus.

Brief von Abt an Prior

B., sündiger Mönch und nicht ob seiner Verdienste, sondern durch Gottes Barmherzigkeit Abt des Klosters St. Benedikt von Monte Cassino geheißen, (sendet) G(regor), dem Prior des Georgsklosters von Lucca, und den übrigen Brüdern seiner Kongregation seinen Gruß und väterlichen Segen.

Da wir, (Mit-)Bruder und vielgeliebte Söhne, über das Heil eurer Seelen und Leiber unablässig zu wachen haben, gehört sich's, dass wir euch mit aller Behutsamkeit täglich mahnen, und es mag uns zum Heil gereichen, euch entsprechend dem Wort des Apostels (Paulus) an Timotheus zu tadeln, zu beschwören und zu schelten, damit ihr nicht wegen unserer Nachlässigkeit zugrunde geht und wir wegen unseres Schweigens - was fern sei - bestraft werden und ihr schließlich wegen eures Ungehorsams verdammt werdet.

Daher, wie ich euch persönlich aus meinem eigenen Munde gewarnt habe, so mahne ich euch in Abwesenheit nun durch diesen Brief, und wegen des Gehorsams, den ihr Gott und dem hlg. Benedikt und uns gelobt habt, dass ihr (nämlich) euren Ordensstand der Regel entsprechend (hoch)haltet, gebiete ich (euch), euer Gelübde nicht zu verletzen (und) nicht durch schlechte Lebensart zur elenden Weltlichkeit, der ihr ja abgeschworen habt, zurückzukehren. Denkt an Loths Frau, die zur Salzsäule verwandelt wurde, weil sie entgegen der Vorschrift des Herrn zurück geblickt hat. Aus Sodom fortgehen heißt die Welt verlassen; zurückblicken bedeutet zur weltlichen Lebensweise zurückkehren; zur Salzsäule verwandelt werden heißt die eigene Bestrafung hinnehmen und den anderen ein Beispiel seiner Verdammung bieten. Aus Sodom seid ihr herausgegangen, die Welt habt ihr verlassen, blickt also nicht zurück! Denn niemand kann, wie der Apostel sagt, sich hier am Weltlichen erfreuen und (dereinst) in der himmlischen Heimat zusammen mit Christus freuen.

Im übrigen, Bruder Gregor, beeile dich, zusammen mit den (Mit-)Brüdern Gregor [wohl eher: Hieronymus - wie Brief 21] und Augustinus Mitte Mai zu uns zu kommen, weil wir über den Fall unseres (Mit-)Bruders Macharius, des Abtes von Subiaco, der von seinen Mönchen verklagt wird, mit dir und den übrigen unserer Kongregation beraten wollen.

  1. Zeitgenössischer Abt von Montecassino: Seniorect (+ 4.2.1137: RI Lo.III. 559).
  2. Prior G(regor) von St. Georg (S. Giorgio) zu Lucca.
  3. Insbes. in Österreich findet sich häufiger die Schreibweise Georius für Georgius (vgl. Graesse-Plechl, 1972, II, S. 147f.). Wir übernehmen diese hier, da sie von beiden Hss. überliefert wird - auch wenn wir Bedenken haben, ob sie der oberitalienischen Vorlage entspricht.
  4. 2 Tim. 4, 2.
  5. (Paulus:) Hebr. 11, 14ff.
  6. Zeitgenössischer Abt von Subiaco: Petrus 1123-45. - Vielleicht handelt es sich bei der Namensangabe im Brief um eine pointierte "Verballhornung" eines Übernamens "Moecharius" (= "Sittenstrolch"); vgl. jedenfalls die weiteren symbolträchtigen Namen der Klosterbrüder Hieronymus und Augustinus (sowie möglicherweise des Abtes selbst: B. = Benedictus).

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