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25.

Bayernherzog E. (Heinrich) an Kaiser[?] L(othar):
bittet um Vermeidung einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Friedrich von Schwaben, der ihm stets sehr zugetan war, und um eine Befriedung noch vor der Romexpedition sowie um weitere Vermittlungsaktionen (diesmal durch Böhmenherzog und Söhne des Markgrafen Theobald), wobei er zugleich vor den Intrigen des Erzbischofs von Mainz warnt; kündigt sein Kommen - zusammen mit Erzbischof Konrad von Salzburg - zum festgesetzten Termin (Pfingsten: s. Brief 24) an; empfiehlt Verbrennen des Schreibens nach Lektüre...
([Salzburg ?], vor 29. Mai 1132)
Ü: S fol. 23r; V fol. 37r-38r.
D: Kortüm S. 369; Wattenbach 73f.
R: Jaffé (....) S. 118ff. (zu 1132); Wattenbach S. 43-50 (zu 1132); RI Lo.III. +302 (zu 1132).


Responsio

L.1) Dei gratia Romanorum imperatori, inclito triumphatori augusto E.2) dux Bawariorum in terreno palatio diu feliciter regnare et in celesti aula perpetuo coronari.

Tanta circa vestras iussiones mihi sedet complendi animo prona voluntas, ut nichil asperum, nichil durum, nichil difficile nobis videatur, dummodo summo conamine totis nisibus mentis et corporis id valeam efficere, quod iubetis. Non fratris amor, non coniugale desiderium, non liberorum dilectio vestre iussioni proponitur, sed quicquid cogitari potest, vestro amori et timori preter divinam maiestatem a me postponitur, pro nichilo computatur et omnino contempnitur. Sed contra Fridericum3) bellum sumere, qui me semper in loco fratris dilexit, satis et ultra mihi videtur difficile; sed quia iubetis, nisi vestre iussioni convincere supposuerit, me sentiet inimicum.

Unde supplicibus verbis, quibus possum, vos rogito, sicut scripsistis, si cum honore vestro et regni pacem cum eo ponere potestis, antequam Romanam expeditionem adeatis, componite; sin alias, pro vobis, sicut miseritis, stabo, laborem subibo, contra illum certamen inibo, vestrum imperium Deo adiuvante ita defendam, quod nullam diminutionem in vestro reditu nanciscemini. Hoc autem inde premoneo, ut ducem Bohemie4) et filios marchionis Theupaldi5) quam primum inveniatis et eis benivolum vos ostendatis et magis etiam in illis quam in me ipso habere demonstretis. Fridericus namque illorum consiliis magis quam alicui mortalium acquiescet. Ego vero una cum fratre meo6) die, quo significastis, et simul cum domino Kuonrado7), viro religiosissimo et vobis fidelissimo archiepiscopo Salzeburgiensi, vita comite vobis adero.

Ad hoc Moguntino8) archiepiscopo totum cor vestrum aperire nolite, sed tantum pre ceteris vos eum diligere demonstrate, quia loquitur vobis in dolo verba pacifica, sed voluntas est aliena. Mel in ore portat, sed fel sub velamento cordis occultat. Sicut portitor vobis dixerit, has litteras secrete legite! Post lectionem statim in igne comburite!

Antwort

L(othar III.), von Gottes Gnaden erhabenem Kaiser der Römer und berühmtem Siegesfürsten, (wünscht) Bayernherzog E. [=Heinrich], dass er in seiner irdischen Residenz glücklich herrsche und im himmlischen Palast auf ewig gekrönt werde.

So stark ist in mir der Wunsch, eure Befehle ergebenen Sinnes auszuführen, dass nichts uns gefährlich, widrig und schwierig erscheinen soll, wenn ich mit höchster Anstrengung und allen Kräften von Leib und Seele [wörtl.: Verstand] das zu erreichen vermag, wozu ihr (mich) auffordert. Nicht die Liebe zum Bruder [= Schwager?], nicht die Sehnsucht zur Ehefrau, nicht die Liebe zu den Kindern wird eurem Befehl vorangestellt; sondern was immer man sich ausdenken kann, wird von mir der Liebe zu euch und der (Ehr-)Furcht vor der göttlichen Majestät nachgestellt, gering geschätzt und total vernachlässigt. Aber gegen Friedrich, der mich stets wie einen Bruder [wörtl.: an Stelle eines Bruders] geliebt hat, Krieg zu führen, scheint mir allein schon schwierig genug; aber da ihr es befehlt, wird er mich als Feind zu spüren bekommen, wenn er sich nicht nachweislich eurer Herrschaft unterwirft.

Daher bitte ich euch so untertänig, wie ich kann: Wenn ihr, wie ihr geschrieben habt, mit der Autorität eures Amtes und des Reiches mit ihm zu einem Frieden kommen könnt, bevor ihr die Rom-Expedition antretet, dann tut das [d.h. schlichtet]; wenn aber nicht [bzw. ohne Erfolg], dann werde ich für euch einstehen so, wie ihr es mir aufgetragen habt, (und) ich werde die Mühe auf mich nehmen, gegen ihn in den Kampf zu ziehen, und eure Herrschaft mit Gottes Hilfe so verteidigen, dass ihr bei eurer Rückkehr keine Verluste zu gewärtigen habt. Vorsorglich möchte ich aber jetzt schon anmahnen, dass ihr möglichst bald den Herzog (Sobeslaw) von Böhmen und die Söhne des Markgrafen Diepold aufsucht und euch diesen gegenüber wohlwollend zeigt und ihnen demonstriert, dass euch an ihnen mehr noch gelegen ist als sogar an mir. Friedrich wird nämlich eher auf den Rat von diesen als von jedem anderen Sterblichen etwas geben. Ich aber werde zusammen mit meinem Bruder [= Welf VI. ?] und auch mit Herrn Konrad, dem gottesfürchtigen und euch treu ergebenen Erzbischof von Salzburg, an dem Tag, den ihr bezeichnet habt, "so Gott will" [wörtl.: sofern ich noch am Leben bin] bei euch sein.

Hierzu sollt ihr aber nicht auch dem Erzbischof (Adalbert I.) von Mainz euer Herz öffnen, sondern ihm gegenüber nur so tun, als ob ihr ihn vor allen anderen schätzt, da er euch listig durch friedvolle Worte täuscht, während er etwas ganz anderes vorhat. Honig trieft aus seinem Mund, aber Galle verbirgt er unter der Hülle seines Herzens. Wie der Überbringer euch (ge)sagt (haben wird), lest diese Zeilen im Geheimen. Nach der Lektüre verbrennt sie sofort im Feuer.


  1. König/Kaiser Lothar III. (s.o. Brief 24).
  2. Herzog Heinrich der Stolze (s.o. Brief 24).
  3. Herzog Friedrich III. von Schwaben (s.o. Brief 24).
  4. Lothar traf Herzog Sobeslaw von Böhmen bereits am 2. Febr. 1132 in Bamberg.
  5. Markgraf Diepold III. (1099 - 1146) bzw. Theobald d.Ä. von Vohburg (a.d. Donau) hatte ursprünglich zu den Gegnern Lothars gehört, war aber durch Vermittlung Heinrichs d. Stolzen (wahrscheinlich in Verbindung mit der Verlobung von Heinrichs Schwester Mathilde mit dem Markgrafensohn Diepold IV.) im Jahre 1128 auf Lothars Seite übergewechselt. Sein Sohn Diepold IV. bzw. Theobald/Thiopald d.J. war durch seine Heirat mit genannter Mathilde (Tochter Heinrichs d. Schwarzen v. Bayern und Schwester Heinrichs d. Stolzen) Schwager sowohl Heinrichs d. Stolzen als auch Friedrichs von Schwaben (verheiratet mit Judith, Schwester von Mathilde). (A. Schmid, in: Lexikon des Mittelalters, III, 1986, Sp. 1009f. u. Bernhardi, Jbb.Lo., 1879, S. 196 u. 508)
  6. Von Heinrichs d. Stolzen bekannten Brüdern Konrad (Zisterzienser, + 1126) und Welf VI. (Herzog von Spoleto, Markgraf von Toscana, + 1191) kann wohl nur letzterer gemeint sein.
  7. Erzbischof Konrad von Salzburg, 1106 - 1147.
  8. Speer, 1983, S. 145 weist darauf hin, dass sich die Interessen des Mainzer Erzbischofs Adalbert I. mit denen der Staufer bereits seit 1122 deckten; nach 1130 kristallisierte sich ein "Zweckbündnis" heraus, auf das hier - aus der Sicht der kaiserlich-welfischen Partei - angespielt wird.

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