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34.

Stadt Pavia an Stadt Cremona:
bittet wegen des angekündigten königlichen Besuches und unterBerücksichtigung der Vorstellungen der Stadt Mailand, des Bischofs von Piacenza und des Kardinals Ubert um eine gemeinsame Besprechung zusammen mit den Placentinern - am 19. Mai auf den Roncalischen Feldern
(Pavia [wo sich der Papst gerade aufhält], Ende April/ Anfang Mai 1132) 1)
Ü: S fol. 25r; V fol. 41v-42v.
D: Wattenbach 76f.
R: Wattenbach S. 43-50 (zu 1132); RI Lo.III. +300 (zu 1132); Beyer (1989) S. 911ff.

[Epistola] civitatis ad civitatem

Cremonensibus consulibus et universis civibus maioribus ac minoribus Papiensium consules et universus populus, salutem et concordiam et unanimitatem.

Decet unumquemque probum virum futuros casus, qui possunt accidere, summa cautela animi ac diligenti sollertia prospicere ac circumspicere, ut, si quo modo possit, eos studeat declinare, si vero nequiverit, lenius tolerare: Ac per hoc vobis intimis amicis nostri cordis intentionem de his, que nobis imminent, vobis dignum duximus aperire et vestrum super hoc consilium et voluntatem audire. Regem in Italiam hoc anno venturum nostrorum fides asserit nuntiorum; littere quoque ipsius ab eo ad nos directe id approbant; dominus etiam apostolicus, qui apud nos est,2) in cuius manus idem iuravit, viva voce confirmat.

Quapropter salubre nostri maiores iudicant, quam primum nos una vobiscum et cum Placentinis et ceteris nostris sociis oportuno loco et tempore convenire et de hoc et de aliis nostris negotiis insimul disceptare, ut si forte venerit, nos non discordes, sed pacatos inveniat et, si contra ius nos ledere voluerit, convenienter non valeat. Semper in mente habetote superbiam Teutonicorum, crudelitatem tyrannorum ac sevitiam barbarorum. Numquam excidat de quattuor tauris a corde poetica fabula, quos concordes leo non ausus fuit tangere, divisos vero studuit, ut cupiverat, interficere.

Preterea vos ignorare nolumus Mediolanenses nobis per Placentinum episcopum et per Ubertum3) cardinalem verba de pace misisse; sed utrum dolose an serio fecissent, adhuc scire nequivimus. Vestrae igitur societatis prudentiam rogamus, ut mediante Maio die altero post festum sancti Siri4) in Roncaliis prope Placentiam conveniamus et, quod nobis super hoc faciendum sit, ratum consilium capiamus. Ac stilo rependite quam cito colloquia. Bene valemus et, ut bene valeatis, exoptamus.

Stadt an Stadt

Den Cremoneser Konsuln und allen Bürgern aller Stände [wörtl.: größeren wie kleineren] (entbieten) die Konsuln und das gesamte Volk von Pavia Gruß, Eintracht und Einvernehmen.

Für einen jeden rechtschaffenen Mann ziemt sich's, die künftigen Schicksalsfälle, die passieren können, mit höchster Aufmerksamkeit und peinlicher Sorgfalt in Betracht zu ziehen und genau zu prüfen, um sie, wenn er es irgendwie kann, abwenden zu können, wenn er es aber nicht schafft, sie immerhin leichter zu ertragen: Und deshalb halten wir es für richtig, euch, unseren besten Freunden unsere Ansicht zu dem, was uns in Kürze bevorsteht, zu eröffnen und eure Meinung hierzu und zugleich eure Absichten zu hören. Wir haben zuverlässige Nachricht darüber, dass der König (noch) in diesem Jahr nach Italien kommen wird; das bestätigen auch Briefe [oder Sing.?], die er uns geschickt hat; auch der Herr Papst, der augenblicklich bei uns weilt (und) dem er dasselbe in die Hand geschworen hat, bezeugt dies mit seinen Worten.

Deswegen hält unsere Führung [wörtlich: die Älteren, Höhergestellten] es für hilfreich, dass wir uns möglichst bald mit euch und den Placentinern und unseren übrigen Verbündeten an geeigneter Stelle und zu passender Zeit treffen und uns über dies und andere unserer Angelegenheiten zugleich besprechen, damit er [= der König], wenn er tatsächlich kommt, uns nicht uneins, sondern in voller Übereinstimmung findet und sich schwer tut, wenn er entgegen herrschendem Recht uns angreifen [wörtlich: verletzen, schädigen] wollte. Habt immer die Überheblichkeit der Teutonen, die Schrecklichkeit der Tyrannen und die Unzivilisiertheit der Barbaren im Sinn! Niemals soll die poetische Fabel von den vier Stieren vergessen werden, die der Löwe nicht anzurühren wagte, weil sie in Eintracht zusammenstanden, die er dann aber zu trennen sich mühte, um sie nach Wunsch abschlachten zu können.

Außerdem sollt(et) ihr noch wissen, dass die Mailänder uns durch den Bischof von Piacenza und Kardinal (H)Ubert Worte des Friedens geschickt haben; ob das aber nur eine List von ihnen oder ernst gemeint ist, haben wir bisher noch nicht feststellen können. Wir bitten euch mit euren klugen Köpfen also, dass wir uns Mitte Mai - am zweiten Tag nach dem Fest des heiligen Syrus [= 17. Mai] - in Roncaglia in der Nähe von Piacenza treffen und beratschlagen, was wir in der Sache tun sollen. Schreibt uns darum möglichst rasch zurück! (Ansonsten) geht's uns gut, und wir erhoffen von euch dasselbe.


  1. Da die Pavesen am 23. Juni 1132 von den Mailändern bei Marci(g)nago "gänzlich geschlagen" wurden, geht Wattenbach (1855) S. 44 davon aus, dass dieser und der folgende Antwortbrief in den Anfang des Jahres 1132 gehören.
  2. Papst Innozenz II. ist in Pavia vom 2.-8. Mai 1132 nachweisbar (JL 7568). Zuvor ist er in Novara am 16. und 17. April belegt; am nächsten Ort (Piacenza) wird er erstmals am 31. Mai notiert (JL 7571+). Laut Brief 6 befindet sich der Papst schon am 24. April (1132) in Pavia.
  3. Hubert, Kardinalpriester von S. Clemente, nachweisbar in Papsturkk. des Jahres 1132 (alle in Piacenza ausgestellt: JL 5417, 5418-20 u. 5422) wurde von Innozenz 1132/33 zum Erzbischof von Pisa erhoben (Zenker 115f.)
  4. Translatio S. Syri am 17. Mai; der im Brief avisierte 19. Mai fällt im Jahre 1132 mit dem Fest Christi Himmelfahrt zusammen.
April/Mai (!) im Fußbodenlabyrinth von San Michele, Pavia (1. H. XII. Jh.)

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