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46.

(Feind) G(ualfredus) an (Feind) L.:
reklamiert Feindseligkeiten (Überfall auf sein Haus, Verwüstungen und Verschleppung von Bauern) und schlägt neutralen Schiedsspruch vor.

Ü: S fol. 27r; V fol. 47r-v.
D: -
R: Wattenbach S. 44-50 (zu 1132).

Epistola inimici ad inimicum

G. L., quod debet.

Temeritatem tuam et effrenatam audaciam tuam vehementer ammiror, qui laxis habenis superbie, intoleranda contumacia, nulla precedente causa, congregata manu latronum villam meam invasisti, domos fregisti, colonos cepisti, bona eorum diripuisti, quosdam eorum captivos duxisti et in carcerem detrusisti. Qui unquam barbarus talia tam effrenate fecit? Quis nisi furiosus gratis inimicum acquisivit? Sciebam quidem mentem tuam nequissimam, durissimam cervicem tuam cognoveram. Sed quia te in nullo offenderam, te me non lesurum ullomodo putabam. Qua spe, quo consilio, qua ratione fecisti?

Resipisce, quia probaris desipuisse. Omnia mea sine cunctatione absque diminutione restitue. Alioquin per me et per meos amicos experiar, si illa me invito retinere potueris. Recogita, que tibi nobilitas, quod suffragium generis, que strennuitas in armis, que providentia in consiliis, que tibi sit valitudo in opibus; nichil strennuum, nichil egregium, nichil nisi latrocinando ab adolescencia tua fecisti. Quo magis ammiror, que sit fiducia tua in incepto nefario; que spes consilii tibi sit, percunctor. Divinam et humanam fidem testor, quia neminem sponte ledo, neminem concutere gestio. Si in aliquo te lesissem, si quid molestie intulissem, cur non me iure vocabas? Cur - etsi non per te - saltem per amicos appellabas? Non adeo inhumanus, superbus, non in tantum contumax, quin satisfecissem et rationabiliter respondissem. Quodsi facere remisissem et rationem contempsissem, tunc posses tua iure belli velut ab hoste repetere et nullum ius querele merito habuissem.

Sed his omnibus pretermissis effrenata audacia, intoleranda - ut dixi - superbia, ex improviso, magna manu sicariorum sceleratorum meas - ut dixi - possessiones perperam invasisti et velut alter Iugurtha in regnum At[h]erbalis1) manus nefarias iniecisti.

Sed credo, Divina gratia opitulante, quia me licet placitum, non tamen hebentem reperies, sed penas pro commisso scelere meritas sustenebis. Sed tamen si penitudine ductus - sicut promisisti - resipiscere volueris, iudicium communium amicorum et sapientium virorum controversiam committam et, quicquid iudicaverint, incunctanter exsequar. Alioquin non patiar, non feram, non tolerabo, non diutius sustinebo, sed mea, quibus modis potero, recuperare studebo et, si in oportuno tempore vel loco te nactus fuero, quam meritus es, pena te multabo.

Brief von Feind an Feind

G(ualfred wünscht dem) L., was sich gehört.

Ich staune ja wirklich über deine Unbesonnenheit und grenzenlose Frechheit, wie du in ungezügeltem Übermut, unerträglicher Sturheit, ohne dass konkret etwas vorgefallen wäre, mit einem Haufen von Strolchen in mein Haus eingedrungen bist, die Häuser meiner Bauern zerstört und diese selbst verschleppt hast, dann ihre Güter geplündert, einige von ihnen festgenommen und in den Kerker gesteckt hast. Welcher Barbar hat sich jemals so zügellos aufgeführt? Wer, wenn nicht ein Verrückter, hat sich grundlos jemand zum Feind gemacht? Ich wusste zwar von deinem nichtsnutzigen Charakter und hatte (auch) deine Starrköpfigkeit (schon) kennengelernt. Aber da ich dich in keinster Weise beleidigt hatte, dachte ich doch, dass du mich auch nicht angreifen würdest. Was hast du dir davon erhofft, wer hat dich so (schlecht) beraten, wozu das Ganze?

Komm wieder zur Vernunft, wo doch erwiesen ist, dass du dich verrannt hast. Gib mir unverzüglich, vollständig und unversehrt das Meine zurück! Andernfalls, wenn du glaubst, dieses gegen meinen Willen zurückhalten zu können, werde ich dich in eigener Person und durch meine Freunde verklagen. Denk darüber nach, was dir Adel [= edle Gesinnung?] bedeutet, was Fürsprache d(ein)es Standes, was Tüchtigkeit an den Waffen, was Fürsorge im Rat, was Stärke an der Macht (bedeutet); nichts Ordentliches, nichts Besonderes hast du von Jugend auf zustande gebracht - nichts außer Schurkereien. Umso mehr wundere ich mich, welche Zuversicht du auf dein nichtswürdiges Treiben setzt; welche Hoffnung auf Zustimmung (von anderen) du dir machst, frage ich mich. Ich rufe Gott und die Menschen zu Zeugen an, dass ich niemand absichtlich verletzt habe, und bin stolz darauf, niemand zu übervorteilen. Wenn ich dich irgendwomit verletzt hätte (und) wenn ich dich irgendwie belästigt hätte, warum hast du mich nicht vors Gericht gezogen? Warum - wenn schon nicht selbst - hast du's (nicht) wenigstens durch die Freunde getan? Ich bin nicht so unmenschlich, stolz, erst recht nicht verstockt, dass ich dir (nicht) Rede und Antwort gestanden hätte. Wenn ich allerdings (dies) zu tun mich geweigert und (dir) Rechenschaft abzulegen verschmäht hätte, dann könntest du das Deine nach Kriegsrecht wie von einem Feind einfordern, und ich hätte zu Recht kein Recht, mich zu beklagen.

Aber all das hast du unterlassen und bist mit grenzenloser Frechheit und unerträglichem Übermut - wie ich schon gesagt habe - aus heiterem Himmel mit einem großen Haufen von Banditen auf hinterhältige Weise - wie ich (auch schon) gesagt habe - in meine Besitzungen eingedrungen und hast wie ein zweiter Jugurtha nichtswürdige Horden in das Reich Adherbals hineingejagt.

Aber ich glaube mit dem Beistand der göttlichen Gnade, dass du mich obzwar gefällig, so doch nicht hinfällig finden wirst; vielmehr wirst du die verdiente Strafe für das begangene Verbrechen bekommen. Aber dennoch, wenn du von Reue geleitet - wie du versprochen hast - , wieder zur Besinnung kommen willst, will ich die Kontroverse dem Urteil gemeinsamer Freunde und kluger Männer anvertrauen und deren Schiedsspruch unverzüglich ausführen. Im anderen Fall will ich [...] nicht länger stillhalten, sondern mich bemühen, mir das Meinige auf jedwede Weise zurückzuholen, und wenn ich dich unter günstigen Umständen zu fassen bekomme, dann werde ich dir's heimzahlen, wie du's verdienst.

  1. Anspielung auf den Jugurthinischen Krieg (vgl. insbes. Sall. Iug. 12ff.): Jugurtha, vom Numiderkönig Micipsa adoptiert, wandte sich nach dessen Tod (118 v.u.Z.) gegen seine Miterben, Micipsas leibliche Söhne Adherbal und Hiempsal; der von Jugurtha besiegte Adherbal bat Rom um Hilfe und Vermittlung; den römischen Schiedsspruch ignorierte Jugurtha, marschierte in Adherbals östliche Reichshäfte ein und tötete diesen (112).

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