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48.

Ehefrau A. (aus Bologna) an Ehemann C. (derzeit in Cremona):
beklagt seine Abwesenheit und bittet um baldige Heimkehr aus Cremona nach Bologna.
(Bologna, Juni 1132? 1 ))
Ü: S fol. 27v-28r; V fol. 48v-49r.
D: -
R: Wattenbach S. 44-50 (zu 1132).

Epistola uxoris ad virum

C. dulcissimo viro vite sue desiderio A. sua uxor fidelissima, quam sine eo non potest habere, salutem.

Dici nec opinari potest, dulcissime coniunx, vita mihi carior, tota spes vite mee, post Deum amor et desiderium meum, sustentamen, solamen, auxilium et iuvamen laborum et dolorum meorum levamen, quantum tua contristor absentia quantumve mea corda sunt merentia; solliciter, sicut, dum anima separatur a corpore, caro dolet, sic mens mea iugiter contristatur, conturbatur et anxiatur. Luce tristor, nocte non quiesco, vigilans fleo, ingemisco, doleo; siquando fatigata vigiliis somnum capio, somn[i]orum simulacra, que me perterrefaciunt, video exterrefacta. Primum creatorem adoro, dehinc virginem eius genitricem imploro. Siquando ab illis partibus quos redeuntes prospicio, de te sollerter interrogo. Si vero qui de nostris ad illos accedunt, ut perquirant te et investigent ac mihi tuam incolomitatem renuntient, submissa prece deposco.

Ergo, marite karissime, quam primum potes, me de hac mesticia releva, tanta calamitate libera, veni, redi, ne morare [!], me miseram consolare. Esto memor desiderii et dilectionis mee inestimabilis et incomparabilis, quam circa te habeo. Memor esto nostrorum filiorum, quos te diligere super omnia profitebaris, et, si sum tibi vilis, quod tamen non reor, communes respice natos, qui mollibus annis enutriendi et in patrias artes erudiendi fuerant. Preterea indubitanter cognoscas, quia non tantum lucraris Cremone, quantum perdis Bolonie.

Salutat te frater meus, Levir tuus, et domina Gisla coniunx, glos tua, velut soror tibi fidelissima, et, ut ad nos sine mora redeas, tandem rogitant.

Brief von (Ehe-)Frau an Mann

C., (ihren) süßesten Mann, den Wunsch(traum) ihres Lebens, grüßt A., seine treueste Ehefrau, die ohne ihn nicht leben kann.

Es ist wirklich kaum zu glauben, süßester (Ehe-)Mann, mir teurer als mein Leben, ganze Hoffnung meines Lebens, nach Gott meine einzige Liebe, Stütze, Trost, Hilfe bei allen Mühen, Linderung meiner Schmerzen, wie sehr ich wegen deiner Abwesenheit trauere; so schwer, wie das Fleisch leidet, solange die Seele vom Körper getrennt ist, trauert mein Geist, ist verwirrt und ängstigt sich. Bei Tag trauere ich, bei Nacht finde ich keine Ruhe, im Wachen weine ich, seufze, leide; wenn ich dann einmal von den Nachtwachen erschöpft Schlaf gefunden habe, sehe ich schreckliche Traumbilder. Zuerst bitte ich den Schöpfer, dann flehe ich zur Jungfrau (Maria), seiner Mutter. Wenn ich mal Leute, die aus jenen Gegenden (wo du dich aufhältst [= Raum Cremona]) zurückkommen, ausfindig gemacht habe, frage ich sie eifrig nach dir aus. Wenn ich andererseits Leute (finde), die von hier in jene Gegenden reisen, bitte ich sie inständig, dass sie nach dir forschen, dich aufspüren und mir dann zurückmelden, wie es dir geht.

Also, liebster Mann, erlöse mich, so schnell du kannst, aus dieser Trauer, befreie mich aus meinem Unglück, komm, kehr' heim, lass dich nicht länger aufhalten, tröste mich Ärmste. Denk an mein Begehren und meine unerschöpfliche und unvergleichliche Liebe zu dir. Denk an unsere Kinder, die du versprochen hast über alles zu lieben, und falls ich allein es dir nicht wert genug bin, was ich freilich nicht glauben kann, schau auf unsere Kinder, die in jungen Jahren nicht nur zu ernähren, sondern auch in den väterlichen Fertigkeiten auszubilden sind [wörtlich: gewesen waren]. Außerdem soll(te)st du zweifelsfrei wissen, dass du in Cremona nicht soviel gewinn(en kann)st, wie du in Bologna verlierst.

Es grüßen dich mein Bruder, dein Levir, und seine Frau Gisla, deine Schwägerin, die dir treu ist wie eine Schwester, und auch sie bitten dich schließlich, dass du unverzüglich zu uns zurückkehrst.

  1. Vgl. Brief 49.

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