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49.

(Ehemann) C. an Ehefrau A.:
berichtet, daß er nach Abwicklung seiner Geschäfte (in Cremona) zur Synode, die der Papst in Piacenza am 1. Juli abhalten will, reisen wird, und bittet um Erledigung diverser Geschäfte, insbes. den Rückkauf eines Pfandes durch einen Teil der per Kurier übersandten 60 Schilling.
(Cremona1), vor Ende Juni 1132)
Ü: S fol. 28r; V fol. 49r-v.
D: -
R: Wattenbach S. 44-50 (zu 1132).

Responsio

C. pro uxoris et filiorum salute anxius A. dulcissime coniugi anime sue dimidio se ipsum in proximo cum gaudio et letitia.

Non turberis neque solliciteris, dulcissima, quia Deo miserante omnia sunt mihi iocunda et prospera, nisi quod sollicitor pro tua et filiorum nostrorum absentia.

Expeditis ergo his, que cum sociis meis data et accepta fide pepigi, a quibus enim statutam mercedem accepi, dominum papam adire proposui et usque ad finem consilii, quod celebraturus erit Placentie Kalendas Iulii,2) morari decrevi. Post hec ab eo licentiatus ad te vita comite sine cunctatione revertar.

Interim, karissima, consolare nec sis sollicita; ut prudens, ut pudica, ut matrona nobilissima domum nostram et res tuas intrinsecas et extrinsecas diligenter custodi; familiam tuam temperanter rege et ei benefacere stude. Sic age, ut magis te diligant, quam timeant. De liberis nostris nihil te moneo, cum sciam te plus quam te ipsam diligere. Hoc tamen unum scire te volo ipsos me lumen oculorum meorum et baculum senectutis mee sperare futuros.

Postremo per harum latorem scias me tibi LX solidos insarcitos et nostro sigillo, quod nosti, sigillatos misisse, de quibus XII Severo tribue et pallium3), quod pro pignore habet, recollige; de residuis facito, quicquid tibi beneplacitum fuerit. Fratrem tuum et coniugem eius officiosissime ex mea parte saluta.

Antwort

C., besorgt um das Wohlergehen von Frau und Kindern, (wünscht) A., seiner innig geliebten [wörtlich: süßesten] Ehefrau, der Hälfte seiner Seele, dass er selbst in Kürze zu aller Freude (wieder daheim sein wird).

Lass dich nicht irritieren und nicht beunruhigen, meine Süße, da ja alle meine (Geschäfte) mit Gottes Hilfe erfreulich gut laufen - davon abgesehen, dass ich natürlich in Sorge um meine ferne Familie bin.

Nachdem ich also all das erledigt habe, was ich mit meinen Geschäftspartnern auf Treu und Glauben vereinbart hatte und von ihnen dann auch den festgesetzten Lohn erhalten habe, habe ich nun vor, den Herrn Papst aufzusuchen und bis zum Ende der Synode [concilium], die er in Piacenza am 1. Juli abhalten wird, (dort zu bleiben). Wenn ich danach von ihm (in Gnaden) entlassen werde, will ich - so Gott will [wörtlich: wenn ich noch am Leben bin] - unverzüglich zu dir zurückkehren.

Inzwischen, meine Liebste, sei nicht traurig und unruhig; passe wie eine kluge und anständige Frau, wie eine ehrenwerte Gattin [matrona] ordentlich auf unser Haus auf und besorge deine Angelegenheiten drinnen wie draußen; leite die Familie mit Maßen und bemühe dich, ihr wohlzutun. Mach das so, damit sie dich mehr liebt [wörtlich Plural], als fürchtet! Hinsichtlich unserer Kinder brauche ich dir keine Ratschläge zu geben, da ich weiß, dass du sie mehr liebst als dich selbst. Doch das eine sollst du noch wissen, dass ich auf sie hoffe als mein Augenlicht und Stütze meines Alters.

Schließlich sollst du noch wissen, dass ich dir durch den Überbringer dieses Briefes 60 Schilling, verpackt und mit unserem Siegel, das du kennst, versiegelt, schicke, von denen du 12 dem Severus geben sollst, wofür du von ihm das Pallium, das er als Pfand hält, zurückbekommst; mit dem übrigen Geld tu, was dir sinnvoll erscheint. Deinen Bruder samt seiner Ehefrau grüße bitte auch meinerseits pflichtschuldigst.

  1. Vgl. Brief 48.
  2. Papst Innozenz ist vom 31. Mai bis 30. Juni 1132 in Piacenza nachweisbar (JL 7569-7571); vgl. auch Briefe 54-55. - Vielleicht spielt beim Bezug auf eine Synode in Piacenza auch die Erinnerung an eine solche mit, die hier von Papst Urban II. im März 1095 abgehalten worden war und u.a. zum 1. Kreuzzug aufgerufen hatte; es sollen nämlich 4.000 Kleriker und 30.000 Laien hingeströmt sein - Gesprächsstoff für Jahrzehnte... (Simonini, La chiesa Ravennate, 1964, 257-260).
  3. Dass das Pallium, die wichtigste Insignie eines Erzbischofs, verpfändet wurde, ist bislang nur selten belegt. Immerhin wird zum Jahre 1204 berichtet, dass die Piacentiner (!) dem Mainzer Erzbischof Siegfried die Rückgabe des Palliums, das er zwei Jahre zuvor in Rom von Innocenz III. erhalten hatte, verweigerten - vielleicht, weil er es "an Kaufleute von Piacenza verpfändet" hatte (W. Maleczek, Erzbischof Ulrich von Salzburg ..., in: Tirol - Österreich - Italien. Festschrift für J. Riedmann ..., hg. v. Brandstätter/Hörmann, 2005, S. 425).

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