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52.

Bruder R. an Bruder G(assidus):
bittet um kommissarische Begleichung seiner Schulden bzw. Verpfändung eines Weingartens in Sabbioneta zur Zinsentilgung.

Ü: S fol. 28v; V fol. 51r.
D: -
R: Wattenbach S. 44-50 (zu 1132).

Epistola fratris ad fratrem

G. fratri dilectissimo R. germane dilectionis augmentum.

Inter fratres amicitiam ipsa natura primordialiter peperit, que dirimi nisi detestabili scelere nequit; hanc a te circa me multotiens nexam firmiter ipsis rerum experimentis multotiens didici et inrefragibili affectione probavi. Verbis enim et rebus, quotiens necessitas postulavit, obedisti, murum inexpugnabilem pro me te hostibus opposuisti1) et, ut cuncta paucis concludam, mea negotia velut propria gessisti, tua quoque, quod maius est, interdum propter mea neglexisti.

Quocirca, sicut natura docet, te diligo et ut genitorem te veneranter excolo; in te sicut in eodem, si viveret, confido. Coniugem igitur meam, glorem tuam, et liberos totamque domum et omnes res intrinsecus et extrinsecus tibi committo et tue fidei conmendo. Si denarii sunt, Gasside, quibus es alienum mutuo sumptum possis solvere, hec efficere ne differas; quodsi fieri nequit, partem vinee mee, que in Sabloneto2), creditori hac conditione obliga, ut, donec solvero, fruges pro usuris habeat, ne nimium crescentes rem meam ad interitum trahant.

Ego vero in proximo Deo reducente remeabo et me hoc fasce pecunia, quam mecum deferam, relevabo.

Brief von Bruder an Bruder

Dem innig geliebten Bruder G[assidus] (wünscht) R. noch weiteres Wachsen der brüderlichen Liebe.

Zwischen Brüdern hat die Natur selbst von Anfang an Freundschaft geschaffen, die nicht zerstört werden kann, solange kein verabscheuungswürdiges Verbrechen passiert; ich habe sie oftmals bei dir in deinen Werken selbst wahrgenommen, wie du sie vielfach eng um mich geschlungen hast, und ich habe sie (dir) durch unverbrüchliche Zuneigung bewiesen. Denn durch Worte und Taten, sooft die Situation es erforderte, hast du mir dein Ohr geliehen, warst für mich eine unüberwindbare Mauer gegen meine Feinde und hast dich, um diese Lobrede mit wenigen Worten abzuschließen, um meine Angelegenheiten gekümmert, als wären es die deinigen, und hast, was noch höher anzurechnen ist, bisweilen meinetwegen deine eigenen sogar vernachlässigt.

Deswegen liebe ich dich so, wie es uns die Natur beibringt, und verehre dich zutiefst wie (unseren) Vater; auf dich vertraue ich so wie auf ihn, wenn er noch lebte. So vertraue ich dir meine Frau, deine Schwägerin, und die Kinder und das ganze Haus und all das, was drinnen wie draußen dazugehört, an und lege es dir ans Herz. Wenn Geld da ist, Gassidus, mit dem du eine Schuld, die auf Wechsel genommen wurde, bezahlen kannst, schiebe es nicht auf, diese zu begleichen; wenn's aber (mangels Geldes) nicht geht, dann biete dem Gläubiger einen Teil des Weingartens an, den ich in Sabbioneta besitze, zu der Kondition, dass er, bis ich zahle, die Früchte [= Trauben oder Ertrag allg.?] als Zinsen haben soll, damit diese (Zinsen) nicht zu sehr wachsen und mein Geschäft in den Untergang ziehen.

Ich aber will in Kürze, so Gott will, zurückkommen und mich von dieser (Schulden-)Last durch Geld, das ich mitbringe, befreien.

  1. Ezech. 13, 5.
  2. Vermutlich Sabloneta = Sabbioneta, ca.5 km östlich von Casalmaggiore (zwischen Parma und Mantua).

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