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60.

Bischof V(illanus) von Brescia an Bischof O(bert) von Cremona:
bittet um die Weihe bestimmter Kleriker, die der Überbringer des Briefes - Girhardus - nennen wird, und warnt vor einem (ungenannten) ehebrecherischen Priester.
(Brescia?, Jahresmitte 1132) 1)
Ü: V fol. 53v-54r.
D: -
R: Wattenbach 45.

Epistola pro clericis ordinandis

O.2) Dei gratia Cremonensis ecclesie episcopo in Christo fratri venerabili V.3) Brixiensis ecclesie vocatus episcopus licet indignus salutem et orationem in Domino.

Peccatis nostris exigentibus multa nobis circumstant ac imminent gravia et pene intoleranda negocia, propter que, sicut canonum censura postulat et ecclesiastica ratio exigit, officium nostrum celebrare nequimus. Hinc enim gravis corporis infirmitas, hinc malorum hominum pravitas prohibet.

Eapropter dilectioni vestre per presentium latorem mandamus, ut clericos nostros, quos vobis representaverimus, ad sacros ordines promoveatis.

Preterea paternitatem vestram superna prece rogamus, ut presbyterum nostrum, qui de nostra parrochia adulterii crimine fedatus ad vestrum confugit, in ecclesiis vestris permanere seu ministrare ne permittatis. Vel si aliquis preter hos, quos filius noster Girhardus vobis dixerit, apud vos in presentiis vel post hec venerit, sine li[t]teris nostris non recipiatis. Ut enim vestra peritia lectionis assiduitate cognovit, nemo alienum clericum preter episcopi sui voluntatem et sine commendatitiis li[t]teris vel dimissoriis, quas mos canonicus [appellat]4) formatas, suscipere debet.

Brief betr. die Ordination von Klerikern

O(bert), dem Bischof von Gottes Gnaden der Cremoneser Kirche und verehrten Bruder in Christo, (sendet) V(illanus), nur dem Namen nach Brescianer Bischof und noch dazu ein unwürdiger, seinen Gruß und sein Gebet im Herrn.

Als Folge unserer Sünden gibt es eine Reihe von Umständen und Angelegenheiten, die uns unverhältnismäßig stark beschäftigen und derentwegen wir nicht, wie es Kirchenrecht [canones] und kirchliche Lehre vorschreiben, unserer Pflicht in feierlicher Weise nachkommen können. Es hindern uns nämlich einerseits körperliche Schwäche und andererseits die Schlechtigkeit böser Mitmenschen.

Deswegen ermächtigen wir euch durch den Überbringer dieses Briefes, diejenigen unserer Kleriker, die wir euch ankündigen [wörtlich: Perfekt], zu den (priesterlichen) Weihen zuzulassen.

Außerdem ersuchen wir euch, Vater, mit gottgefälliger Bitte, dass ihr unseren Priester, der sich mit dem Vergehen des Ehebruchs befleckt hat und aus unserer Pfarre in eure (Diözese) geflüchtet ist, nicht gestattet, in euren Kirchen zu bleiben oder gar (kirchliche) Dienste zu versehen. Und wenn dann noch einer außer denen, die euch unser Sohn Gerhard (der Überbringer dieser Zeilen) nennt, jetzt oder später zu euch kommt, nehmt ihn keinesfalls auf ohne unsere schriftliche Bestätigung; denn wie ihr aus Erfahrung durch die ständige Lektüre (kirchlicher Schriften) wisst, darf niemand einen fremden Kleriker ohne ausdrücklichen Wunsch des Ortsbischofs und ohne entsprechendes Empfehlungs- bzw. Sendschreiben, die der kirchliche Brauch (epistole) formate nennt, aufnehmen.

  1. Der Hinweis des Absenders, dass er sein bischöfliches (Weihe-)Amt derzeit nicht ausüben kann, sei es aus gesundheitlichen Gründen, sei es wegen der Repressalien von anderer Seite (malorum hominum pravitas), macht eine zeitliche Nähe zu Innozenz' Brescianer Aufenthalt (s.u. Anm. 3) mit der Absetzung von Bischof Villanus wahrscheinlich.
  2. Bischof Obert von Cremona 1118-62.
  3. Bischof Villanus von Brescia 1116 - 1132/33 (abgesetzt) bzw. 1134 (gestorben) (Gams); von Innozenz abgesetzt, als dieser sich vom 26. Juli bis 1. Sept. 1132 in Brescia aufhielt (JL 7587-95; vgl. Wattenbach, 1855, S. 45).
  4. Vgl. Ivo Kap. 433 (ed. Migne PL 161, Sp. 540f.): quas mos latinus appellat formatas. (Vgl. oben Brief 19.)

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