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65.

Bischof G(otofredus?) von Luni (?) an Erzkanzler Haimerich:
bittet wegen verleumderischer Anschuldigungen um Vermittlung beim Papst zwecks Wiederaufnahme seines kirchenrechtlichen Verfahrens
(vor Juni 1132, möglicherweise 1134-41 überarbeitet)1)
Ü: V fol. 56r-v.
D: -
R: Wattenbach S. 45-50 (zu 1132).

Epistola depositi episcopi ad archicancellarium

Domino Aimerico2) archicancellario pape, sancte Marie in Via lata diacono religiosissimo et sapientissimo, G.3) solo nomine Lunensis [episcopus] debitam reverentiam et perpetuam in Christo salutem.

Omnipotens Dominus idcirco summorum virorum lateri egregios viros adherere voluit sua pietate, ut illorum collaterales et auriculares, sicut estis, salubria consilia et eis tradent et iustitie tramites sectantes optime consularent, de quibus vos unum quasi precipuum sidus sancta Romana et apostolica ac per orbem diffusa catholica veneratur ecclesia. Vos enim iustitie cultorem, pietatis amorem novimus et tota mente diligimus, quia miseris opem poscentibus ferre cognovistis.

Eapropter, pater mitissime, clementie vestre supplico, ut mihi innocenti dampnato manum pietatis, quam miseris extendere soletis, superna pietate porrigatis et apud dominum apostolicum nostrum, ut causam nostram canonice condiscernere dignetur, intercedatis. Multos namque legimus iniuste et per subreptionem dampnatos per Romanum pontificem restauratos, et enim Romana sedes sola est, ad quam diffugiunt miseri, quam appellant, cum vident semper gravari, postquam nullum aliud restat presidium.

Rescribite itaque, mitissime pater, si placet, et, quod sit mihi faciendum, paterna benignitate consulite, ut vestro munimine fretus causam meam iniuste tractatam canonum censura dominus papa dignetur discutere.
Brief von abgesetztem Bischof an Erzkanzler

Herrn Haimerich, Erzkanzler des Papstes, gottesfürchtigem und weisem Diakon von St. Maria in Via Lata, (sendet) G(otofred?), nur dem Namen nach (Bischof) von Luni, die geschuldete Verehrung und seinen in Christo immerwährenden Gruß.

Der allmächtige Gott hat gewollt, dass hervorragende Männer den Führungskräften deswegen zur Seite stehen, damit sie als deren Vertraute und Ratgeber, so wie ihr es seid, sowohl diesen hilfreiche Ratschläge geben als auch sie bestens beraten, den Pfaden der Gerechtigkeit zu folgen; von diesen seid ihr einer, der wie ein besonders hell leuchtender Stern in der heiligen römischen, apostolischen und über den Erdkreis verbreiteten katholischen Kirche geschätzt wird. Euch nämlich haben wir als Hort von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit kennen und ganzen Herzens lieben gelernt, weil ihr den Elenden, die Hilfe fordern, (solche) zu bringen wisst.

Deswegen, gütiger Vater, flehe ich zu eurer Gnade, dass ihr mir, dem unschuldig Verurteilten, die Hand der Barmherzigkeit, wie ihr sie den Armen hinzustrecken pflegt, gnädig reicht und euch bei unserem Herrn Papst einsetzt, dass er sich herablässt, unseren Fall kanonisch zu überprüfen. Wir haben nämlich [im Kirchenrecht ?] gelesen, dass der römische Pontifex viele, die zu Unrecht und durch (bösartige) Unterstellung(en) geschädigt worden waren, wieder aufgerichtet hat; denn es ist allein der römische Stuhl, zu dem sich die Elenden flüchten (können), den sie anrufen, wenn sie sich schlecht behandelt fühlen, nachdem (ihnen) keine andere Zuflucht mehr bleibt.

Schreibt mir daher, gütiger Vater, wenn es genehm ist, zurück und ratet mir in eurer väterlichen Güte, was ich tun soll, damit im Vertrauen auf eure Unterstützung [hier ist möglichweise eine Zeile ausgefallen: ich mein Anliegen erneut vortragen kann und] der Papst es für richtig hält, meinen Fall, der (seinerzeit) nicht korrekt verhandelt worden ist, nach Maßgabe des Kirchenrechts [canones] neu aufzurollen.

  1. Die angesetzte päpstliche Synode von Pavia (vgl. Brief 66) fand wohl im Zeitraum vom 31. Mai bis zum 30. Juni 1132 statt (JL 7569-7571).
    Die hiermit zeitlich nicht harmonierende "Gestalt" des Bischofs G(ottfried) von Luni könnte auf die jüngere Überarbeitung der Briefsammlung (1137) zurückgehen - vgl. die Datierung des "Antwort"schreibens 66. -
    Denkbar wäre auch, dass es sich um einen (anderen) bereits abgesetzten Bischof handelt (Gams, S. 817 deutet 4 zeitgenössische
    episcopi schismatici an), dessen Name uns nicht überliefert ist; immerhin steht er offenbar - laut Brief 66 - unter "Hausarrest" ... im Kloster.
    Dieser Klosteraufenthalt eines möglicherweise schismatischen Bischofs G. erinnert im übrigen an die Warin-Episode (Initiale ebenfalls G.!) in Brief 62; dazu könnte auch die Lesart der Hs. für den Ortsnamen, nämlich
    limensis "passen", was paläographisch ticinensis nicht sehr unähnlich ist.
  2. Päpstlicher Kanzler Haimerich 1123 bis 1141, "wohl der bedeutendste Mann seiner Zeit an der Kurie" (Zenker, 1964, S. 142). Allerdings war er nicht Kardinaldiakon von S. Maria in Via Lata (wo Zenker, a.a.O., S. 178 zeitgenössische Kardinaldiakone namens Guido, 1128-1133, bzw. Hubaldus, 1134-1143/44, notiert), sondern von S. Maria Nuova.
  3. Bischof Gotofredus von Luni: seit 1137 (u.U. schon seit 1134: letztmalige Erwähnung seines Vorgängers Philipp) bis 1153 (+ ca. 1158).

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