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78.

Kaiser(?) L(othar) an die Capitane (?) des Grafenhauses (Canossa):
fordert sie - insbes. den Rainer de Saxo - auf, gegenüber Graf Albert von Verona Genugtuung zu leisten und sich für die Begleitung des Kaisers auf seiner Romreise zu rüsten: am 24. September (in Verona).
(ca. Frühsommer 1132)
Ü: T fol. 130 (teilw.); V fol. 62r-v.
D: Pasini S. 225; Wattenbach S. 84f.
R: Wattenbach S. 46-50 (zu 1132); RI Lo.III. +308 (zu 1132)); vgl. auch Niederkorn, S. 591ff.

Epistola imperatoris ad capitaneos

L.1) Dei gratia Romanorum imperator augustus [capitaneis] cum ceteris proceribus et cunctis fidelibus domus comitisse Mahtildis2) salutem et omne bonum.

Quoniam vos fidelissimos domine vestre et post mortem [eius] predecessori nostro auguste memorie imperatori Henrico3) fuisse cognovimus, precipue vos diligimus et in vobis non modice confidimus ac per hec, si Deus ad vestras partes nos adduxerit, sicut disposuimus, honorem vestrum augmentabimus et vos digne magnificabimus.

Sed admiratione non parva movemur super querela comitis Alberti4) Veronensis egregii et magnifici viri, quem dominum vestrum eligistis et fecistis fidelitatem et iurastis et post hec uxorem eius cepistis, arcem Canusie5) abstulistis, postremo iterum factum cum eo fedus fregistis et cum magno dedecore, postquam nichil, quod vobis tribueret, habuit, sicut lit[t]ere illius, quas nobis misit, continebant, demum cum dedecore remisistis. Quod nisi ipse effectus rerum probaret, nullo modo fidem haberemus, tamen id esse verum res ipsa declarat. Utrum vestra an illius culpa gestum sit, ignoramus. Addidit etiam, [quod] filii Rainerii6) de Saxo providente quodam abbate [?] prefatam arcem cum suis filiis Bonifatio et Garsendino7) ceperunt et adhuc violenter retinent.

Quocirca nobilitati et fidelitati vestre mandando rogamus et rogando precipimus, ut eum vos revocetis, integrum restituatis et ei, ut illum et vos decet, serviatis.

Preterea Rainerium cum filiis separatim deprecamur, ut arcem ei reddant et pacem cum eo habeant. Comiti quoque precipimus, ut Rainerio, sicut tempore comitisse custodiebant, custodire permittat, donec veniamus et, utrum pro feudo an pro custodia illam habuerit, investigabimus ac deliberabimus.

De reliquo vos diligentissime preparate, sicut vester est mos nostris antecessoribus facere, ante octavam diem Kalendarum Octubrium8), ut in Romanam expedicionem nobiscum veniatis.

Brief des Kaisers an die Capitane

L(othar III.), von-Gottes-Gnaden Kaiser der Römer, grüßt die Capitane samt ihren Würdenträgern und allen Getreuen des Hauses der Gräfin Mathilde und wünscht ihnen alles Gute.

Da wir wissen, dass ihr eurer Herrin und nach ihrem Tod unserem Vorgänger, Kaiser Heinrich seligen Angedenkens, allzeit treu gewesen seid, schätzen wir euch vorzüglich und setzen großes Vertrauen auf euch, und wir werden deshalb, wenn Gott uns in eure Gegend führt - so wie wir es vorhaben -, eure Ehre[n] vermehren und eure Verdienste würdigen.

Aber (jetzt) werden wir durch nicht geringe Verwunderung bewegt über die Klage des Grafen Albert von Verona, eines hervorragenden Mannes, den ihr zu eurem Herrn erwählt habt und dem ihr Treue versprochen und geschworen und dann seine Ehefrau genommen, die Burg Canossa entrissen und schließlich den mit ihm erneuerten Bund schmählich wieder gebrochen habt und den ihr schließlich - wie in einem Brief steht, den er uns geschickt hat -, nachdem er nichts (mehr) hatte, was er euch noch hätte geben können, schmachvoll verlassen habt. Wir würden das in keiner Weise glauben, wenn er den Vorgang nicht selbst bestätigen würde; doch an der Sache selbst gibt es keinen Zweifel. Ob es nun euer oder sein Verschulden ist, wissen wir (freilich) nicht. Er hat auch noch angefügt, dass die Söhne des Rainer de Saxo - mit Unterstützung eines Abtes [?] - die vorgenannte Burg samt (Alberts) Söhnen Bonifacius und Garsedonius genommen haben und noch immer gewaltsam (fest)halten.

Deshalb bitten wir euch bei eurer edlen Herkunft und Treue darum und verlangen es zugleich nachdrücklich, dass ihr ihn [= Albert] bittet zurückzukommen, ihn in sein angestammtes Amt wieder uneingeschränkt einsetzt und ihm zu Diensten seid, wie sich's für ihn und für euch ziemt.

Außerdem bitten wir Rainer und Söhne mit separater Post, dass sie ihm seine Burg zurückgeben und Frieden mit ihm halten. Dem Grafen schreiben wir zugleich vor, dass er dem Rainer die diesbezüglichen Schutzbefugnisse erlaubt, wie sie zur Zeit der Gräfin [Mathilde] üblich waren, (zumindest) bis wir (persönlich) kommen und überprüfen werden, ob er die Burg zum Lehen oder nur zur Schutzleistung hatte, und daraufhin entscheiden werden.

Im übrigen bereitet euch sorgfältig darauf vor - so wie es bei euch Brauch ist, unseren Amtsvorgängern zu Diensten zu sein -, am 24. September zu unserer Rom-Expedition hinzuzustoßen.

  1. S.o. Brief 76 Anm. 1.
  2. S.o. Brief 76 Anm. 3.
  3. Kaiser Heinrich V. (Lothars Vorgänger) + 23. Mai 1125.
  4. S.o. Brief 76 Anm. 2.
  5. S.o. Brief 76 Anm. 5.
  6. S.o. Brief 76 Anm. 6.
  7. S.o. Brief 76 Anm. 7.
  8. 24. September (1132): Zum "Start" des Romzuges von 1132 (Mitte August) vgl. Brief 3 Anm. 7. Am 28. Sept. 1132 befand sich Lothars Expeditions"corps" (noch) am Ostufer des Gardasees (in Gardisana: RI. Lothar III, 313 und 314); Verona wurde wohl erst im Oktober 1132 erreicht (ebenda 316).

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