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Turin, Biblioteca Nazionale, cod. 704 (T)

(Pergament, XIV. Jh.) 160 Bll.
Der Codex ist beim Brand der Turiner Nationalbibliothek im Jahre 1904 verloren gegangen.. Insofern sind wir heute allein auf die Handschriftenbeschreibung von Pasini aus dem Jahre 1749 angewiesen.

Die Handschrift, die offenbar schon zu Pasinis Zeiten nicht mehr ganz vollständig war, bestand in der Hauptsache (bis f. 107) aus einem Kommentar des Matthäus-Evangeliums, an den sich Marbods
Liber de lapidibus (f. 108) samt einem anonymen Traktat De consecratione lapidum (f. 111) anschloss sowie ein anonymer Traktat De unitate et trinitate Dei (f. 113).

Auf f. 130 und 131 folgten dann Fragmente der Lombardischen Briefsammlung:

  • (wohl f. 130r) das Ende von Brief 78, das Pasini (S. 225) vorlagengetreu zu überliefern scheint, und
  • (wohl ebenfalls noch f. 130r) die zugehörige "Antwort", Brief 79 - eine "Epistola a Familiaribus Comitisse MATHILDIS scripta ad imperatorem", die den seinerzeitigen Beschreiber der Hs. so beeindruckt hat, dass er diesen Brief offenbar in ganzer Länge kopiert hat., sowie
  • (wohl f. 131r) Brief 19 - lt. Pasini (S. 225) "alia [sc. epistola], quae FORMATA COMMENDATITIA, sive DIMISSORIA appellatur. Hanc quoque integram damus." Auch diesen scheint er vollständig abzudrucken.

Inwiefern der Übergang von f. 131 zu f. 132ff.( anonyme Fastenbestimmungen und ein "englischer" Traktat) von Pasini lückenlos widergegeben wird, darf man immerhin Zweifel haben: Während der fehlende Briefanfang von Brief 78 (f. 131) durch eine Reihe von Punkten korrekt abgebildet wird, fehlt eine solche Angabe für den Schluss von Brief 19 - was eigentlich zu dem Schluss führen müsste, dass dieser Brief ein ganzes Blatt ausfüllt (ohne andere Brief"reste" davor oder/und danach). Doch dem kann kaum so sein:
  • Vergleichen wir die Situation der Briefe bzw. Blätter von Hs. T mit derjenigen von V, so füllt das Brief"paar" 78/79 (im erhaltenen T-Umfang) exakt 1 Blatt (Vorder- und Rückseite).
  • Demgegenüber füllt der (aus der Mitte der Briefsammlung stammende) Brief 19 nur 1 Seite. Wir unterstellen, dass Pasini (dessen Handschriftenbeschreibung sehr "kursorisch" ist) uns hier 1 weitere Seite "unterschlägt" - vermutlich wegen des ihn weniger interessierenden Inhalts, was insbes. für die Briefe 17-18 (auch 1 knappe Seite) zutreffen würde, die eine "historisch" belanglose Korrespondenz des Erzpriesters von Casalmaggiore darstellen.
Wir könnten daraus schlussfolgern, dass die (verkehrte) Reihenfolge der Briefe 78/79 und 19 in T wohl eher dem (Binde-)Zufall zu verdanken ist. Die eleganteste Erklärung wäre die Annahme einer (versehentlichen) Umfalzung, derzufolge das erste Blatt die Briefe [17/18/]19 und das zweite die Briefe 78/79 enthielt. Als Außenseite einer Lage hätten sie dazwischen die Briefe 20-78(Anfg.) enthalten haben können.
[SKIZZE folgt]

Dies würde jedoch im Kleinoktavformat von V etwa 52-56 verlorene Seiten - und damit eine gewaltige Lagendimension von insges. 14 Doppelblättern - voraussetzen. Im S-Format könnte man sich immerhin noch einen Septernio vorstellen. Doch haben wir es in den Handschriften zur Ars dictandi - z.B. bei S und V - vorzugsweise mit dem Lagenformat des Quaternio zu tun, allerdings auch nicht selten mit in Quaternionen eingebundenen Einzelblättern: Immerhin weist V im Bereich unserer Briefsammlung 3 abgeschnittene bzw. Einzelblätter (= 7,3 %) auf; in S fehlt immerhin ein solches Blatt (= 7,7 %).
Insofern haben wir uns wohl auf die wahrscheinlichere "Hilfskonstruktion" zurückzuziehen, dass in T zwei Einzelblätter - als rest einer ehedem möglicherweise vollständigen Überlieferung der Lombardischen Briefsammlung - in vermutlich falscher Reihenfolge eingebunden worden sind. Zum anderen könnte Hs. T - unter dem Vorbehalt, dass Pasini uns nicht noch mehr "unterschlagen" hat - die Vermutung stützen, dass Brief 80 (der auch in V etwas "unorganisch" angehängt wirkt) nicht zum ursprünglichen Bestand der Lombardischen Briefsammlung gehört hat.



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