| campus - Ausgabe 1 - Januar 2001 | Forschung | |||
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Im Wein ist Wahrheit - und Gesundheit!
Statistische Auswertungen von Todesfällen haben ergeben, dass zwischen koronaren Herzerkrankungen als Todesursache und dem Fettverbrauch der Bevölkerung eine Wechselbeziehung besteht. Dies gilt für nahezu alle Industrieländer - mit Ausnahme von Frankreich: Bei in etwa gleicher Kalorienaufnahme von Fetten in Frankreich und Deutschland sterben in Frankreich nur ein Drittel so viele Menschen an Herzinfarkt wie hierzulande. Dieses "französische Paradoxon" wird auf die Ernährung (den höheren Verbrauch an Brot, Obst, Gemüse, Käse und pflanzlichen Fetten) und den höheren Verbrauch an Rotwein zurückgeführt. Klinische Studien belegen einen solchen Zusammenhang zwischen dem (maßvollen) Rotwein-Genuss und einer verminderten Anzahl koronarer Herzerkrankungen. So wirken trans-Resveratrol und Quercetin - beides Hauptkomponenten mancher Rotweinsorten - in bestimmter Konzentration einem Verklumpen von Blutplättchen und damit einer der Hauptursachen von Herzgefäßkrankheiten entgegen. Andere Wein-Inhaltsstoffe wie Flavonoide, die zur Farbe beitragen, sollen als Reduktionsmittel krebshemmende Wirkung zeigen. Alle diese Verbindungen lassen sich mittels Hochdruckflüssigchromatographie (HPLC) schnell, einfach und genau bestimmen. Das Institut für Instrumentelle Analytik/Umweltanalytik unter Leitung von Prof. Heinz Engelhardt hat dieses Analyse-Verfahren weiterentwickelt und insbesondere dahingehend optimiert, dass die "wirksamen" Stoffe von anderen Wein-Bestandteilen abgetrennt und einzeln sichtbar gemacht werden können. Auch am Tag der offenen Tür im letzten Juni wurden verschiedene Weinproben analysiert, die Besucher gebracht hatten. Das Ergebnis: Die Rotweine aus Spanien und dem Süden Frankreichs enthielten den höchsten Gehalt an gesundheitsfördernden Stoffen. Pinot noir zeigte einen hohen Gehalt an Resveratrol und naturgemäß wenig von den zur Farbe beitragenden Flavonoiden. Mit die höchsten Werte wurden bei einem selbstgemachten Chianti gefunden. Verblüffend war, dass bei einer Auxerois-Probe Resveratrol bestimmt wurde: Weißweine sollen nämlich weder Resveratrol noch Flavonoide enthalten. Vielleicht sind hier rote Trauben mit verarbeitet worden. Offenbar wurden aber die Schalen, aus denen die Flavonoide kommen, nicht mit vergoren. Für Antialkoholiker gibt es die gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe des Rotweins auch in Tablettenform. In die Abbildung aufgenommen wurden die Exemplare, bei denen Äquivalentwerte "Glas Rotwein" angegeben waren. Um jedoch die Werte eines guten Glas Rotweins zu erreichen, muss man davon etwa zehn Tabletten einnehmen - wobei sich auch der Genuss hier wohl eher in Grenzen halten dürfte. Heinz Engelhardt |