campus - Ausgabe 4 - Dezember 2001 Auszeichnungen

Ehrendoktorwürde der TU Darmstadt für Professor Wahlster

Im Karolinensaal des Hessischen Staatsarchivs überreichten TUD-Präsident Prof. Johann-Dietrich Wörner (r.) und Vizepräsident Prof. Jürgen Kübler (l.) die Urkunde zur Verleihung der Ehrendoktorwürde an Prof. Wahlster (Mitte).
Foto: Pressestelle TU Darmstadt

Die Technische Universität Darmstadt hat Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Wahlster im November die Würde eines Ehrendoktors verliehen. Eingebettet war die Verleihung in die von Prof. Wolfgang Bibel geleitete Veranstaltung "Ein Vierteljahrhundert Künstliche Intelligenz in Deutschland". "Mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde geht die TU Darmstadt äußerst sparsam und genau definiert um: Die einzige, zugleich aber auf höchstem Niveau und damit stark begrenzende Bedingung für die Ehrung ist wissenschaftliche Qualifikation", betonte der Präsident der TU Darmstadt, Prof. Johann-Dietrich Wörner.

Prof. Wahlster, mit 48 Jahren der jüngste Ehrendoktor der TUD, erhielt die Auszeichnung in Anerkennung "seiner herausragenden wissenschaftlichen und industriell umgesetzten Pionierleistungen auf den Gebieten der Verarbeitung, Generierung und Übersetzung natürlicher Sprache, intuitiver Benutzer-System-Schnittstellen, insbesondere natürlichsprachlicher Dialogsysteme, der Benutzermodellierung sowie der Persona-Technologie. Als international anerkannte Kapazität hat er sich um die Entwicklung des gesamten Gebietes der Künstlichen Intelligenz höchste Verdienste erworben", wie es in der Urkunde heißt.

Prof. Wahlster freute sich bei der Festveranstaltung: "In der Verleihung dieses Ehrendoktors sehe ich nicht nur eine Würdigung meiner Arbeit auf dem Gebiet der intelligenten Benutzerschnittstellen und der Künstlichen Intelligenz, sondern auch eine Auszeichnung des am DFKI realisierten Konzepts der anwendungsorientierten Grundlagenforschung."

In seiner Laudatio erklärte Prof. Wilfried Brauer: "Als externer Laudator erlaube ich mir, nicht nur Herrn Wahlster, sondern auch die TU Darmstadt zu loben - dafür, dass sie mit Herrn Wahlster als dem erfolgreichsten deutschen Forscher im Bereich der Künstlichen Intelligenz dieses lange Zeit ziemlich umstrittene Teilgebiet der Informatik besonders ehrt, und zwar zum ersten Male in Deutschland durch eine Ehrenpromotion."

Reinhard Karger


Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für Dr. Eichenseer

Eine Sternstunde für die Lebendigkeit der lateinischen Sprache war die Festveranstaltung, die Mitte November zu Ehren von Dr. Joseph Anton (Caelestis) Eichenseer (Foto, r.) stattfand: Im Auftrag des Bundespräsidenten verlieh Wissenschaftsminister Jürgen Schreier (Foto, l.) dem Altphilologen, VOXLATINA-Herausgeber und Leiter der Arbeitsstelle für Neulatein an der Saar-Universität das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse - eine hohe und nur selten verliehene Auszeichnung.

"Dr. Eichenseer hat sich durch sein langjähriges intensives wissenschaftliches Wirken und sein Werben für eine Wiederbelebung der lateinischen Sprache außerordentliche Verdienste erworben", betonte Minister Schreier. Nachdem der Dekan, Prof. Ernst Löffler, Dank und Glückwunsch der Philosophischen Fakultät III auf Latein überbracht hatte, war diese Sprache, zu deren Stärkung und Verbreitung Eichenseer seit Jahrzehnten engagiert beiträgt, die Sprache des Abends - Dr. Eichenseer spricht Latein fließend. Seit über zwei Jahrzehnten hält er Seminare, in denen der aktive Gebrauch der lateinischen Sprache erlernt und geübt wird. Er war der Erste, der solche Seminare angeboten hat. Sie finden mit großer Resonanz zweimal jährlich sowohl im In- als auch im europäischen Ausland statt. Seit 1975 ist er an der Arbeitsstelle für Neulatein der Saar-Universität tätig, das einzige Institut dieser Art in Europa.

Joseph Anton Eichenseer hat sich zur Aufgabe gemacht, Latein als internationale Kommunikationssprache wieder zur Geltung zu bringen. Dabei geht es ihm um Bewahrung, Bewusstmachung und Stabilisierung der gemeinsamen kulturellen Wurzeln Europas, um internationale Völkerverständigung und die Überwindung von Nationalismen. Durch sein herausragendes Engagement konnte er schon viele Menschen verschiedener Nationen, verschiedenen Alters und unterschiedlichster Berufsrichtungen für seine Ziele begeistern und internationale Verbindungen und Freundschaften stiften.

CB


Universität Hohenheim verleiht Ehrendoktor an August-Wilhelm Scheer

Ende Oktober verlieh die Universität Hohenheim dem Direktor des Instituts für Wirtschaftsinformatik, Prof. Dr. Dr. h.c. August-Wilhelm Scheer, die Würde eines Doktors der Wirtschaftswissenschaften ehrenhalber. "Prof. Scheer hat die Wirtschaftsinformatik nachhaltig geprägt und ist einer ihrer Gründerväter in Deutschland", hob der Dekan der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Hohenheim, Prof. Helmut Krcmar, in seiner Ansprache hervor. Er betonte die Vorreiterrolle Scheers beim Aufbau der Disziplin Wirtschaftsinformatik in Deutschland: "Scheer erkannte sehr frühzeitig und weit vor anderen Fachvertretern in der systematischen Modellierung von Datenstrukturen die Voraussetzung für die erfolgreiche Gestaltung von Informationssystemen", sagte er. Früh habe Scheer auch den interdisziplinären Austausch gesucht, um seine Ansätze zu vervollkommnen. Die von ihm entwickelte Methode der Architektur integrierter Informationssysteme (ARIS) sei mittlerweile zum weltweit anerkannten Modell gereift und als Standardwerkzeug in die Wirtschaftsinformatik integriert. Mit der Gründung des Software- und Beratungsunternehmens IDS Scheer AG 1984 und der Mitbegründung weiterer Unternehmen habe er erfolgreich die Brücke zwischen Universität und Wirtschaft geschlagen.

v.l. Prof. Barbara Seel, Prodekanin der Fakultät V der Universität Hohenheim, Prof. Klaus Macharzina, Präsident der Universität Hohenheim, Prof. August-Wilhelm Scheer und Universitätspräsidentin Margret Wintermantel
Foto: IWI

In seiner Dankesrede setzte sich Prof. Scheer mit der knapp 30-jährigen Geschichte der Wirtschaftsinformatik auseinander: "Sie stellt eine eindrucksvolle Erfolgsstory dar. Mit heute über 110 Lehrstühlen, eigenständigen Studiengängen und vielen Forschungsprogrammen ist sie die wichtigste Einzeldisziplin in der Betriebswirtschaftslehre." Die Wirtschaftsinformatik habe das Problem der Komplexität von Unternehmen wiederentdeckt. Auch die Verzahnung von Wissenschaft und Praxisnähe innerhalb seiner Disziplin betonte Prof. Scheer. "Die zukünftigen Chancen der Wirtschaftsinformatik bestehen weiterhin darin, dass die Informationstechnik die Entwicklung neuer Produkte und neuer Geschäftsprozesse und damit auch neuer Geschäftsmodelle unterstützt. Dieses generiert einen ständigen Forschungsbedarf."


Ehrendoktor für Prof. Patrick Cousot

Zum ersten Mal hat die Naturwissenschaftlich-Technische Fakultät I die Würde eines Ehrendoktors verliehen: Im Juni erhielt Patrick Cousot, Professor an der Pariser École Normale Supérieur, den Ehrendoktorhut. Gewürdigt wurden damit seine außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen - und vor allem seine Verdienste um die über 20jährige Zusammenarbeit mit seinen Saarbrücker Fachkollegen. Eine enge Kooperation mit der Arbeitsgruppe von Prof. Reinhard Wilhelm, der den Lehrstuhl für Programmiersprachen und Übersetzerbau innehat, pflegt Cousot seit Ende der 70er Jahre, als er noch Professor an der Universität Metz war.

Arbeitsgebiet des renommierten französischen Informatikers ist die statische Analyse dynamischer Eigenschaften von Programmen: eine wichtige Komponente von Softwareentwicklungssystemen, zum Beispiel im Hinblick auf Übersetzung von Programmiersprachen oder zur Untersuchung der Sicherheitseigenschaften von Programmen. Die dazu notwendigen Theorien hat Prof. Cousot zusammen mit seiner Frau Radhia in der zweiten Hälfte der 70er Jahre entwickelt.

Prof. Patrick Cousot (r.) und Prof. Reinhard Wilhelm.
Foto: urabt

Mit den Methoden, die Patrick Cousot entwickelt hat, wurde und wird erfolgreich auch in der Arbeitsgruppe Wilhelm gearbeitet: Cousots Theorien leisteten einen entscheidenden Beitrag bei der Konstruktion von Werkzeugen wie auch des ProgrammAnalyse-Generators PAG. Auch andere interessante Entwicklungen am Lehrstuhl Wilhelm wurden entscheidend durch Cousots Erkenntnisse gefördert: Diese Arbeiten haben zur Bewilligung sowohl eines Transferbereichs der DFG, zweier EU-Projekte zur Entwicklung industriell einsetzbarer Werkzeuge als auch zur Gründung der Firma AbsInt Angewandte Informatik GmbH geführt.

Auch die Arbeitsgruppe von Prof. Harald Ganzinger am Max Planck-Institut für Informatik kooperiert seit einigen Jahren auf theoretischem Gebiet mit Prof. Cousot.

red


Zweiter Ehrendoktorhut für Alessandro Baratta

Foto: urabt

Nachdem die Universität von Lecce (Italien) Prof. Alessandro Baratta 1999 den Ehrendoktortitel verliehen hatte, wurde dem Inhaber des Lehrstuhls für Rechtssoziologie und Sozialphilosophie nun eine zweite hohe Ehrung, diesmal aus Griechenland, zuteil: Die juristische Fakultät der Democritus-Universität von Thrakien in Komotini zeichnete Prof. Baratta ebenfalls mit der Würde eines Ehrendoktors aus. Die Verleihung erfolgte in Anerkennung seiner international und interdisziplinär ausgerichteten wissenschaftlichen Leistungen, insbesondere im Bereich der Strafrechtssoziologie und Kriminologie. Besonders gewürdigt wurde auch sein Einsatz für den Ausbau der wissenschaftlichen Kooperation der griechischen Universität mit mehreren europäischen Hochschulen auf dem Gebiet der Kriminologie.

Prof. Baratta, der an der Saar-Universität auch das international bekannte Institut für Rechts- und Sozialphilosophie leitet, unterhält ein reges Austauschprogramm für Doktoranden und Stipendiaten aus aller Welt.


Goldene Goethe-Medaille für Professor Richter

"Dem naturwissenschaftlich Gebildeten unter den Philologen, dem Editor der unentbehrlichen Münchner Goethe-Ausgabe, die er akribisch konzipierte und mit seinem ‘Divan’-Kommentar krönte, dem bedeutenden Forscher und Lehrer, der Klassik und Moderne wechselseitig zu erhellen versteht, in herzlicher Verehrung" - so lautet der Text der Urkunde: Für seine Verdienste um das Werk Johann Wolfgang von Goethes hat die internationale Goethe-Gesellschaft in Weimar den Saarbrücker Germanisten Prof. Karl Richter mit der Goldenen Goethe-Medaille ausgezeichnet.

Die Münchner Goethe-Ausgabe, die Richter im Carl Hanser Verlag zum 250. Geburtstag des Dichters abschließen konnte (zu dem internationalen Herausgeber-Team zählt mit Prof. Gerhard Sauder ein weiterer Vertreter der Saarbrücker Germanistik), setzt neue Maßstäbe: 20 Bände in 32 Teilbänden und einem Registerband bieten auf zusammen 34914 Seiten den ganzen Goethe - naturwissenschaftliche und amtliche Schriften eingeschlossen. Die Anordnung der Texte erfolgt dabei nicht nach Gattungen, sondern nach Schaffens-Epochen. Annähernd 20 Jahre lang widmete Professor Richter Goethe einen Großteil seiner Zeit. "Alle Goethe-Leser sind die Beschenkten vieler einzelner Mühen", betonte Prof. Werner Keller, ehemaliger Präsident und gegenwärtiger Ehrenpräsident der Goethe-Gesellschaft, anlässlich der Verleihung der Medaille.

CB


Medaille der Darmstädter Goethe-Gesellschaft

In Anerkennung seiner Verdienste um die Erforschung der Literatur des 18. Jahrhunderts wurde Prof. Gerhard Sauder die Medaille der Darmstädter Goethe-Gesellschaft verliehen. Die Auszeichnung würdigt auch die editorische Leistung des Saarbrücker Germanisten auf dem Gebiet der europäischen Literaturgeschichte und als Mitherausgeber der Münchner Goethe-Ausgabe. Die Medaille der Darmstädter Goethe-Gesellschaft wird im Gedenken an Johann Heinrich Merck vergeben, der Goethe in seiner Jugend als Freund und Mentor zur Seite stand.

AP-L


DFG fördert juristisches Lehrbuch von Professor Ranieri

Das Lehrbuch "Europäisches Obligationenrecht" des Saarbrücker Juristen Prof. Filippo Ranieri erhielt Ende vergangenen Jahres die Auszeichnung "Juristisches Lehrbuch des Jahres 2000" (Neue Juristische Wochenschrift 2000, S. 3619 ff., wir berichteten). Jetzt kann das von Ranieri in diesem Buch entwickelte Konzept, einen europäischen Rechtsunterricht jenseits der traditionellen Rechtsvergleichung zu ermöglichen, mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgebaut werden: Für die Fortsetzung und Erweiterung seines Buchprojekts, das zentrale Bereiche des europäischen Schuldrechts behandelt, erhält der Autor von der DFG Personalmittel in Höhe von rund 130000 Mark. Das prämierte Lehr- und Textbuch für Studium und Praxis überzeugt auch durch seine Methode, die sich am didaktischen Modell der amerikanischen "Case Books" orientiert.

ML

Filippo Ranieri, Europäisches Obligationenrecht. Lehr- und Textbuch, Wien (Springer), Springer’s Kurzlehrbücher der Rechtswissenschaft 1999, 288 Seiten, ISBN 3-211-83351-X