| campus - Ausgabe 1 - März 2002 | Campus-Planung | |||
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UNIVERSITAS SANA IN CAMPO SANO Die klare Konturierung des Saarbrücker Campus zu einem Oval, eine städtebauliche Verdichtung seines Kerns, drum herum eine Parklandschaft locker durchsetzt mit Gebäuden und Bäumen und schließlich eine klare Abgrenzung des Ovals gegenüber dem Stadtwald, eigens betont durch einen umgrenzenden Rundweg (nutzbar auch als Trimm-dich-Pfad), markieren den Grundriss des Veauthierschen Konzepts vom "Campus auf der Lichtung". Nach dem Willen von Landesregierung und Universitätsleitung wird das Konzept in den nächsten 20 Jahren umgesetzt. Die belastende Verkehrs- und Parksituation auf dem Universitätsgelände wird dabei ebenso durchgreifend bereinigt (Veauthier: "Es muss nicht sein, dass man mit seinem Auto bis unter den Schreibtisch fährt") wie der um sich greifende Wildwuchs von planlos hochgeschossenen Bäumen und Sträuchern (Veauthier: "Auch der Campus muss mal zum Friseur"). Der motorisierte Individualverkehr soll vom Universitätsgelände weitgehend verbannt und am Meerwiesertalweg von einem Parkdeck aufgefangen werden. Der Hebung der Aufenthaltsqualität an der Universität will auch die Gestaltung von Plätzen dienen, die zur Erholung und zur Kontemplation einladen sollen. In diesem Sinne ist vorgesehen, die Freiräume vor dem Ausländercafé und vor Gebäude 16 völlig neu zu modellieren. Ein erhebliches Wachstumspotenzial birgt die städtebauliche Verdichtung im Kern, so dass ein Ausbau der Universität an einem anderen Ort nicht in Betracht gezogen werden muss. Insgesamt soll - eingebettet in eine schöne Parklandschaft - ein wohnliches städtisches Ambiente entstehen, ja ein richtig attraktives Stadtquartier, bei dem abends auch nicht nahezu flächendeckend die Lichter ausgehen, betonte Veauthier, der sich als "Schaffer des Heimwehs von übermorgen" versteht.
Foto: das bilderwerk Bei der ersten öffentlichen Vorstellung der weitreichenden Entwicklungsperspektiven des Saarbrücker Campus durch Planer, Landesregierung und Universität fehlte es freilich auch nicht an kritischen Fragen zu Details sowie zur Finanzierbarkeit des Ganzen. Grundsätzlich war man sich jedoch einig: Das Äußere einer Universität ist ihr nicht nur etwas Äußerliches, vielmehr ist zwischen ihrem Wesen und ihrem genius loci ein innerer Zusammenhang zu sehen. Oder um die Idee der Campus-Planung in Abwandlung einer anderen lateinischen Redeweise auf den Punkt zu bringen: universitas sana in campo sano! Eine eingehende Kommentierung des Campus-Konzepts, insbesondere auch im Kontext der bisherigen Campus-Entwicklung, erfolgte im Redebeitrag der Universitätspräsidentin, der nachfolgend in den zentralen Passagen wiedergegeben ist. ML |
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Universitätspräsidentin Margret Wintermantel bei der Vorstellung der Campus-Planung:
Einen Universitätscampus baulich zu gestalten, ist wahrhaftig keine leichte Aufgabe. Denn der Campus ist ein Ort, der verschiedensten Ansprüchen gerecht werden muss. Den Menschen, die hier studieren und forschen, muss er ein Ort der Lebendigkeit und Kommunikation, gleichzeitig aber auch der Zurückgezogenheit und Kontemplation sein. Für Institutionen wie Bibliotheken, Sammlungen und Archive muss er Beständigkeit und Stabilität garantieren, aber er muss auch die Offenheit und Veränderbarkeit gewährleisten, die eine so auf Innovation und Dynamik angelegte Einrichtung wie eine wissenschaftliche Hochschule braucht. Er muss einladend und bewohnbar sein in Hinsicht etwa auf Wohnheime, Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten, aber er muss auch alle facilities bieten für Forschungseinrichtungen, Laboratorien, An-Institute und Start-up-Firmen. Von zentraler Bedeutung sind seine Erreichbarkeit, ob mit Auto, öffentlichen Verkehrsmitteln oder Fahrrad, ebenso aber seine reizvolle und vor Verkehrsbelastung möglichst geschützte Lage und sein ansprechendes, am besten auch charakteristisches Äußeres: das Ganze ähnelt der Quadratur des Kreises, könnte man meinen, aber vielleicht bietet ja, um im Geometrischen zu bleiben, das "Oval" als zentrale Gestaltungsform des Siegerentwurfes, hier die beste Lösung. Nun muss ja - glücklicherweise - unser Universitätsgelände nicht von Grund auf neu konzipiert werden. Der Campus bietet vielmehr eine existierende Struktur, und sicherlich eine, mit der wir im Großen und Ganzen sehr zufrieden sein können. Da ist zum einen die attraktive und sehr klar profilierte Lage inmitten des Stadtwaldes, aber unweit von Innenstadt, Autobahnanschluss und Flughafen - eine Lage, die gute Erreichbarkeit ebenso bietet wie ein gewisses Maß an Zurückgezogenheit. Da ist zum zweiten die Tatsache, dass der Campus historisch gewachsen ist und deshalb architektonisch statt beengender Reißbrett-Uniformität eine abwechslungs- und spannungsreiche Vielfalt zu bieten hat: Von den Kasernengebäuden der dreißiger Jahre über die klargeformten Funktionsbauten der fünfziger, die material- und massebetonten Komplexe der siebziger bis hin zum Glas-Stahl-Postmodernismus der achtziger und neunziger Jahre, ist dies nicht nur eine in Gebäuden geronnene Geschichte unserer Universität, sondern vor allem ein Forum der reizvollen Widersprüche und produktiven Spannungen, das mir einer auf geistiger Offenheit, Dialog und Disputation angelegten Institution wie der unsrigen sehr angemessen erscheint - gebauter Methodenpluralismus gewissermaßen. Zudem handelt es sich - von den Kasernen einmal abgesehen, deren strenge Struktur aber bis heute das stützende Korsett des ganzen Gebildes abgibt - fast durchweg nicht um x-beliebige, sondern hoch qualitätsvolle Architektur, die hier versammelt ist, und die sich überdies in sehr beachtenswerter Weise mit Kunstwerken verbindet. Ich denke, wir sind uns einig, dass wir mit unserem Campus manche Vorzüge zu bieten haben. Dass vieles auch besser sein könnte, dass vieles besser werden muss, daran besteht sicherlich ebenfalls kein Zweifel. Hier ist noch viel zu tun, und für eben dieses Tun bietet uns die heute präsentierte Rahmenplanung nun die grundlegende Richtschnur. Das Konzept der ARGE Veauthier und Partner hat die Juroren der Lenkungsgruppe überzeugt, und es überzeugt auch mich: Bestechend ist seine Leitidee von der Wiederherstellung der "Universität auf der Lichtung", sehr überzeugend erscheint mir die Begrenzung auf das "Uni-Oval" und die klar konturierte Gliederung von verdichtetem Universitäts-Kern und erweitertem Campus-Gebiet. Wir verstehen uns als Universität in der Mitte Europas, und wir nehmen unsere binationale Gründungsgeschichte, nehmen aber gerade auch die Kasernen-Vergangenheit unseres Campus in besonderer Weise als Ansporn, uns für die deutsch-französischen Beziehungen, für die internationale Verständigung, den internationalen Austausch einzusetzen. Unsere Universität soll auch baulich geprägt sein von einer Struktur der Kommunikation, des Austauschs und der Offenheit: Austausch und Offenheit zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen ebenso wie zwischen den Nationalitäten und Kulturen der hier arbeitenden und lebenden Menschen. Dieses Ziel steht uns vor Augen, und ich sehe uns hier auf einem guten Weg. |