Forschungsprojekt 2018/19: Stand und Entwicklung sowie regionalökonomische Effekte von Existenzgründungen an saarländischen Hochschulen

 

Projektleitung und -durchführung:

Sportökonomie und Sportsoziologie, Sportwissenschaftliches Institut  der Universität des Saarlandes:
Prof. Dr. Eike Emrich, Dr. Freya Gassmann, M.Sc. Michael Koch

Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insb. Technologie- und Innovationsmanagement der Universität des Saarlandes:
Prof. Dr. Sven Heidenreich, M.Sc. Slawka Jordanow, M. Sc. Richard Betzold

Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes/ Business School:
Prof. Dr. Markus Thomas Münter

 

Ziele:

Die Studie verfolgt das Ziel, das Gründungsgeschehen im Saarland, insbesondere jenes im Umfeld der Universität des Saarlandes sowie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Saar, aus einer regional-ökonomischen Perspektive unter Abschätzung der Nutzen sowie der Kosten zu betrachten. Insbesondere sollen die Effekte von Aktivitäten der genannten Bildungsinstitutionen, ihrer angeschlossenen Ausgründungsgesellschaften (KTW und FITT), sowie die Sicht und Bestrebungen von Politik und weiteren Stakeholdern (bspw. IHK) als auch die Beweggründe von (Jung-) Unternehmern, (Neu-) Gründern sowie von jenen, die Selbstständigkeit bewusst nicht wählen, untersucht werden.

 

Projektkurzbeschreibung:

Generell kann in den letzten Jahren ein Rückgang der Gründungen verzeichnet werden. Betrachtet man die Anzahl der 2017 neu gegründeten Unternehmen in Deutschland nach Ländern, zeigen sich erhebliche Unterschiede, die sich jedoch größtenteils durch Merkmale der Länder (sowohl Einwohnerzahl als auch Fläche) erklären lassen. Für das Saarland ergibt sich der vorletzte Platz mit 5.382 neu gegründeten Unternehmen im Jahr 2017 (knapp vor Bremen), wobei diese in der Mehrheit nicht mit den hiesigen Hochschulen in Verbindung stehen.
Sowohl die Universität des Saarlandes (UdS) als auch die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (htw) sind als zentrales Element an der Ausbildung hochqualifizierter Fachkräfte beteiligt. Dass hier ebenfalls Arbeitsplätze geschaffen werden, die dem Verständnis nach eine hohe Qualifikation voraussetzen, eröffnet dem durch strukturellen Wandel geprägten Saarland richtungsweisende Zukunftsperspektiven für eine wirtschaftliche Neuorientierung und bietet qualifizierten Fachkräften ein attraktives Arbeitsumfeld
Die geplante Studie setzt sich zum Ziel, ein tiefgreifendes Verständnis der Mechanismen und der Auswirkungen von erfolgreichen und erfolglosen Gründungen im saarländischen Hochschulbereich aus betriebswirtschaftlicher und volkswirtschaftlicher Sicht näher zu beleuchten.

 

Betriebswirtschaftlicher Focus

Die angestrebte Untersuchung auf betriebswirtschaftlicher Ebene, durchgeführt durch den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Technologie- und Innovationsmanagement, wird in diesem Kontext Transmissionsmechanismen zur Umsetzung von Innovationen betrachten, um dabei Erfolgsfaktoren, aber auch mögliche Fallstricke für Existenzgründer zu identifizieren. Die so generierten Ergebnisse können sodann genutzt werden, um auf Basis wissenschaftlich fundierter Ergebnisse das bereits bestehende Unterstützungsangebot an den jeweiligen Hochschulen zu optimieren und bedarfsabhängig zu erweitern, nämlich:

  • Herausstellung, welche Angebote zur Unterstützung im Gründungsprozess wahrgenommen und besonders nachgefragt werden
  • Identifikation additiver Angebote und Formate für Studierende und Gründer
  • Messung der Effektivität und Effizienz gegenwärtiger Förderungsansätze und -aktivitäten
  • Untersuchen von Hemmnissen und Barrieren von Studierenden, Gründern und Gründungsabbrechern spezifisch für jede der drei Phasen des Gründungsprozesses

 

Volkswirtschaftlicher Fokus:

Im volkswirtschaftlichen Schwerpunkt werden die Auswirkungen auf den volkswirtschaftlichen Wohlstand durch den Arbeitsbereich Sportökonomie und Sportsoziologie untersucht, um somit eine Quantifizierung dieser Mechanismen auf die saarländische Wertschöpfung zu ermöglichen. Der Arbeitsbereich Volkswirtschaftslehre, insbesondere Mikroökonomie an der htw wird sich spezifisch den industrieökonomischen Aspekten widmen und das unternehmerische Handeln der Gründer aus mikroökonomische Perspektive beleuchten. Ungeachtet der arbeitsteiligen Vorgehensweise sind Überschneidungen in den gegenseitigen Arbeitsfeldern möglich und gewünscht, nämlich im Bereich Unternehmen:

  • Welche direkten und indirekten ökonomischen Effekte haben neu gegründete
    Unternehmen für das Saarland bzw. die saarländische Wirtschaft?
  • Welche Eigenschaften haben die Unternehmen?
  • Welche Kooperationen bestehen mit anderen (saarländischen) Unternehmen? Wo haben Partnerunternehmen ihren Sitz?
  • Wie hoch ist die F&E-Intensität (Input und Output) der Unternehmen?
  • Inwieweit werden Unternehmen an den saarländischen Hochschulen ohne und mit die direkter Unterstützung durch die hochschulinternen Institutionen KWT und FITT gegründet?
  • Was bestimmt den Erfolg und die Lebensdauer der neu gegründeten Unternehmen?
  • Welche Qualität hat die Arbeit in Start-Ups (Gute Arbeit)?
  • Wie verhält es sich mit der Mitbestimmung in Start-ups? Werden Betriebsräte gegründet?

 

...im Bereich Unternehmer:

  • Verfügten die Unternehmer über eigenes Startkapital?
  • Welche Personeneigenschaften führen dazu, dass die Gründung eines Unternehmens in Frage kommt?
  • Wie oft und unter welchen Bedingungen kommen in welcher Branche Frauen als Gründerinnen vor?
  • Welchen fachlichen Hintergrund haben die Unternehmer?
  • Was war der Ausschlag für die Unternehmensgründung?
  • Werden Unternehmen vornehmlich alleine oder gemeinsam mit anderen gegründet?
  • Wie wurden bzw. werden die Unternehmer durch das Land unterstützt?

 

Arbeitsschritte im Projekt:

  • Literaturstudie
  • Adressenermittlung der Unternehmen
  • Erfassung von frei zugänglichen Informationen zu den Unternehmen, Homepage, Unternehmensregister, Aktualisierung der Adressdaten
  • Internetrecherche zu den Unternehmen im Umfeld der saarländischen Hochschulen, die nicht durch die KWT und FITT gefördert wurden
  • Erstellung des Leitfadens für die Gruppendiskussion, Durchführung und Auswertung der Diskussion
  • Erstellung eines Fragebogens in Absprache mit den übrigen Projektnehmern
  • Programmierung des Fragebogens, Pretest
  • Durchführung der Online-Befragung
  • Auswertung der Internetrecherche
  • Auswertung der Dokumente
  • Auswertung der Befragungsdaten, Berechnung der ökonomischen Effekte
  • Berichterstattung, Publikationen, Präsentation