Europa-Gastprofessur

Die Europa-Gastprofessur führt einmal im Jahr auf Einladung des Europa-Kollegs CEUS renommierte Europaforscherinnen und -forscher nach Saarbrücken. Die in ihrem Fach ausgewiesenen Wissenschaftler/-innen sollen ihre Expertise in die Lehre sowie in konkrete Forschungsinitiativen des Europa-Schwerpunkts einbringen und die Universität des Saarlandes mit ihren internationalen Fachkreisen nachhaltig vernetzen. Die Studierenden haben so Gelegenheit, für ein Semester bei einem renommierten Gast zu studieren und neue Themen- und Forschungsfelder zum Forschungsgegenstand Europa kennenzulernen. Gleichzeitig wirkt die Gastprofessur mit Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen in den öffentlichen Raum.

Rückblick:

Prof. Dr. Victor Stoichita
(Foto: Giorgia Fiorio)

Europa-Gastprofessor am Europa-Kolleg CEUS im Sommersemester 2019 war Prof. Dr. Victor I. Stoichiță, seit 1991 Professor für Kunstgeschichte der Neuzeit an der Universität Freiburg, Schweiz.

2015 erhielt er die Ehrenmedaille für französische Literatur und Sprache der Académie française für seine autobiografische Erzählung Oublier Bucarest (2014). Er war u. a. Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin und hatte 2017–2018 den European Chair am Collège de France inne. Seine Forschungsschwerpunkte sind visuelle Hermeneutik, die Funktion von Bildern in der westlichen Tradition sowie (insbesondere italienische und spanische) Renaissance- und Barockmalerei.

Im Sommersemester 2019 hat Herr Stoichiță folgende Lehrveranstaltungen an der UdS angeboten:

  • Vorlesung: Das Bild des Anderen. Afrikaner, Juden, Muslime und Zigeuner in der Kunst der frühen Neuzeit.
  • Seminar mit Exkursion: Über die Grenze. Künstlerreisen der frühen Neuzeit.

 

Öffentliche Veranstaltungen der Europa-Gastprofessur im Sommersemester 2019:

Die Eröffnung der Europa-Gastprofessur hat am Mittwoch, 8. Mai 2019 ab 18 Uhr in der Villa Europa (Kohlweg 7, 66123 Saarbrücken) statt gefunden. Herr Stoichita hielt einen Vortrag zum Thema "Europa Regina. Glanz und Elend einer kartografischen Allegorie". Im Anschluss wurde zu einem Umtrunk eingeladen.

Einen Vortrag zum Thema "Das Bild des Sultans: Gentile Bellini malt Mehmed II." hielt Prof. Stoichita am Mittwoch, 3. Juli 2019 um 18 Uhr im Saarlandmuseum - Moderne Galerie, organisiert in Kooperation mit der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz - Saarlandmuseum.

Zu den Veranstaltungen war die interessierte Öffentlichkeit herzlich eingeladen!

Öffentliche Veranstaltungen:

Abschlussveranstaltung zum Thema „Das Bild des Sultans: Gentile Bellini malt Mehmed II.“

Mittwoch, 3. Juli 2019, 18 Uhr, Moderne Galerie des Saarlandmuseums (Bismarckstr. 11-15, 66111 Saarbrücken)

Europa-Gastprofessor Victor Stoichita untersuchte in seinem Vortrag das Portrait des Sultans Mehmed II., gemalt von Gentile Bellini, unter dem Aspekt der „kulturellen Hybridisierung“.

Der Aufenthalt eines der berühmtesten Maler aus Venedig in Istanbul dauerte etwas mehr als ein Jahr (bis Ende 1480 oder Anfang 1481). Schenkt man den Quellen Glauben, so wurde Gentile Bellini mit Gunstbezeugungen von Seiten des Sultans überschüttet. Verschiedene Zeichnungen belegen, dass der Maler mit großer Aufmerksamkeit alles aufnahm, was er in den Straßen von Istanbul an Neuem entdeckte. Wesentliches Ergebnis dieses Aufenthalts war jedoch das Porträt des Sultans, das heute in der National Gallery in London hängt. Hierbei handelt es sich um ein außerordentliches Phänomen von „kultureller Hybridisierung“, das als solches angegangen und untersucht werden muss.

Mehr Infos hier.

Eröffnung der Europa-Gastprofessur

Mittwoch, 8. Mai 2019, 18 Uhr, Villa Europa (Kohlweg 7, 66123 Saarbrücken)

Nach Grußworten von Prof. Dr. Dietmar Hüser (CEUS-Direktorium) und Prof. Dr. Claudia Polzin-Haumann (Vizepräsidentin für Europa und Internationales) hielt Europa-Gastprofessor Herr Stoichita einen Vortrag zum Thema

"Europa Regina. Glanz und Elend einer kartografischen Allegorie"

Das Theatrum Orbis Terrarum von Abraham Ortelius (1. Druck des Atlas 1570 in Antwerpen) gilt als Zusammenfassung des kartografischen Wissens des 16. Jahrhunderts. Auf der Innenseite des Buchdeckels wird die Vorrangstellung Europas programmatisch in Szene gesetzt. Bei der Personifizierung Europas handelt es sich um eine dominante Figur, die auf einem Thron sitzt und mit dem Zepter in der Hand die Welt regiert. Das Theatrum von Ortelius kennzeichnet ein wesentliches Moment in der  Geschichte der Geographie oder besser: in den Reflexionen der Kartographie. Der Vortrag erörterte die Vor- und Nachgeschichte dieses Europabildes.

Im Anschluss wurde zu einem Umtrunk eingeladen.

Die interessierte Öffentlichkeit war herzlich eingeladen.

Lehrveranstaltungen:

Vorlesung: "Das Bild des Anderen. Afrikaner, Juden, Muslime und Zigeuner in der Kunst der frühen Neuzeit"

Europa-Gastprofessor Victor Stoichita

Das „Bild des Anderen“ scheint in der Kunst des Westens kein wesentliches Anliegen gewesen zu sein, vielmehr wurde oft behauptet, dass das Bild des Fremden an den Rand gedrängt und als bloßer umgekehrter Spiegel desselben behandelt wurde. Die Vorlesung möchte diese Ansicht in Frage stellen und unter die Lupe nehmen, wie bedeutende Künstler von Giotto zu Tizian und Caravaggio und von Bosch zu Dürer und Rembrandt das Bild des Anderen gestaltet haben. In einer genauen und detaillierten Untersuchung der bildlichen Darstellung der Andersheit soll gezeigt werden, dass die vielfachen und komplexen Ausgestaltungen der Anderen in der westlichen Kunst die etwas zu einfache Vorstellung des Anderen als Spiegel sprengen. Das Bild der Andersheit zu untersuchen in einer Zeit, in der der visuelle Kanon des Abendlandes sich herausbildet, heißt die wesentlichen Aspekte dieses Kanons neu zu überdenken: Perspektive, bildliche Narration, Komposition und Verherrlichung der Harmonie des menschlichen Körpers, Schönheit, Farbenharmonie und Lichtverhältnisse. Welcher Platz wurde dem Anderen eingeräumt in diesem Paradigma? Angesichts des Ausweichens und sich Entziehens des Anderen war es notwendig, diesen zu “ent-decken”, zu konstruieren und manchmal sogar zu erfinden, um ihn darstellen zu können. Die Vorlesung wird diese Art der Wahrnehmung zu Wort kommen lassen und dabei Erforschung, Konstruktion und Erfindung kombinieren. Die grundlegende Prämisse dabei heißt: Unterschiede existieren, die Andersheit ist ein Konstrukt.

Programm:

Mi, 8. Mai 2019, 10-12 Uhr (Gebäude A4 2, Raum 311.1): Welcher Platz für den „Anderen”?

Mi, 8. Mai 2019, 18-20 Uhr (Villa Europa): Europa Regina. Glanz und Elend einer kartografischen Allegorie (Eröffnung der Europa-Gastprofessur)

Do, 9. Mai 2019, 10-12 Uhr (Gebäude B3 1, Raum 1.15): Schwarz / Weiß

 

Mi, 22. Mai 2019, 10-12 Uhr (Gebäude A4 2, Raum 311.1): Die Erfindung des „Juden”

Do, 23. Mai 2019, 10-12 Uhr (Gebäude B3 1, Raum 1.15): „Der große Türke” 

 

Mi, 3. Juli 2019, 10-12 Uhr (Gebäude A4 2, Raum 311.1): Über die "Zigeuner"

Mi, 3. Juli 2019, 18-20 Uhr (Vortrag im Saarlandmuseum - Moderne Galerie): Das Bild des Sultans: Gentile Bellini malt Mehmed II.

 

Weitere Infos und Anmeldung über LSF.

Seminar mit Exkursion: "Über die Grenze. Künstlerreisen der frühen Neuzeit"

Europa-Gastprofessor Victor Stoichita

Das Seminar behandelte Reiseberichte und Kunstwerke von neuzeitlichen Künstlern anhand von Briefwechseln, Text- und Werkanalysen.

Fr, 10. Mai, 16-19 Uhr, Gebäude B3 1, Hörsaal III (0.12): Einführung

Fr, 24. Mai, 16-19 Uhr, Gebäude B3 1, Hörsaal III (0.12): Dürers Reise(n) nach Italien und in die Niederlande

Fr, 28. Juni (10-18 Uhr): Das Kunstwerk als „Tourist“. Ein Workshop anlässlich der Ausstellung „L’Ombre“, Musée de l’Hermitage, Lausanne (= Exkursion)

Fr, 4. Juli, 16-19 Uhr, Gebäude B3 1, Hörsaal III (0.12): Benvenuto Cellini in Frankreich // Gian Lorenzo Bernini in Paris

Fr, 5. Juli, 16-19 Uhr, Gebäude B3 1, Hörsaal III (0.12): Zwei Künstlerinnen auf „Grand Tour“ : Elisabeth Vigée Le Brun und Angelika Kauffmann

 

Weitere Infos und Anmeldung über LSF.

Rückblick:

Plakat zur Europa-Gastprofessur im Sommersemester 2019
Plakat zur Eröffnung der Europa-Gastprofessur im Sommersemester 2019
Plakat zur Abschlussveranstaltung der Europa-Gastprofessur im Sommersemester 2019