Körper schaffen, Körper begreifen: Wie Rodin zu einem (post-)modernen Bildhauer wurde

Körper schaffen, Körper begreifen: Wie Rodin zu einem (post-)modernen Bildhauer wurde

Dominik Brabant, Kath. Universität Eichstätt-Ingolstadt

Zeit: Mittwoch, 18.12.19, 19 Uhr

Ort: Saarlandmuseum - Moderne Galerie, Vortragssaal

(Bismarckstr. 11-15, 66111 Saabrücken)

Eintritt frei.

Im Rahmen der öffentlichen Vortragsreihe "Rodin/Nauman" und der Ausstellung "Rodin/Nauman" im Saarlandmuseum/Moderne Galerie.

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Inhalt des Vortrags

Auguste Rodins künstlerisches Schaffen lässt sich als kontinuierliche Arbeit an einem genuin modernen Bild vom Menschen und seiner körperlichen Verfasstheit begreifen. Aber doch war der Bildhauer im Verlauf seiner langen Karriere auf Interpreten angewiesen, die die Neuartigkeit seiner Werke einem breiten Publikum zu vermitteln verstanden. Etwa ab den 1880er Jahren waren es zunächst französische Kunstkritiker des Naturalismus und Impressionismus wie z. B. Gustave Geffroy, die den Künstler zum herausragenden Vertreter einer neuartigen Sprache der Bildhauerei stilisierten. Nach 1900 waren es vor allem deutschsprachige Autoren wie der Dichter Rainer Maria Rilke und der soziologisch orientierte Philosoph Georg Simmel, die im Sinne einer emphatisch vorgetragenen lebensphilosophischen Ästhetik nach Aspekten einer Modernisierung des Körperbildes in Rodins Werken suchten. Ab den 1960er Jahren schließlich kam es dann mit den Deutungen des Kunstkritikers und -historikers Leo Steinberg und der Kunsthistorikerin Rosalind Krauss zu einer radikalen Umwertung der Einschätzungen von Rodins Schaffen, die eine Zusammenführung seiner Werke mit Gegenwartskünstlern wie etwa Bruce Nauman gleichsam vorbereitete.

Der Vortrag geht den skizzierten Schlüsselmomenten im Wechselspiel zwischen bildhauerischen Werken und ihren jeweiligen Ausdeutungen nach. Dabei soll deutlich werden, wie Rodins Skulpturen und Plastiken in einer anfangs französischen, dann europäischen und schließlich internationalen Debatte zunächst zu Verkörperungen der Moderne wurden, bevor sie im letzten Drittel des 20. Jahrhundert auch als Vorboten der Postmoderne wahrgenommen wurden.

 

Lebenslauf

Dominik Brabant ist Akademischer Rat an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Studium der Kunstgeschichte, Anglistik und Psychologie an der LMU München. Masterstudiengang "Aisthesis. Historische Kunst- und Literaturdiskurse" in München, Eichstätt-Ingolstadt und Augsburg. 2013 Promotion in Kunstgeschichte an der LMU München ("Rodin-Lektüren. Deutungen und Debatten von der Moderne zur Postmoderne"). Laufendes Habilitationsprojekt an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt zur "Entstehung eines 'sozialanalytischen' Blicks in der europäischen Genremalerei vom 16. bis zum 18. Jahrhundert".