L'appel aux armes: raw war. Krieg als "Entzugserscheinung" bei Rodin und Nauman

L'appel aux armes: raw war. Krieg als "Entzugserscheinung" bei Rodin und Nauman

Prof. Dr. Joachim Rees, Universität des Saarlandes

Zeit: Mittwoch, 08.01.20, 19 Uhr

Ort: Saarlandmuseum - Moderne Galerie, Vortragssaal

(Bismarckstr. 11-15, 66111 Saabrücken)

Eintritt frei.

Im Rahmen der öffentlichen Vortragsreihe "Rodin/Nauman" und der Ausstellung "Rodin/Nauman" im Saarlandmuseum/Moderne Galerie.

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Inhalt des Vortrags

Die Frage, wie sich Auguste Rodin und Bruce Nauman zu kollektiven Gewalterfahrungen verhalten (haben), scheint auf den ersten Blick nur Randaspekte ihrer künstlerischen Arbeit zu betreffen. Keinen von beiden würde man vorbehaltlos einen artiste engagé nennen wollen, dessen Schaffen unmittelbar Stellung bezöge zu kriegerischen Konflikten ihrer Gegenwart oder zur Entgrenzung militärischer Gewalt als einer Grunderfahrung der Moderne. Der Vortrag setzt bei diesem vordergründigen "Entzug" der Kriegsthematik ein und versucht durch zwei Zeitsonden zu einer differenzierteren Betrachtung zu gelangen: 1879 beteiligt sich Rodin – erfolglos – am Wettbewerb zur Errichtung eines Monuments zur Verteidigung von Paris während des Deutsch-Französischen Krieges. Der Entwurf wird in veränderter Form erst 1920 in Verdun als öffentliches Monument realisiert – nunmehr im Gedenken an den Ersten Weltkrieg. 1968 beginnt Bruce Nauman – in zeitlicher Parallelität zum Vietnam-Krieg – grafisch den Zeichencharakter der Worte "war" und "raw" zu erkunden; eine semiotische Recherche, die 1970 in ein gleichnamiges Neon mündet. Im Abstand eines Jahrhunderts zeigen sich nicht nur Brüche im Verhältnis von Kunst, kollektiver Erinnerung, Öffentlichkeit und Politik, sondern auch Problemtraditionen: Rodins Monument antizipiert die Erschöpfung, welche die Moderne ihren in permanente Alarmbereitschaft versetzten Zeitgenossen zumuten wird. Nauman antwortet mit einem lakonischen Signal des zur Routine gewordenen Ausnahmezustands.

 

Lebenslauf

Joachim Rees ist Professor für Kunstgeschichte an der Universität des Saarlandes. Studium der Kunstgeschichte, Neueren Geschichte und Archäologie an der Universität Köln und dem Courtauld Institute of Art, London. 1997 Promotion an der Universität Köln mit einer Dissertation über Comte de Caylus (1692-1765). 2011 Habilitation ("Die verzeichnete Fremde. Studien zu Formen und Funktionen des Zeichnens im Kontext europäischer Forschungsreisen 1770-1830"), seit April 2012 Projektleiter in der DFG-Forschergruppe "Transkulturelle Verhandlungsräume von Kunst" am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität Berlin, 2016-2019 Professur für Kunstgeschichte der Frühen Neuzeit und Frühmoderne in transkultureller Perspektive am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität Berlin.