Prof. Dr. Paula Diehl

"Populismus und Massenmedien"

Zeit: 19.05.2021, 18-20 Uhr

Wie erklärt sich, dass der Populismus so viel Aufmerksamkeit in den Massenmedien bekommt, und welche Konsequenzen hat dies für die Demokratie? Und was sind die Folgen? 

Ein wichtiger und doch weniger beachteter Faktor für den Erfolg des Populismus liegt in seiner Medienkompatibilität. Wer populistisch agiert inszeniert sich als schrille Gestalt, bricht mit Tabus und produziert Skandale. Populismus weckt Emotionen und dramatisiert Zusammenhänge, die zugleich als Schwarz-Weiß-Malerei präsentiert werden. Dadurch haben politische Akteure, die sich des Populismus bedienen, höhere Chancen, Medienaufmerksamkeit zu erzeugen. Es geht hier um eine systemische Begünstigung der populistischen Logik durch die Massenmedien. Dies kann auch im Fall des Rechtspopulismus beobachtet werden. 

Rechtspopulismus ist eine Kombination aus Populismus und rechtsextremistischen Ideologien. Daher trägt der Rechtspopulismus ideologische Elemente, die rechtsextremistisch und antidemokratisch sind. Wenn sich aber Populismus und Rechtsextremismus in Form von Rechtspopulismus treffen, können rechtsextremistische Ideologeme in die massenmediale Öffentlichkeit gelangen und den demokratischen Rahmen der politischen Auseinandersetzung unterwandern. Populismus dient dann als Brücke zwischen rechtsextremistischen Positionen und der demokratischen Öffentlichkeit. Die systemische Begünstigung des Populismus in den Massenmedien führt dazu, dass rechtsradikale Ideologien immer öfters transportiert werden. Die Gefahr dabei ist, dass die rechtsextremistischen Positionen normalisiert werden und dass man sich daran gewöhnt. Findet dies statt, hört die Demokratie auf, demokratisch zu sein. 

 

Paula Diehl ist Professorin für Politische Theorie, Ideengeschichte und Politische Kultur an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und assoziierte Professorin von Sciences Po in Paris. Unter anderen war sie Gastprofessorin an der Washington University (St. Louis), Sciences Po (Paris), École des Hautes Études, and Institute for Advanced Studies (Bologna). Ihre Forschungsschwerpunkte sind Demokratietheorie, Populismus, Politische Inszenierung und politische Repräsentation. 

Zuletzt erschienen: 

Paula Diehl: Populismus; in: H. Oberreuter u.a. (Hrsg.): Staatslexikon der Görries-Gesellschaft, Herder Verlag, Freiburg 2020. 

Paula Diehl (Hrsg.): Politische Kulturforschung Reloaded. Transcript Verlag, Bielefeld (mit Wolfgang Bergem und Hans Lietzmann) 2019 

Paula Diehl: The Populist Twist. The Relationship Between the Leader and the People in Populism; In: Johannes Pollak/ Dario Castiglione (ed.): Making Present. Theorizing the new Politics of Representation, University of Chicago Press (110-137).