Herzlich Willkommen auf der Webseite der Professur für Historische Anthropologie/Europäische Ethnologie

Die Professur für Historische Anthropologie/Europäische Ethnologie widmet sich den Grundbedürfnissen und Grundbefindlichkeiten des Menschen in Geschichte und Gegenwart. Sie vereint somit Fragestellungen, Perspektiven und Methoden zweier Disziplinen. Die Historische Anthropologie wird gemeinhin den Geschichtswissenschaften zugeordnet, arbeitet jedoch mit transdisziplinären Ansätzen. Die Europäische Ethnologie steht in der Tradition einer Volkskunde, die seit den 1970er Jahren auch als Kulturanthropologie, Empirische oder Vergleichende Kulturwissenschaft firmiert. Mit zahlreichen Vereinen und Initiativen von – teils gut informierten – Heimatforscher*innen und Laienvolkskundler*innen teilt die Historische Anthropologie/Europäische Ethnologie zwar einzelne Erkenntnisinteressen, sie folgt aber strikten wissenschaftlichen Kriterien (Theorie, Methodik, Quellenanalyse etc.).

Im Zentrum historisch-anthropologischer Forschung stehen die Menschen als Subjekte – und damit die Gestaltung, Wahrnehmung und Deutung ihres alltäglichen Lebens in verschiedenen Jahrhunderten. Das Themenspektrum ist breit (z.B. Kulturgeschichte der Ernährung, Umgang mit dem Tod, Konflikt- und Streitkultur). Methodisch bevorzugt das Fach mikrohistorische Ansätze. Diese Perspektive gewann in den deutschsprachigen Geschichtswissenschaften seit den 1980er Jahren vermehrt an Bedeutung und bezog einen Teil ihrer Fragestellungen aus der Auseinandersetzung mit ethnologischen Forschungskonzepten sowie Arbeiten der historischen Volkskunde. Insofern verfügen Historische Anthropologie und Europäische Ethnologie über inhaltliche Schnittmengen, unterscheiden sich jedoch teils hinsichtlich ihrer Themenfelder, ihres Untersuchungszeitraumes und – daraus resultierend – auch in ihrem methodischen Vorgehen.

Die Europäische Ethnologie verfolgt zwar auch historische Fragestellungen, hat jedoch seit gut 25 Jahren einen Schwerpunkt in der Gegenwartsforschung; ihr Untersuchungsraum ist Europa. In ihren Gegenwartsforschungen steht sie der Soziologie und Ethnologie nahe. Sie bevorzugt qualitative Forschungsmethoden wie z.B. die teilnehmende Beobachtung, leitfadengestützte und narrative Interviews. Ihre Ethnografien verstehen sich als dichte Beschreibungen alltagskultureller Phänomene.

Das Studium der Historischen Anthropologie/Europäischen Ethnologie dient primär der wissenschaftlichen Qualifikation. Als zentrale Lehrveranstaltung ist hier das Projektseminar zu nennen, in dem Studierende überschaubare Themenstellungen entlang klarer Fragestellungen unter Anleitung selbstständig forschend bearbeiten. Es werden aber auch anwendungsorientierte Elemente in das Lehrangebot integriert: So stehen nicht zuletzt Kompetenzen im Fokus, die im Kulturbetrieb Anwendung finden, etwa die Übersetzung wissenschaftlicher Befunde in allgemein verständliche Formen und Sprache – bspw. für populäre Medien oder im Rahmen musealer Ausstellungen.