"Der beste Stuhl ist der, auf dem man nicht sitzt"

Eduard Schmitt ist Leiter der Aktion Kid-Check. Foto: Kid-Check/Bellhäuser


Dynamische Stühle sind gesund. Das haben Wissenschaftler der Saar-Uni gemeinsam mit Experten der Hochwaldklinik für Orthopädie in Weiskirchen im Rahmen der Aktion Kid-Check herausgefunden. Bei der Studie, die seit 1999 läuft, untersuchten die Wissenschaftler unter anderem Sitzmöbel in einer Schule.
 
von Irina Urig
 
Nackenverspannungen, Rückenschmerzen und Bandscheiben-Probleme sind einige der Beschwerden, die bei langem Sitzen auftreten können. Schon Kinder und Jugendliche verbringen zehn Stunden pro Tag auf einem Stuhl, Erwachsene, die im Büro arbeiten, noch etwas mehr. Oft sind an den Beschwerden auch die Möbel schuld. „Kinder wie Erwachsene sitzen auf zu starren und an die Körpergröße nicht angepassten Stühlen. Dadurch verkürzt sich die Hüft-Beuge-Muskulatur. Es kommt unter anderem zum Rundrücken und die Schulterblätter stehen heraus wie Engelsflügel“, so Professor Eduard Schmitt von der Orthopädischen Universitätsklinik in Homburg.

Er empfiehlt deshalb für die Schule und fürs Büro bewegliche, stufenlos höhenverstellbare Stühle, deren Sitzfläche und Rückenlehne nachgeben. „So müssen die Muskeln die Haltung ständig korrigieren. Durch die Bewegung werden Muskeln und Gehirn besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Das fördert Konzentration und Denkvermögen“, erklärt Eudard Schmitt.

Den Beweis für die positiven Effekte von Dynamikstühlen lieferte eine Untersuchung von 20 Schülern einer achten Klasse des Gymnasiums am Krebsberg in Neunkirchen. Die Forscher der Kid-Check-Studie maßen mit Hilfe einer Wärmebild-Kamera die Körpertemperatur der Jugendlichen. Die Raumtemperatur betrug 23 Grad Celsius, die Oberkörper-Temperatur der Schüler schwankte zwischen 33,3 und 34,5 Grad. Danach absolvierten die Schüler auf ihren herkömmlichen, unbeweglichen Holzstühlen eine Schulstunde mit Lesen, Schreiben und Zuhören. Nach den 45 Minuten stellten die Wissenschaftler fest, dass die Oberkörper-Temperatur bei den meisten Jugendlichen gesunken war. In den nächsten beiden Schulstunden blieb die Hälfte der Schüler auf den unbeweglichen Stühlen sitzen, die andere Hälfte nahm auf stufenlos höhenverstellbaren Roll-Drehstühlen mit beweglichen Sitzflächen und Lehnen Platz. Nach den beiden Stunden war bei den Schülern auf den beweglichen Stühlen die Oberkörper-Temperatur wieder angestiegen – ein Beweis dafür, dass die Muskulatur besser durchblutet wurde.

Menschen, die viel sitzen, empfiehlt Professor Schmitt Sport und frische Luft. Aber auch im Büro könne man einiges tun, wie zwischendurch aufstehen und sich dehnen: „In vielen Büros gibt es Stehpulte. Das sollten die Mitarbeiter nutzen, denn: Der beste Stuhl ist immer noch der, auf dem man nicht sitzt.“

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