02/06/2020

Wirtschaft unterstützt ingenieurwissenschaftliche Professuren an der Universität

Durch die finanzielle Unterstützung des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes (ME Saar) und der Industrie- und Handelskammer (IHK Saarland) werden zwei Professuren in der Fachrichtung Systems Engineering der Ingenieurwissenschaften der Universität des Saarlandes ermöglicht. Von links nach rechts: Dr. Heino Klingen, Hauptgeschäftsführer der IHK Saarland, Juniorprofessor Dr. Gianluca Rizzello, Universitätspräsident Prof. Dr. Manfred Schmitt, Prof. Dr. Kathrin Flaßkamp, Martin Schlechter, Hauptgeschäftsführer des ME Saar
© Oliver DietzeDurch die finanzielle Unterstützung des Verbandes der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes (ME Saar) und der Industrie- und Handelskammer (IHK Saarland) werden zwei Professuren in der Fachrichtung Systems Engineering der Ingenieurwissenschaften der Universität des Saarlandes ermöglicht. Von links nach rechts: Dr. Heino Klingen, Hauptgeschäftsführer der IHK Saarland, Juniorprofessor Dr. Gianluca Rizzello, Universitätspräsident Prof. Dr. Manfred Schmitt, Prof. Dr. Kathrin Flaßkamp, Martin Schlechter, Hauptgeschäftsführer des ME Saar

Die Ingenieurwissenschaften an der Universität werden durch zwei wichtige Neuzugänge verstärkt. Mit Kathrin Flaßkamp und Gianluca Rizello haben die erste Professorin und der erste Juniorprofessor in der Fachrichtung Systems Engineering zum Jahresbeginn ihren Dienst angetreten. An diesem Donnerstag wurden sie von Universitätspräsident Manfred Schmitt sowie den Geschäftsführern der Wirtschaftsvereinigungen ME Saar und IHK, Martin Schlechter und Dr. Heino Klingen, feierlich begrüßt.

Die Professuren sind durch die finanzielle Unterstützung des Verbands der Metall- und Elektroindustrie des Saarlandes (ME Saar) und der Industrie- und Handelskammer (IHK Saarland) ermöglicht worden. Beide Verbände haben bereits 2016 für die Finanzierung der Lehre in der Fachrichtung Systems Engineering ein Budget von 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, 1,25 Millionen Euro von ME Saar, 250 000 Euro von der IHK.  Mit dieser Unterstützung setzen sie ihr stetiges Engagement fort, dem Fachkräftemangel in den saarländischen Industrieunternehmen zu begegnen.

Um den Struktur- und Technologiewandel im Saarland zu bewältigen, brauchen die modernen Industrieunternehmen im Land neben qualifizierten Fachkräften in der Produktion auch Spezialisten auf Planungs- und Leitungsebene. Diese Aufgabe wird in den Betrieben klassischerweise von universitär ausgebildeten Ingenieurinnen und Ingenieuren ausgeführt. Hier setzt die Förderung von ME Saar und IHK an, um über die Unterstützung zusätzlicher Professuren die Versorgung saarländische Unternehmen mit entsprechend hochqualifizierten Fachpersonal auch künftig sicherzustellen.

Professorin Kathrin Flaßkamp sowie Juniorprofessor Gianluca Rizzello haben im Januar 2020 ihren Dienst an der Universität des Saarlandes aufgenommen. Beide Berufungen sind von ihrer wissenschaftlichen Ausrichtung eine Bereicherung und Stärkung der universitären Ingenieurwissenschaften: Es konnte für die Fachrichtung Systems Engineering erstmals ein Juniorprofessor und ebenfalls zum ersten Mal eine Professorin gewonnen werden. Die Hochschulleitung verfolgt konsequent die Berufung von exzellenten Wissenschaftlerinnen an ihren Standort. Kathrin Flaßkamp ist ein Vorbild für Studierende und den wissenschaftlichen Nachwuchs, die auch eine Spitzenposition in Wirtschaft oder Wissenschaft innehaben wollen. Insbesondere junge Frauen sollen dabei gestärkt werden, sich für ein ingenieurwissenschaftliches Studium zu entscheiden.
Diese Professur wird außerdem durch das Professorinnenprogramm von Bund und Land kofinanziert. Die Saar-Universität hat dieses Programm als strukturelle Maßnahme genutzt und die Berufungen gezielt mit ihrer Entwicklungsplanung synchronisiert.

Dr. Kathrin Flaßkamp, Professorin für Modellierung und Simulation und erste Inhaberin eines ingenieurwissenschaftlichen Lehrstuhls an der Universität des Saarlandes überhaupt, ist Spezialistin für die Optimierung technischer Systeme. „Schon im Design technischer Systeme gibt es viel Optimierungspotenzial, das nur mithilfe modellbasierter Vorhersage, also mittels computergestützter Simulationen, ausgeschöpft werden kann. Eine Modellierung des Systems ist daher der erste wesentliche Schritt“, erläutert die Ingenieurwissenschaftlerin. Darüber hinaus will sie auch das Verhalten des Systems während des Betriebs optimal beeinflussen. Zur Attraktivität des Bachelor- und Masterstudiengangs Systems Engineering wird sie durch neue Vorlesungen zu modernen Modellierungs- und computergestützten Simulationsverfahren beitragen. Auch in der Öffentlichkeitsarbeit der Fachrichtung ist sie bereits aktiv und organisiert im Sommersemester eine öffentliche Ringvorlesung zum Thema „Modellierung und computergestützte Simulation: grundlegende Werkzeuge der Ingenieurwissenschaften“. Sie und ihre Kollegen wollen damit Ingenieurinnen und Ingenieure aus der Wirtschaft ebenso ansprechen wie Studieninteressierte.

Dr. Gianluca Rizzello, Juniorprofessor für Adaptive polymerbasierte Systeme, forscht auf den Gebieten polymerbasierter, sogenannter weicher, Aktorik und Sensorik, Wearable und Soft Robotics und Mikroaktoren. Dabei geht es darum, bisher starre technisch Bauteile wie zum Beispiel einen Roboterarm oder einen Sensor durch einen Verbundwerkstoff (Polymer) so zu konstruieren, dass sie flexibel werden, im Fall des Roboterarms zum Beispiel ähnlich wie der Arm eines Oktopus. „Es gibt sehr viele neue Anwendungsfelder für solche Bauteile“, sagt Gianluca Rizzello, der nach seiner Promotion im italienischen Bari 2016 an die Universität des Saarlandes kam. So könnten etwa auch hauchdünne, elastische Sensoren die Bewegungen beim Gehen messen und gleichzeitig Energie gewinnen – der Mensch wäre somit sein eigenes Mini-Kraftwerk. Im Zentrum von Gianluca Rizzellos Forschung wird vor allem die Entwicklung intelligenter Algorithmen stehen, um solchen Verbundwerkstoffen das gewünschte Verhalten anzutrainieren. „Solche polymerbasierten Komponenten mit künstlicher Intelligenz zu steuern, ist sehr viel schwieriger als bei herkömmlichen mechatronischen Systemen“, erklärt der Ingenieur. Daher ist besonders die Erforschung der physikalischen Eigenschaften wichtig, die dem Verhalten der Polymere zugrunde liegen. Versteht man diese besser, können Forscher wie Gianluca Rizzello auch passgenauere Algorithmen zur Steuerung entwerfen.

Der Präsident der Universität, Prof. Dr. Manfred Schmitt, ist hoch erfreut über die erfolgreichen Neuberufungen und die damit verbundene, signifikante Stärkung der universitären Ingenieurwissenschaften: „Dank eines großartigen Schulterschlusses und einer großzügigen finanziellen Unterstützung durch ME Saar und IHK ist uns gemeinsam eine überaus erfolgreiche Neuausrichtung der universitären Ingenieurwissenschaften gelungen, so dass sich der zukunftsweisende Bereich des Systems Engineering prächtig weiterentwickelt und in eine erfolgreiche Zukunft blicken kann. Dies freut mich umso mehr, da noch vor wenigen Jahren fraglich war, ob die Ingenieurwissenschaften an der Universität eine Zukunft haben. Diese Frage ist nunmehr eindeutig mit einem ‚Ja‘ geklärt und beantwortet.“

ME-Saar-Hauptgeschäftsführer Martin Schlechter betonte anlässlich der Begrüßung, wie wichtig die Ingenieurwissenschaften für die saarländische Industrie sind. „Damit das Saarland auch morgen noch ein exzellenter Produktionsstandort ist, müssen wir uns im Wettbewerb der Regionen behaupten. Gleichzeitig wird die Produktion zunehmend komplexer und braucht immer mehr hochqualifizierte Mitarbeiter. Deshalb ist es wichtig, dass wir die künftigen Fachkräfte hier im Land ausbilden.“

IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Heino Klingen: „Unsere Wirtschaft lebt von ihrer Ingenieurkunst. Gerade in den Kernbranchen unserer Industrie ist der Erfindergeist der Schlüssel zum Erfolg auf den Weltmärkten. Doch das Saarland wird bei Zukunftsthemen wie Industrie 4.0, Robotik, 3D-Druck oder beim autonomen Fahren nur punkten können, wenn die Unternehmen genug qualifizierte Ingenieure finden. Wer die Innovationskraft unserer Industrie stärken will, muss deshalb zuallererst die Ingenieurausbildung an unseren Hochschulen stärken. Dies ist in der Fachrichtung Systems Engineering nicht zuletzt durch die finanzielle Unterstützung von IHK und ME Saar hervorragend gelungen.“

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Kathrin Flaßkamp
Tel.: (0681) 302-3769
E-Mail: kathrin.flasskamp(at)uni-saarland.de

Jun.-Prof. Dr. Gianluca Rizzello
Tel.: (0681) 71358
E-Mail: gianluca.rizzello(at)imsl.uni-saarland.de    

ME Saar:
Joachim Wollschläger
Tel.: (0681) 9543428
Mobil: (0172) 6859656
E-Mail: wollschlaeger@mesaar.de