Monday, 10. December 2018

In Memoriam: Alt-Rektor Professor Hellmuth Sitte verstorben

Die Universität des Saarlandes trauert um ihren Altrektor und emeritierten Professor für Allgemeine Biologie Dr. Hellmuth Sitte, der sieben Monate nach seinem 90. Geburtstag am 6. Dezember in Innsbruck verstorben ist. Er war der Universität des Saarlandes seit über 50 Jahren eng verbunden und agierte vor der Einführung der Präsidialverfassung von 1969 bis 1973 als letzter Rektor.

Als Sohn eines an der Innsbrucker Universität wirkenden Professors für Klassische Archäologie 1928 geboren, wurde Hellmuth Sitte noch in den letzten Kriegsmonaten als 16-Jähriger zur Wehrmacht eingezogen und erlitt schwere Verwundungen, die zur Amputation des rechten Beins zwangen. Als junger Wissenschaftler wandte er sich in seinem umfassenden Studium der Naturwissenschaften bald der Elektronenmikroskopie zu sowie der Entwicklung von Ultramikrotomen, mit denen sich extrem dünne Schnittpräparate herstellen lassen. Gemeinsam mit seinem Bruder trug er wesentlich zur Etablierung der Ultrastrukturforschung in Europa bei. Mehrere ehrenvolle Berufungen – unter anderem einen Ruf an die Harvard-Universität – lehnte er bereits in jungen Jahren ab.

Der Heidelberger Habilitation im Fach „Zellenlehre und Elektronenmikroskopie“ folgte 1963 der Wechsel nach Homburg, wo er die „Elektronenmikroskopische Abteilung“ der Medizinischen Fakultät der Universität des Saarlandes leitete. 1964 zum Abteilungsvorsteher ernannt, erhielt er im Sommer 1966 einen Ruf der Österreichischen Akademie der Wissenschaften als Direktor der Abteilung für Elektronenmikroskopie am Institut für Molekularbiologie in Wien. Im Zuge der Rufabwehr übernahm er im September 1966 das Homburger Ordinariat für „Cytologie und Elektronenmikroskopie“, das 1972 in „Allgemeine Biologie für Mediziner“ umbenannt wurde. Trotz zahlreicher Angebote hielt er der Universität des Saarlandes stets die Treue und wirkte bis zu seiner Emeritierung Ende September 1996 auf dem Homburger Campus. Als außerordentlich engagierter und beliebter akademischer Lehrer begleitete er Generationen von Studierenden. Sein wissenschaftliches Oeuvre umfasst rund 100 Publikationen und weit über 200 Patente aus dem Bereich der Ultramikrotomie und der Tieftemperaturtechnik.

Als letzter Rektor vor Einführung der Präsidialverfassung leitete er zwischen 1969 und 1973 die Universität des Saarlandes in der angespannten Atmosphäre des hochschulpolitischen Umbruchs und bemühte sich in außerordentlicher Weise um Konsens bei den schwierigen Beratungen der damaligen Universitätsgesetze und der Universitätsverfassung. Für die damalige Zeit einzigartig wurde die Universitätsverfassung mit einem außergewöhnlich breiten Quorum verabschiedet. Nach dem Rektorat wirkte er lange als Vertrauensdozent der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Der Träger des Saarländischen und Luxemburgischen Verdienstordens wurde 1993 zum Ehrenmitglied der ehrwürdigen Royal Microscopical Society in Oxford ernannt und gehörte zahlreichen wissenschaftlichen Gesellschaften an. 2016 hat er persönliche Impressionen unter dem Titel „Was wirklich zählt – Gedanken eines unverbesserlichen Optimisten“ veröffentlicht.

Die Universität des Saarlandes gedenkt ihres verstorbenen Altrektors in tiefer Trauer und wird sich stets in Dankbarkeit seines vielfältigen verdienstvollen Wirkens auf dem Homburger und Saarbrücker Campus erinnern.

Ein Foto von Prof. Dr. Hellmuth Sitte steht zum Download bereit unter:
www.uni-saarland.de/pressefotos

Weitere Informationen erteilt:
Dr. Wolfgang Müller
Archiv der Universität des Saarlandes
E-Mail: w.mueller@univw.uni-saarland.de
Telefon: 0681 302-2699