Wednesday, 16. January 2019

Interregionaler Wissenschaftspreis für grenzüberschreitende Diagnose-Forschung zu Parkinson

Professor Andreas Keller (links) und Professor Reijko Krüger (rechts) bei der Preisverleihung. Foto: Axel Kohlhass

Wie kann die Parkinson-Krankheit frühzeitig erkannt werden? Ein Forscher-Team der Universität Luxemburg und der Universität des Saarlandes sucht darauf Antworten und hat dafür einen von der SaarLB gestiften Preis im Wettbewerb „Exzellenznetze in der Großregion“ erhalten. Die Jury des interregionalen Wissenschaftspreises zeichnet damit ein grenzüberschreitendes Forschungsprojekt aus, in dem so genannte Biomarker entwickelt werden, die frühzeitig auf eine Parkinson-Krankheit hinweisen. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wurde jetzt in Luxemburg überreicht.

In dem ausgezeichneten Forschungsprojekt verbindet sich grenzüberschreitendes Spezialwissen aus unterschiedlichen Disziplinen. Saarländischer Partner ist das Team um Andreas Keller, Professor für Klinische Bioinformatik an der Universität des Saarlandes. Profesor Rejko Krüger leitet ein Forschungsteam am Luxembourg Center of Systems Biomedicine der Universität Luxemburg. Er führt gemeinsam mit weiteren Instituten die luxemburgische Parkinson-Studie „NCER-PD“ durch, bei der über lange Zeiträume hinweg Gewebeproben und Daten von Parkinson-Patienten sowie gesunden Vergleichsproben gesammelt und ausgewertet werden. Ziel ist es, die Früherkennung von Parkinson und die Behandlung der betroffenen Menschen zu verbessern.

Das Team um Bioinformatiker Andreas Keller will im Blut vorkommende Moleküle – die Biomarker – nutzen, um Krankheiten möglichst frühzeitig diagnostizieren zu können. „Gut geeignet dafür sind micro-RNAs“, sagt Keller: „Das sind kurze Abschnitte spezifischer Moleküle, die bei der Steuerung der Gene eine wichtige Rolle spielen.“ Der Anteil unterschiedlicher micro-RNAs im Blut ist abhängig vom Gesundheitsstatus eines Menschen. Letzteren kennen die Luxemburger Forscher in Bezug auf die Entwicklung der Parkinson-Krankheit sehr genau. „Wir nehmen von unseren Patienten im Rahmen der jährlichen Studien-Untersuchung regelmäßig Blutproben, die auch auf den Gehalt an micro-RNAs hin untersucht werden können“, sagt Krüger: „Bislang gibt es jedoch noch keinen Biomarker der Auskunft über den Erkrankungszustand geben kann.“

Hier kommt Kellers Expertise ins Spiel: „Als klinische Bioinformatiker haben wir bereits für andere Krankheiten wie Krebs spezielle Computer-Programme entwickelt. Mit ihnen können wir diejenigen micro-RNAs aus der großen Gesamtmenge identifizieren, die das Aufkommen der Krankheit tatsächlich sicher anzeigen – und die deshalb diagnostisch von Bedeutung sein können.“

Genau diesen Ansatz haben sie jetzt im Rahmen der deutsch-luxemburgischen Zusammenarbeit auf die Parkinson-Krankheit übertragen – und können erste Erfolge nachweisen, so Andreas Keller: „Wir haben bereits einige vielversprechende micro-RNAs am Computer identifizieren können. Die weiteren Berechnungen werden den Kreis der möglichen Moleküle weiter verengen, die dann später tatsächlich als Biomarker in der klinischen Diagnostik zum Einsatz kommen können. Die entsprechenden Veröffentlichungen dazu stehen kurz bevor.“

„Wir freuen uns sehr, dass unser neuer interdisziplinärer Ansatz zur Entwicklung von Biomarkern für die Frühdiagnose bei Parkinson und die von uns nachgewiesene Machbarkeit mit dem interregionalen Wissenschaftspreis ausgezeichnet werden“, sagt Rejko Krüger. „Wir werden nun weiter intensiv daran arbeiten, dass unsere Forschung den Menschen in Klinik und ärztlicher Praxis schnellstmöglich zu Gute kommt.“

Der interregionale Wissenschaftspreis ist 2003 mit dem Ziel ausgelobt worden, die wissenschaftliche Zusammenarbeit und Vernetzung des Wissenschaftsraums Saar, Lothringen, Luxemburg, Rheinland-Pfalz, Wallonie sowie der französisch- und deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens nach innen wie nach außen zu würdigen und zu verstärken. Er wird alle zwei Jahre im Rahmen der Ministerkonferenz der Großregion vergeben.

 

Der Hauptpreisträger des interregionalen Wissenschaftspreis ist diesmal das Magnetismus-Netzwerk, an dem Physik-Professor Uwe Hartmann von der Universität des Saarlandes beteiligt ist. Hier die weitere Pressemitteilung dazu.

Pressefoto unter: www.uni-saarland.de/pressefotos


Weitere Informationen:  www.ccb.uni-saarland.de und  www.chl.lu/fr/docteur-kruger-rejko


Fragen beantwortet:

Prof. Dr. Andreas Keller
Lehrstuhl für Klinische Bioinformatik
Tel. 0681 302 68611
Mail: andreas.keller(at)ccb.uni-saarland.de


Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-Codec (IP-Verbindung mit Direktanwahl oder über ARD-Sternpunkt 106813020001). Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681 302-3610) richten.