09/17/2020

Saar-Uni veranstaltet Online-Tagung über die Aufklärung und ihre „vergessenen Debatten“

Was ist Aufklärung? Und wie wurden der Begriff und seine Wirkung bis in die Gegenwart transportiert? – Mit diesen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich die Online-Tagung „Kampfbegriff ‚Aufklärung‘ – Intellektuelle Strategien und transkulturelle Kontroversen“. Sie wird vom 30. September bis 2. Oktober 2020 von der Arbeitsgruppe „(Europäische) Aufklärung(en)“ der Universität des Saarlandes veranstaltet.

An der interdisziplinären Konferenz nehmen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Europa, Afrika und Asien teil. Sie findet über den Videokonferenzdienst Zoom statt und steht allen Interessierten offen.

Der Begriff der Aufklärung ist mit dem 18. Jahrhundert verbunden und gilt als wesentliche Errungenschaft der europäischen Geschichte. Bis heute werden die Idee der Aufklärung und die mit ihr verbundene Sprache und Metaphorik dazu eingesetzt, um bestimmte Konzepte und Praktiken durchzusetzen oder sie zu bekämpfen. Dabei scheint die Frage, was Aufklärung eigentlich ist, heute aktueller denn je. Mit diesem Thema und den „vergessenen Debatten der Aufklärung“ beschäftigen sich internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen bei der dreitägigen Online-Tagung „Kampfbegriff ‚Aufklärung‘“. Die fünf Tagungspanels beleuchten die Aufklärung dabei aus literaturwissenschaftlicher, theologischer, historischer, medientheoretischer sowie aus kulturwissenschaftlicher Perspektive.

„Gerade weil die Aufklärung meist mit der europäischen Identität verbunden wird, ist zu fragen, ob und wie sie sich mit anderen Kulturen zusammenbringen lässt“, erklärt Prof. Anne Conrad die interkulturelle Komponente der Tagung. „Und bewirkt nicht gerade die Betonung der europäischen Tradition eine Diskriminierung aller anderen, wie sie sich damals wie heute beispielsweise in kolonialistischem Gedankengut zeigt?“, fragt die Saarbrücker Theologie-Professorin, die die Tagung gemeinsam mit Prof. Stephanie Catani und Dr. Johannes Birgfeld organisiert. Dabei werde seit dem 18. Jahrhundert bis heute die Frage nach der „wahren Aufklärung“ gestellt, also: Welches sind die wahren Werte, wohin sollen sich die Menschen entwickeln – und wer setzt die Normen?

Dass der Begriff der Aufklärung und seine Konsequenzen keineswegs eindeutig sind, soll auch der Tagungstitel „Kampfbegriff ‚Aufklärung‘“ deutlich machen; thematisiert wird dies in verschiedenen Bereichen, beispielsweise Bildung, religiöse Konzepte, Kolonialismus und Postkolonialismus. Demnach werden auch die „Schattenseiten“ und „verdrängten Geschichten“ der Aufklärung untersucht, erläutert Anne Conrad. „Neben den diskriminierenden Entwicklungen, die mit der Aufklärung einhergingen – beispielsweise wurde die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen gerne betont –  , gehört dazu auch die Frage, ob es nicht auch Dimensionen gibt, die dem Menschen nicht durch Erziehung zugänglich sind und die er nicht selber in der Hand hat.“

Ein weiterer Tagungsschwerpunkt ist die Historie des Aufklärungsbegriffs und seine Wirkung bis hinein in die politische und mediale Gegenwart. „Aufklärung als diffuse Metapher boomt“, ist Stephanie Catani, Professorin für Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Medienwissenschaft, überzeugt. Diese Reaktualisierung der Aufklärung als Kampfbegriff im öffentlich-medialen Diskurs geht einher mit Prozessen der Instrumentalisierung und der Popularisierung – häufig zu Lasten seiner historischen Bedeutung. Insofern will die Tagung auch eine Brücke zu einem Gegenwartsdiskurs schlagen, der die Mündigkeit des Menschen im 21. Jahrhundert neu verhandelt.

Link zum Tagungsprogramm mit allen Vorträgen

Die Tagung ist Teil der Forschungsinitiative des Europa-Kollegs CEUS der Universität des Saarlandes (www.uni-saarland.de/ceus)
Sie findet virtuell über den Videokonferenzdienst Zoom statt und steht allen Interessierten offen.
Die Anmeldung erfolgt per E-Mail an: a.conrad@mx.uni-saarland.de

Die Arbeitsgruppe „(Europäische) Aufklärung(en)“ an der Universität des Saarlandes beschäftigt sich mit dem Thema und Begriff „Aufklärung“, insbesondere im Zusammenhang mit interkulturellen Fragestellungen (u.a. Migrationsprozesse und Globalisierung). Durch einen interdisziplinären Zugang und durch den Blick auf „Peripherien, Strategien und Kontroversen“ sowie auf epochenübergreifende transkulturelle Prozesse will sie die Frage nach unterschiedlichen Konzeptionalisierungen von „Aufklärung“ neu stellen und zur begrifflichen wie inhaltlichen Klärung in globaler Perspektive beitragen. Dabei geht es auch darum, den Europaschwerpunkt der Universität – speziell die Frage, in welcher Weise „Konzepte“ Europas projiziert, transformiert und reflektiert werden – durch innovative Zugänge zu öffnen und so für aktuelle gesellschaftliche und wissenschaftliche Diskurse anschlussfähig zu sein. An der AG „(Europäische) Aufklärungen“ der Philosophischen Fakultät beteiligt sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Literatur-, Bildungs- und Medienwissenschaften sowie der Theologien.
Weitere Infos unter: www.uni-saarland.de/einrichtung/ceus/europa-forschung/ag-europaeische-aufklaerungen.html

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Fragen beantworten:
Prof. Dr. Stephanie Catani
Germanistik
Tel.: 0681 302-3306
E-Mail: stephanie.catani(at)uni-saarland.de

Dr. Johannes Birgfeld
Germanistik
Tel.: 0681 302-2856
E-Mail: j.birgfeld(at)mx.uni-saarland.de

apl. Prof. Dr. Anne Conrad
Katholische Theologie
Tel.: 0681 302-3348
E-Mail: a.conrad(at)mx.uni-saarland.de