10. Tag des Geschichtsunterrichts, 16. Feb 2022

Wir laden Sie herzlich zum 10. Tag des Geschichtsunterrichts ein, der in Kooperation mit und parallel zum 3. Tag der digitalen Bildung im Saarland  stattfindet.

Dieses Jahr dreht sich alles um außerschulische Lernorte – vor Ort und digital. Historisches Lernen findet selbstverständlich nicht ausschließlich im Klassenzimmer statt. Mit dem Siegeszug des Internets und der Allgegenwärtigkeit digitaler Technologien hat sich in den letzten Jahren die Vielfalt – und in einigen Fällen auch die Natur – außerschulischer Lernorte erweitert und verändert.
Im Keynote-Vortrag und in verschiedenen Workshops vor- und nachmittags werden neben „klassisch analogen“ Lernorte wie Gedenkstätten zum Nationalsozialismus auch die in den letzten Jahren ständig gewachsene Auswahl an digitalen Angeboten wie Social Media-Plattformen als Lernorte oder digitalgestützte Besuche verschiedener Museen- und Gedenkstätten thematisiert.
Der Tag des Geschichtsunterrichts wird gemeinsam vom Landesinstitut für Pädagogik und Medien des Saarlandes (LPM), dem Institut für Lehrerfort- und -weiterbildung sowie dem Zentrum für Lehrerbildung, dem Historischen Institut, dem Institut für Alte Geschichte und der Lernwerkstatt GUdig der Universität des Saarlandes ausgerichtet. 

Die Tagung findet vollständig online über die Plattform Online Schule Saar statt.
Die Teilnahme ist kostenlos. Die Anmeldung erfolgt über den Veranstaltungskatalog des LPM statt. Anmeldefrist ist der 10. Februar 2022! 

Programm

8:30 Uhr Ankommen in OSS
8:45 Uhr Grußwort der Bildungsministerin des Saarlandes Christine Streichert-Clivot (zusammen mit dem 3. Tag der digitalen Bildung)
9:00 Uhr Begrüßung zum 10. Tag des Geschichtsunterrichts
9:15 Uhr Keynote-Vortrag von Prof. Dr. Tobias Arand (PH Ludwigsburg): Lernort Schlachtfeld? Überlegungen am Beispiel der Schlacht bei Spichern vom 6. August 1870

10:30 - 12:00 Uhr Workshop-Phase I

Katharina Ackenheil, MA & Verena Schneider, MA,
GDKE, Rheinisches Landesmuseum Trier und Römerbauten

Nelly Bruegelmann, Reiner Jung & Simon Matzerath, MA,
Historisches Museum Saar

Jörg Jacoby,
Dipl.-Kult.Wiss.,
Arbeitskammer des Saarlandes

Cathérine Pfauth, MA,
PH Ludwigsburg
Entdecken, erforschen, erleben! Vermittlung im Zentrum der AntikeVIMUKI, das Virtuelle Museum für Kinder und Jugendliche im Kontext analoger und digitaler GeschichtsvermittlungGedenkstätte zum Nationalsozialismus – „Ein Ort, an den man gerne geht“? (1. Gruppe)Außerschulischer Lernort 'Twitter' - historisches Lernen in 280 Zeichen (1. Gruppe)

12:30 –13:30 Diskussionsrunde: Das Schulbuch der Zukunft (zusammen mit dem 3. Tag der digitalen Bildung)

13:45 - 15:15 Uhr Workshop-Phase II

Dr. Philippe Beck, Dr. Tobias Dewes & Dr. Nicholas Williams,
ZentrumfürOst-belgischeGeschichte
Jörg Jacoby, Dipl.-Kult.Wiss.,
Arbeitskammer des Saarlandes
Cathérine Pfauth, MA,
PH Ludwigsburg
Steffen Reinhard,
Gedenkstätte Hinzert
Dr. Catherina Schreiber,
Ministerium für Bildung und Kultur (Saarland)
Geschichte digital erfahren -Ostbelgische Regionalgeschichte im NetzGedenkstätte zum Nationalsozialismus – „Ein Ort, an den man gerne geht“? (2. Gruppe)Außerschulischer Lernort 'Twitter' - historisches Lernen in 280 Zeichen (2. Gruppe)„Aktivierter Rundgang“ als Online-Konzept der Gedenkstätte Hinzert. Vorbereitung eines Gedenkstättenbesuches im Unterricht„Keep me in mind“. Dokumentartheater als historisches Lernen

15:30 Uhr Abschlussrunde im Plenum

Nähere Infos zum Angebot

Lernort Schlachtfeld? Überlegungen am Beispiel der Schlacht bei Spichern vom 6. August 1870

Keynote-Vortrag von Prof. Dr. Tobias Arand (PH Ludwigsburg)

Schlachtfelder sind verdichtete Erinnerungsräume, die auf der einen Seite die Aura des authentischen Ortes besitzen, auf der anderen Seite paradoxerweise aber auch oft so geschichtskulturell überformt sind, dass die vermeintliche Authentizität eher eine imaginierte ist. Die Überlebenden schreiben dem Ort mit Denkmälern oder Grabsteinen ein eigenes, in der Regel affirmatives Narrativ ein. Nimmt man ernst, dass es eine Aufgabe historischen Lernens in der Schule ist, den SuS Dekonstruktionskkompetenzen im Umgang mit fertigen Narrativen der Geschichtskultur zu vermitteln, sind derart überformte Schlachtfelder aus didaktischer Sicht sehr lohnende Lernorte. 

Dr. Tobias Arand ist Professor für Geschichte und Geschichtsdidaktik an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg, Verfasser einer umfangreichen Monographie zum Deutsch-Französischen Krieg (2018) und  Herausgeber der Neuedition der 'Fröschweiler Chronik' von Karl Klein (2021). Er publiziert weiterhin zu Themen der militärischen Erinnerungskultur und zu geschichtsdidaktischen Fragen. 

 

Workshopbeschreibungen

Entdecken, erforschen, erleben! Vermittlung im Zentrum der Antike - Katharina Ackenheil, MA & Verena Schneider, MA

Der Workshop gibt Einblick in die Vermittlungsangebote und Methoden der Museums- und Denkmalpädagogik im Rheinischen Landesmuseum Trier und den Trierer Römerbauten. Sieben der Römerbauten sind Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und herausragendes Zeugnis römischer Kultur. Das Rheinische Landesmuseum Trier ist eines der wichtigsten archäologischen Museen in Deutschland. Die Highlights des Museums sind die Mosaikensammlung, die Steingrabmäler aus Neumagen und der größte römische Goldmünzenschatz der Welt. Ab Juni 2022 zeigt das Museum gemeinsam mit zwei weiteren Trierer Museen die große Landesausstellung „Der Untergang des Römischen Reiches“.  Das museumspädagogische Angebot umfasst Führungen und Workshops für Schulklassen von der Vorschule bis zur 13. Klasse. Thematisch erstrecken sich die Programme von der Steinzeit bis in die Frühe Neuzeit, wobei der Schwerpunkt auf der Römerzeit liegt. 

Katharina Ackenheil, M. A.: Studium der Alten Geschichte, Provinzialrömischen Archäologie und Englischen Philologie, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br. Seit 2017  Museumsdidaktik GDKE, Rheinisches Landesmuseum, Schwerpunkt: Dauer- und Sonderausstellungen.  

Verena Schneider, M. A.: Studium der Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität Trier, 2008 – 2019  Lehrerin am Nikolaus-von Kues-Gymnasium in Bernkastel-Kues, seit 2018 Museumsdidaktik GDKE, Rheinisches Landesmuseum, Schwerpunkt: Römerbauten und UNESCO.

Geschichte digital erfahren: Ostbelgische Regionalgeschichte im Netz - Dr. Philippe Beck, Dr. Tobias Dewes & Dr. Nicholas Williams

Aus der wissenschaftlichen Buchreihe “Grenzerfahrungen" ging 2014 das Zentrum für Regionalgeschichte in der Deutschsprachigen Gemeinschaft (ZRDG) hervor, das mittlerweile Zentrum für Ostbelgische Geschichte (ZOG) heißt. Dabei ist es nicht nur der engen inhaltlichen wie personellen Verzahnung mit dem Centre for Contemporary and Digital History (C2DH) der Universität Luxemburg zu verdanken, dass unser Zentrum von vornherein auch digital „gedacht“ wurde, also klar war, dass die Erarbeitung eines umfangreichen online Geschichtsportals zu den Aufgaben des ZOG gehören würde.     
Seit 2018 gibt es nun das Portal geschichte.be, und seit 2020 auch die virtuelle Ausstellung zeitschichten.be. Beide werden sowohl von Schulen und Universitäten wie auch von historisch Interessierten, vor allem aus unserer Region genutzt. Diese haben in Form des ostbelgischen Kulturerbearchivs auch die Möglichkeit, unsere digitalisierten Materialien über das Portal hinaus zu nutzen sowie auch selbst welche hochzuladen.    
In diesem Workshop werden wir zuerst unsere bestehenden Angebote vorstellen. Danach nehmen wir Sie aber auch mit in unsere digitale Geschichtswerkstatt und zeigen Ihnen anhand ausgewählter Methoden, wie sich Angebote zum digitalen Lernen im Netz gestalten lassen.  

Dr. Philippe Beck ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Ostbelgische Geschichte in Eupen sowie Lehrbeauftragter an der Université Louvain-la-Neuve. Neben der Beschäftigung mit der ostbelgischen Geschichte liegen die Schwerpunkte seiner Arbeit in der Führung und Sammlung von Zeitzeugeninterviews.  

Dr. Tobias Dewes ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Ostbelgische Geschichte in Eupen. Neben der Beschäftigung mit der ostbelgischen Geschichte liegen die Schwerpunkte seiner Arbeit in der technischen Realisierung und Erweiterung unserer digitalen Angebote.  

Dr. Nicholas Williams ist Leiter des Zentrums für Ostbelgische Geschichte in Eupen. Neben der Beschäftigung mit der ostbelgischen Geschichte liegen die Schwerpunkte seiner Arbeit in der Verwaltung, Leitung und Weiterentwicklung des Zentrums. 

VIMUKI, das Virtuelle Museum für Kinder und Jugendliche im Kontext analoger und digitaler Geschichtsvermittlung - Nelly Bruegelmann, Reiner Jung & Simon Matzerath, MA

Zunächst werden die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Digitalisierung in eine kurze Geschichte der Museumspädagogik eingeordnet mit Beispielen analoger und digitaler Vermittlung aus dem Historischen Museum Saar. Anschließend wird VIMUKI, das Virtuelle Museum für Kinder und Jugendliche, vorgestellt, ein Projekt des Historischen Museums Saar im Rahmen von museum4punkt0. Durch digitale Life-Führungen und mithilfe von 3D-Modellen, 360°-Rundgängen, Film- und Spielsequenzen sowie interaktiven Arbeitstools werden die Möglichkeiten der virtuellen Welt genutzt, um Schülerinnen und Schüler ein möglichst immersives Erlebnis zu bieten. 

Simon Matzerath M.A. ist der Direktor des Historischen Museums Saar, Reiner Jung ist der Stellvertretende Direktor und Museumspädagoge, Nelly Bruegelmann ist Museumspädagogin im Projekt VIMUKI. 

Gedenkstätte zum Nationalsozialismus – „Ein Ort, an den man gerne geht“? - Jörg Jacoby, Dipl.-Kult.Wiss.

„Ich bin davon überzeugt, dass der Besuch einer Gedenkstätte auf jedem Lehrplan stehen und sich jeder zumindest einmal in seinem Leben damit auseinandersetzen muss.“ Was Annegret Kramp-Karrenbauer 2019 der Bild-Zeitung sagte, taucht immer wieder in anderen Worten in der öffentlichen Debatte auf. Die Erwartungen an einen solchen Gedenkstättenbesuch sind überhöht, der Aufwand einer Tagesfahrt zu einem außerschulischen Lernort ist groß. Warum sich eine solche Unternehmung trotzdem lohnt, wollen wir in diesem Workshop besprechen. Es wird zudem Input geben aus jahrelanger Erfahrung bei der Begleitung historisch-politischer Exkursionen. Informationen über lokale Angeboten zu Exkursionen dürfen natürlich nicht fehlen, ebenso wie ein Erfahrungsaustausch – wenn es die Zeit erlaubt. 

Jörg Jacoby hat Historisch orientierte Kulturwissenschaften in Saarbrücken studiert und arbeitet als Referent für Bildungs- und Kulturpolitik bei der Arbeitskammer des Saarlandes. Er hat mehr als 10 Jahre Erfahrung mit historisch-politisch Exkursionen, insbesondere für Schulklassen.  

Außerschulischer Lernort 'Twitter' - historisches Lernen in 280 Zeichen - Cathérine Pfauth, MA

In einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche sich primär mit Geschichte in der digitalen Welt beschäftigen z.B. Computerspiele oder bei Messengerdiensten, ist es auch für Lehrer und Lehrerinnen notwendig, sich mit diesem historischen 'Lernumfeld' ein wenig auszukennen. Am Beispiel des Messengerdienstes Twitter soll exemplarisch und mit praktischen Übungen erläutert werden, welche Chancen und Risiken in dieser Form historischen Lernens stecken. Ausgehend von einem studentischen Twitterprojekt der Hochschulen Ludwigsburg und Bochum vom Krieg vom 70/71, werden die Kursteilnehmer am Beispiels des Ersten Weltkrieges in praktischen Übungen hoffentlich interessante Anregungen erfahren. 

Cathérine Pfauth MA, studierte Geschichte und Englisch auf Lehramt Sekundarstufe I an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Im Jahr 2020 verantwortete sie als studentische Redakteurin das Twitterprojekt 'Heute vor 150 Jahren - @Krieg7071'. Seit Sommer 2021 schreibt sie die Skripte für das youtube-Projekt 'Glory & Defeat'. Vorträge auf nationalen und internationalen Konferenzen zum Thema Digital History. 

„Aktivierter Rundgang“ als Online-Konzept. Vorbereitung eines Gedenkstättenbesuches im Unterricht - Steffen Reinhard

Der „aktivierte Rundgang“ ist ein zusätzliches pädagogisches Angebot für alle Schul- und Jugendgruppen. Im Gegensatz zur einer üblichen Führung bereiten die Schülerinnen und Schüler verschiedene Aspekte der Lagergeschichte im Unterricht vor und gestalten den Rundgang in der Gedenkstätte weitestgehend selbstständig. Ein(e) Mitarbeiter(in) der Gedenkstätte begleitet die Jugendlichen während des Rundganges und steht für weitere Fragen zur Verfügung. 
Die für die Vorbereitung im Unterricht notwendigen Quellen und Materialien können online im Klassenzimmer auf PC, Tablet oder auch Smartphone abgerufen werden. Es gibt neben historischen Quellen auch Audio-Dateien, die von professionellen Schauspielern eingesprochen wurden. Für die Vorbereitung des Rundganges sind sechs Unterrichtsstunden einzuplanen. Vier für die Quellenarbeit und zwei für die Vorbereitung der Präsentation. Für leistungsstärkere Klassen oder Oberstufenschüler/innen gibt es zusätzliche Quellen und Dokumente. 

Steffen Reinhard ist Lehrer für Geschichte, Englisch und Politik. Seit 2008 hat er die Leitung der Pädagogik in der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert inne. 

„Keep me in mind“. Dokumentartheater als historisches Lernen - Dr. Catherina Schreiber

Dokumentartheater/ Zeitzeugnistheater existiert seit Jahrzehnten und hat in der politischen Geschichte der Bundesrepublik einige Bedeutung erlangt. Ein Beispiel ist das Theaterstück „In der Sache J. Robert Oppenheimer“ aus dem Jahr 1964. In der geschichtsdidaktischen Betrachtung ist Dokumentartheater dennoch ein Randthema. In diesem Workshop sollen Beispiele vorgestellt werden, wie anhand der theatralischen Inszenierung historischer Dokumente Geschichte auch außerhalb des Unterrichts erfahrbar gemacht werden kann. Dokumentartheater findet oftmals an historischen Orten statt. Beispiele sind die Zeitzeugnis-Performance „Keep me in Mind“ oder das Forschungsprojekt „aus den Akten auf die Bühne“. Anhand der Vorstellung von Best Practice Umsetzungen sollen Möglichkeiten und digitale Hilfsmittel präsentiert werden, wie Schülerinnen und Schüler als Zuschauende, aber auch als Forschende, Autor*innen und Schauspielende historisch lernen können. 

Dr. Catherina Schreiber studierte Geschichte, Germanistik und Informationswissenschaft sowie Gesundheitsmanagement. Sie promovierte 2014 in Geschichte/historischer Bildungsforschung mit einer interdisziplinären Arbeit zur politischen Bildung an der Universität Luxemburg.  2017 begann sie eine Habilitation an der Universität Wien und eine weitere Doktorarbeit in allgemeiner Pädagogik, beide Forschungsvorhaben laufen noch. Derzeit ist sie Referentin im Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes. 

Bildnachweise: 
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Sturm auf den Spicherer Berg (6. August 1870) (aus dem Saarbrücker Rathauszyklus), Öl auf Leinwand Anton von Werner 1880, Urheber des Fotos: Historisches Museum Saar, CC BY-SA 4.0.

Dieser Text steht unter der CC BY SA 3.0 DE-Lizenz. Der Name des Urhebers soll bei einer Weiterverwendung wie folgt genannt werden: Linda Hammann für GUdig