Judith Lamberty

Literarische Mehrsprachigkeit in plurilingualen Kontexten (Suisse romande, Québec). Rezeptions- und Zirkulationsprozesse heterolingualen Schreibens

 

Vor dem Hintergrund der Vorstellung von voneinander abgegrenzten, homogenen Nationalliteraturen und dem Primat des Sprachpurismus galt literarische Mehrsprachigkeit lange Zeit als Normverstoß. Im Zeitalter der Globalisierung und des gesteigerten Interesses für inter- und transkulturelle Prozesse gewinnt die Verwendung von mehr als einer Sprache innerhalb eines literarischen Textes jedoch zunehmend an Legitimität, genießt Anerkennung seitens literarischer Institutionen und wird zur Vermarktung von Werken vermehrt bewusst inszeniert. Textinterne Mehrsprachigkeit wirft allerdings die Frage nach der Lesbarkeit und damit verbunden den Zirkulationsmöglichkeiten literarischer Texte auf, die ihren potentiellen Leserkreis über den unterschiedlichen Umgang mit Sprachen von vorneherein zu bestimmen und teils auf ein bi- bzw. plurilinguales Publikum zu beschränken scheinen.

Das Dissertationsprojekt widmet sich heterolingualen Romanen aus Québec und der Suisse romande und befasst sich demnach mit zwei spezifischen Produktions- und Rezeptionskontexten, in denen Mehrsprachigkeit eine besondere Rolle einnimmt. Ziel ist es, textinterne sowie textexterne Faktoren, die die Rezeption und Zirkulation heterolingualen Schreibens beeinflussen, sichtbar zu machen. Anhand ausgewählter Romane, die zwischen 2000 und 2015 entstanden sind, wird ermittelt, inwiefern spezifische Textkonfigurationen bestimmte Rezeptions- und Zirkulationsprozesse hemmen bzw. fördern. Auf textexterner Ebene werden zudem Rezeptionsdokumente sowie auktoriale und verlegerische Paratexte hinsichtlich der Bedeutung von Mehrsprachigkeit für die Verbreitung der Werke untersucht und somit der sprach- und literaturwissenschaftliche Ansatz über Perspektiven der Buchmarktforschung erweitert.