11.01.2016

Botanischer Garten der Saar-Uni macht schon zum 1. April dicht

Saarbrücker Zeitung

Personal im „Abwicklungsmodus“ – Schon lange politischer Streit

Statt Ende 2016 ist nun schon im April Schluss: Der Leiter des Botanischen Gartens an der Saar-Uni, Wolfgang Stein, gibt auf. Man müsse sich eingestehen, „an der Übermacht seiner Widersacher“ gescheitert zu sein.

Von SZ-Redakteur Daniel Kirch

Saarbrücken. Der Kampf ist verloren – so sieht es Wolfgang Stein, der Leiter des Botanischen Gartens an der Universität in Saarbrücken. Die zwei Gärtnermeister, die Sekretärin und er hätten nun „von Kampfmodus auf Abwicklungsmodus umgeschaltet“, schreibt er im Internet. Und kündigt an: „Der Botanische Garten schließt zum 1. April 2016.“ Bislang war dies für Ende 2016 erwartet worden. Grund der Schließung sind die vom Land verordneten Sparmaßnahmen an der Universität. Der Garten kostet rund 500 000 Euro im Jahr.

Ab dem 1. April stünden nur noch zwei, vielleicht sogar nur noch ein Gärtner zur Verfügung. Damit, so Stein, sei die Abdeckung einer Sieben-Tage-Woche mit Fachpersonal nicht mehr gewährleistet. „Das dann beginnende Dahinsiechen unserer geliebten Pflanzen wollen wir der Öffentlichkeit nicht mehr als einen von uns geführten professionellen Garten präsentieren. So viel Stolz und Berufsehre muss man uns zugestehen!“, so Stein. Das Garten-Team habe die Universitätsleitung darum gebeten, von den derzeitigen Dienstaufgaben entbunden zu werden. Dieser Bitte sei am Donnerstag stattgegeben worden.

„Wir selbst glauben, alles versucht zu haben, doch irgendwann muss man sich eingestehen, dass man an der Übermacht seiner Widersacher gescheitert ist, bevor man sich der Lächerlichkeit preisgibt“, schreibt Stein verbittert. Nicht der Botanische Garten sei der Verlierer der Schließung, sondern die Bildungslandschaft im Saarland.

Um die Zukunft des Botanischen Gartens wurde schon in früheren Jahren gerungen. Bisher habe man das Aus „unter Lassung zahlreicher Federn“ verhindern können, so Stein. „Diesmal sind wir nicht mehr verkleinerbar, nur noch schließbar.“

Beschlossen hatte die Schließung die Uni-Leitung, nachdem das Land den Hochschul-Etat gekürzt hatte. „CDU und SPD opfern den einzigen wissenschaftlichen Lehr-, Schau- und Erlebnisgarten unseres Landes auf dem Altar der Schuldenbremse“, kritisierte die Linken-Abgeordnete Barbara Spaniol. Die Landesregierung sehe kein Problem darin, wenn durch die Untätigkeit der Steuerfahndung Einnahmen fehlten und große Steuerbetrüger ungeschoren davonkämen, man gleichzeitig aber den Botanischen Garten mit seinen über 2000 Pflanzenarten verdorren lasse.

Die Opposition aus Linken, Piraten und Grünen war bereits 2015 im Landtag mit Anträgen zum Erhalt des Gartens gescheitert. Von einer „einzigartigen Bildungseinrichtung“ war die Rede. Das Saarland dürfe nicht das einzige Bundesland ohne Botanischen Garten werden, warnte die Opposition.

Die Redner der großen Koalition nannten den Beschluss, den Garten zu schließen, in der damaligen Debatte nachvollziehbar. Seit dem Jahr 2000 gebe es in der Biologie einen Schwerpunkt in der Human- und Molekularbiologie, die Botanik sei kein eigenständiges Fach mehr. Daher sei der wissenschaftliche Wert des Gartens begrenzt, sagte Thomas Schmitt (CDU). Ein weiteres Argument: Jeder Besucher werde mit etwa 250 Euro subventioniert. „Würde das Bildungsministerium dafür Busse nach Frankfurt zum dortigen Botanischen Garten schicken, wären wir noch deutlich günstiger dran“, ergänzte damals Sebastian Thul (SPD).

Quelle:Saarbrücker Zeitung