22.09.2015

Stefan Nürnberger über die Manipulation bei VW

Saarbrücker Zeitung

Saarbrücker IT-Experte rechnete schon länger mit einem Skandal
„Manipulation ist nicht überraschend“

Stefan Nürnberger leitet am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken eine Gruppe, die sich mit IT-Sicherheit von Autos beschäftigt. SZ-Redakteurin Stefanie Marsch sprach mit ihm über die Manipulationen bei VW.

Herr Nürnberger, hat Sie die Nachricht von den Manipulationen bei VW überrascht?

Nürnberger: Ehrlich gesagt nicht. Ich habe schon früher Artikel gelesen, dass die Autoindustrie bei Tests für die Spritverbrauchswerte trickst. Die Fahrzeuge werden leichter gemacht. Die Batterien sind immer voll. Außerdem erkennen die Motorsteuergeräte die genormten Testzyklen, also die Bedingungen und Geschwindigkeitsabfolgen während der Tests, und schalten in einen sparsameren Modus. Mit der Realität hat das aber wenig zu tun. Dass sich nun herausstellt, dass auch bei den Schadstoffwerten getrickst wird, verwundert nicht.

VW hat die Autos so programmiert, dass die Abgasaufbereitung nur während der Tests in vollem Umfang gearbeitet hat. Was ist der Grund dafür?

Nürnberger: Man kann beim Autofahren nicht alles haben: starke Motorleistung und wenig Schadstoffe. Wenn die Emissionskontrolle voll arbeitet, reduziert das die Leistung. Das wollen die Hersteller ihren Kunden nicht zumuten. Bei VW hat das dazu geführt, dass man diese „schizophrene“ Software eingebaut hat.

Glauben Sie, dass VW ein Einzeltäter ist?

Nürnberger: Ob andere Hersteller auch Software manipulieren, wissen wir nicht, aber einige setzen schon länger auf die sogenannte „Abgasnachbehandlung“. Dabei nimmt man hohe Abgaswerte zunächst in Kauf und bereinigt sie im Nachhinein durch eine Behandlung mit Harnstoff. An der Tankstelle nennt sich das dann AdBlue.

VW hat seine Fahrzeuge mit einer Software manipuliert. Steigt mit der Zunahme von Computertechnik in Autos auch die Gefahr für krumme Dinger?

Nürnberger: Es stimmt, dass Manipulationen technisch einfacher werden, weil man einen Computer entsprechend programmieren kann. Aber deshalb weniger Computertechnik einzubauen, halte ich nicht für den richtigen Weg. Man hört ja auch nicht auf, Glasscheiben einzubauen, nur weil an Glas immer Verletzungsgefahr besteht. Bessere Kontrollen wären aber auf jeden Fall sinnvoll.

Quelle:Saarbrücker Zeitung

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