17.11.2017

Handelskongress 2017

Beim diesjährigen Handelskongress Saar am Dienstag, 7. November 2017, referierte Frau Univ.-Prof. Dr. Andrea Gröppel-Klein, Hauptrednerin des Abends, zum Thema

„Umsatzeinbruch im Saarland durch das Ausbleiben französischer Kundschaft?“

Die von Frau Univ.-Prof. Dr. Andrea Gröppel-Klein vorgestellten Inhalte stammen aus einer vom Institut für Konsum- und Verhaltensforschung durchgeführten Studie in Kooperation mit der IHK des Saarlandes, dem Einzelhandelsverband Saarland, der Landeshauptstadt Saarbrücken, unterstützt von der Europa Galerie und der Globus SB Warenhaus Holding.

Zweifellos ist die französische Kundschaft ein wichtiger Bestandteil des Saarbrücker Einzelhandels und ein nicht zu unterschätzender Umsatzfaktor für die Region. Insbesondere vor dem Hintergrund der derzeit stattfindenden Aufrüstung des französischen Einzelhandels im Grenzgebiet (über 160.000 qm neue Verkaufsfläche zwischen 2014 und 2018) stellt sich daher die Frage, wie die Attraktivität Saarbrückens als Einkaufsstadt auch weiterhin gewährleistet werden kann.

Im Rahmen der von Frau Prof. Gröppel-Klein vorgestellten Studie hat das Institut für Konsum- und Verhaltensforschung an der Universität des Saarlandes unter Mitwirkung von Herrn M.Sc. Markus Freichel und Frau M.Sc. Anika Strobel hierzu insgesamt 310 Konsumenten (196 Franzosen und 114 Deutsche) sowie 86 Saarbrücker Einzelhändler und Gastronomen befragt.

Dabei zeigte sich, dass die französischen Kunden nach wie vor sehr zufrieden mit Saarbrücken sind. Ihnen gefällt die Atmosphäre, das Preis-/Leistungsverhältnis, der Erlebnisfaktor sowie das Warenangebot in Saarbrücken. Wenn man die Einkaufsmotive betrachtet, so ist der französische Kunde in Saarbrücken im Vergleich zum deutschen Kunden stärker auf der Suche nach Inspiration („Bummeln“) und preisorientierter. Der deutsche Kunde ist dagegen stärker qualitätsorientiert. Interessanterweise zeigte sich, dass die Einführung einer PKW-Maut nicht ganz so drastische Auswirkungen für die spätere Besuchshäufigkeit zu haben scheint, wie man befürchten könnte – ein weiteres Indiz für die hohe Zufriedenheit der französischen Kunden.

Frau Prof. Gröppel-Klein weist jedoch darauf hin, dass die Studie ebenso gezeigt habe, dass die deutschen Konsumenten mit der Einkaufsstadt Saarbrücken zwar zufrieden sind, aber die Stadt derzeit nicht wirklich begeistere. Insbesondere die hohen Parkgebühren, das in ihren Augen verbesserungswürdige Erscheinungsbild der Bahnhofstraße und die derzeitigen Unannehmlichkeiten aufgrund der vielen Baustellen seien Gründe, weshalb die deutschen Kunden Saarbrücken aktuell weniger positiv einschätzten als die französischen Konsumenten, so Gröppel-Klein. Wenn man auch bei den Deutschen ähnlich hohe Zufriedenheitswerte wie bei den Franzosen anstrebe, so gelte es hier anzusetzen. Es sei unbedingt notwendig, um Verständnis für baustellenbedingte Unannehmlichkeiten zu werben. Kurzfristig könnten hierfür beispielsweise Kompensationsangebote seitens des Handels in Betracht gezogen werden. Bzgl. der französischen Konsumenten sehe es aktuell zwar besser aus, doch auch hier warnt Frau Prof. Gröppel-Klein davor, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Wenn es Saarbrücken gelänge, sich durch eine entsprechende Kommunikationsstrategie und entsprechende Angebote auch als qualitativ hochwertige Einkaufsstadt zu positionieren, so würde dies zum einen der erhöhten Qualitätsorientierung der Deutschen gerecht, zum anderen könnte man hierdurch vielleicht auch neue französische Zielgruppen erschließen.

 

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