Über das Projekt

Die geplante Forschungsgruppe zielt auf die umfassende, komparative und transnational orientierte Erforschung europäischer Populärkultur der langen 1960er Jahre und beschreitet damit in vielfacher Hinsicht wissenschaftliches Neuland. In Abgrenzung zu bisherigen, nationalstaatlich beschränkten Einzelstudien setzt "Populärkultur transnational" mehrere Länder, Kulturen und Gesellschaften miteinander in Bezug; ein konsequent transnationaler Ansatz soll Ähnlichkeiten und Unterschiede, wechselseitige Abhängigkeiten und enge Bezüge der untersuchten Prozesse und Phänomene sichtbar machen, zugleich die Vorzüge eines vergleichs-, transfer- und verflechtungsgeschichtlichen Herangehens gegenüber Einzelfallanalysen aufzeigen. Die synergetisch angelegten, nicht nur sachlich, zeitlich und räumlich, sondern - über diverse Online-Plattformen und Datenverwaltungsprogramme - auch kommunikativ eng verzahnten Teilprojekte zu Musik und Radio, Jugendkultur und Jugendmedien, Comics und Amateurfilme, Quizshows und Kinderserien erlauben es, ein weites und signifikantes Spektrum populärkultureller Phänomene in Westeuropa und seinen verdichtet interagierenden Teilräumen zu erschließen. Bei aller Relevanz transatlantischer Verflechtungen für die Nachkriegsjahrzehnte zielt das Projekt mit Nachdruck darauf, gängige Auffassungen einer einseitigen Amerikanisierung westeuropäischer Gesellschaften mit einem Europäisierungsparadigma zu konfrontieren. Europäisierung mittels Populärkultur wird dabei als komplexe Geschichte asymmetrischer Interdependenzen beschrieben, die Austausch und Verflechtung betonen, zugleich aber Abgrenzungen, Ungleichzeitigkeiten und Fragmentierung mitdenken. Der transnationale Ansatz bedeutet aber nicht, dass nationale Dimensionen und Rahmungen kulturellen Austauschs außen vor bleiben, zumal der Projektfokus auf Aneigungsprozessen im Sinne transformativer Rezeption, Selektion und Sinnzuweisung in den Empfängerkulturen liegt.

Die inhaltliche Vernetzung der Teilprojekte erfolgt über ein verbindliches Repertoire an gemeinsamen Leitfragen und Spannungsfeldern. Diese eingangs formulierten Spannungsfelder - "Amerikanisches & Europäisches", "Kulturelles & Politisches", "Generation & Generationalität", "Soziale Diversität & Transversalität", "Mainstream & Avantgarde", "Orte, Räume, Lokalität", "Dispositiv, Medialität, Medienensemble", "Event & Serialität" - bilden den Ausgangspunkt für Überlegungen, wie sich komplexe und dynamische Phänomene transnationaler Populärkultur sachgerecht und fernab schematischer Vorstellungen erkunden lassen. Über spezifische Erkenntnisgewinne zu den Einzelprojektfallstudien hinaus wird die Forschungsgruppe als Ganzes erstmals ein thematisch breites, konzeptionell innovatives und empirisch fundiertes Panorama europäischer "Populärkultur transnational" für die langen 1960er Jahre zur Debatte stellen.

Nähere Informationen finden Sie auf der Homepage der Forschungsgruppe:
www.popkult60.eu