Vorankündigungen

Gastvortrag von Andreas Hepp (ZeMKI, Universität Bremen)

Medienumgebung – Medienensemble – Medienrepertoire: Zur Prozesshaftigkeit und Relationalität digitaler Medien

Lange Zeit war die Verbreitung von digitalen Medien und deren Infrastrukturen mit Vorstellungen der „Konvergenz“ verbunden: In der Wissenschaft, aber auch im Technikjournalismus dominierte das Narrativ, dass die verschiedenen Medien im Computer als einer Art „Supra-“ oder „Meta-Medium“ konvergieren würden. Die Entwicklung war dann aber eine andere: Anstatt einem „Supra-Medium“ sind wir heute mit einer Vielzahl sehr unterschiedlicher Medien konfrontiert, die gleichwohl alle auf Computertechnologie basieren und durch die Infrastrukturen digitaler Netzwerke in einer umfassenden Konnektivität stehen. In gewissem Sinne lässt sich die Etablierung dieser „media manifold“ als eines der eigentlichen Kennzeichnen der tiefgreifenden Mediatisierung begreifen. In meinem Vortrag möchte ich zuerst auf die Trends des Medienwandels eingehen, die zu der Etablierung dieser „media manifold“ geführt haben. Dies dient mir als Basis für das Argument, dass für die Betrachtung von Medien damit weniger das Einzelmedien entscheidend ist, sondern eine Analyse von Medien in ihrer Prozesshaftigkeit und Relationalität. Für eine solche Analyse – so mein Argument im dritten Teil des Vortrags – bietet es sich an, drei Blickwinkel zu unterscheiden: Den auf die Medienumgebung, den auf das Medienensemble und den auf das Medienrepertoire.

Andreas Hepp ist Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft sowie Leiter des ZeMKI, Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung an der Universität Bremen. Er war Gastforscher und Gastprofessor an der London School of Economics and Political Science, dem Goldsmiths University of London, der Université Paris II Panthéon ASSAS und anderen führenden Forschungsinstitutionen. Er ist Autor von 12 Monographien, darunter „The Mediated Construction of Reality“ (mit Nick Couldry, 2017), „Transcultural Communication“ (2015) and „Cultures of Mediatization“ (2013). Sein jüngstes Buch heißt „Deep Mediatization“ (2020).

Der Vortrag findet am 29. Juni um 18Uhr im Graduate Center, Universität des Saarlandes, statt.