W3 "Populärkulturelles - Politisches"

Für den dritten Workshop der Forschungsgruppe “Popkult60”, der sich dem Spannungsfeld “Populärkulturelles – Politisches” widmete, kam die französische Historikerin Florence Tamagne (Université de Lille) am 21. März 2019 nach Saarbrücken. Dort hielt sie einen Vortrag über Festivals in Deutschland, Frankreich und Großbritannien in den langen 1960er Jahren.
Hier finden Sie den Flyer des Workshops.

Gastvortrag von Florence Tamagne (Université de Lille)

Rock et politique en Europe. L’exemple des festivals « pop » et « rock » en France, Grande-Bretagne et Allemagne (années 1960-années 1970) - Rock und Politik in Europa. Das Beispiel der "Pop" und "Rock" Festivals in Frankreich, Großbritannien und Deutschland (1960er-1970er Jahre)

Ab Ende der 1960er Jahre, insbesondere in der Folge des Woodstock Festivals in den USA, vermehrten sich die "Pop" und "Rock" Festivals in Europa. Auch wenn die Festivalerfahrung – geprägt von der Teilnahme großer Namen der pop music – im kollektiven Gedächtnis weit verklärt wurde, verursachten die Festivals heftige Debatten unter der Bevölkerung, während die Festivalbesucher sich um die Frage der "kostenlosen" Festivals spalteten.
Ausgehend von Beispielen aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland (BRD und DDR) werden drei Aspekte behandelt: die Festivalerfahrung – zwischen Hippie Idealismus und Konsumvereinnahmung; die verschiedenen Zuschauergruppen der "Pop" Festivals und ihre Darstellung in der öffentlichen Meinung; lokale und nationale politische Fragen, die die Wahrnehmung dieser Veranstaltungen erschwerten und in manchen Fällen dazu führten, sie zu verbieten.
Allgemein wird die Frage gestellt, wie Rockmusik – über die Frage der Festivals hinaus – ein politisches Feld bildete, das sich zwischen Prostest, Instrumentalisierung und Vereinnahmung bewegte.

Florence Tamagne ist maîtresse de conférences in Geschichte an der Université de Lille (seit 2000) und Mitglied des Institut de recherches historiques du Septentrion (IRHiS). Aktuell bereitet sie ihre Habilitation zum Thema „Rock, jeunesse et politique en Allemagne, France et Grande-Bretagne (1956-1976)“ vor. Seit 2013 ist sie Mit-Verantwortliche des BA-Studiengangs „Sociologie parcours Histoire“ an der Université de Lille. Nach ihrer agrégation in Geschichte 1994 promovierte sie 1998 bei Prof. Dr. Jean-Pierre Azéma zum Thema „Recherches sur l'homosexualité dans la France, l'Angleterre et l'Allemagne du début des années vingt à la fin des années trente“. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Geschlechter- und Sexualgeschichte sowie in der Untersuchung von Sub- und Gegenkulturen – stets in transnationaler Perspektive.
Veröffentlichungen: Histoire de l’homosexualité en Europe, Berlin, Londres, Paris, 1919-1930, Paris, Seuil, 2000; Mauvais genre ? Une histoire des représentations de l’homosexualité, Paris, La Martinière, 2001; Le crime du Palace. Enquête sur l’une des plus grandes enquêtes criminelles des années 1930, Paris, Payot, 2017.