W6 "Generation - Generationalität"

Für den sechsten Workshop der Forschungsgruppe “Popkult60”, der sich dem Spannungsfeld “Generation–Generationalität” widmete, kam die französische Historikerin Ludivine Bantigny (Université de Rouen) am 7. Oktober 2019 ins Centre National de Littérature nach Mersch (Luxemburg). Dort hielt sie einen Vortrag zu Jugendkulturen und Generationskonflikten in Frankreich in den 1960er Jahren.
Hier finden Sie den Flyer des Workshops.

Gastvortrag von Ludivine Bantigny (Université Rouen-Normandie)

Une culture engagée ? Jeunes, cultures et conflictualités en France dans les années 1960

Die "Jugend" bildete in den 1960er Jahren eine mächtige soziale wie politische Kraft. Bei ihr handelte es sich um neues Phänomen auf der internationalen Ebene und um ein historisch wichtiger Gegenstand. Gewiss ist es unmöglich, von den "Jugendlichen" als homogenes Gebilde zu sprechen. Diese Generation ist selbst durch Konflikt-, durch soziale, berufliche, politische und kulturelle Bruchlinien durchzogen. Es scheint, als habe der Generationenkonflikt nicht das gleiche Gewicht wie die Diskrepanz zwischen den Klassen gehabt. Trotzdem ist es erstaunlich, dass die Jugend einen Vorposten der Protestkultur und des für die "68er" typischen kritischen Geistes darstellten. Die Massenkultur wurde durch die Gegenkulturen, deren Attacken ebenfalls eindeutig politisch waren, natürlich durcheinandergewirbelt. Wenn sich dieser Vortrag mit dem französischen Fall beschäftigt, so ist es unmöglich, diesen ohne die ihn charakterisierenden transnationalen Verflechtungen zu betrachten: Die Jugendkultur war in der Tat eine globale Kultur, die aus Reisen, Aufenthalten in fremden Ländern und Transfers bestand. Die Jugend begehrte von diesem Zeitpunkt an auf, sie begeisterte genauso wie sie beunruhigte. Es geht hier darum, dieser Generation wieder ihre Konsistenz zurückzugeben, weit über den Mythos hinaus, den sie in der Folge hervorgerufen hat.

Ludivine Bantigny ist Historikerin und maitresse de conférences an der Université de Rouen. Sie arbeitet über die Geschichte der soziale Bewegungen und des politischen Engagements. Sie interessiert sich ebenfalls für die möglichen Verbindungen zwischen Geschichte, Literatur und Psychoanalyse sowie für die Geschichte des Zeitempfindens. Unter ihren Publikationen finden sich 1968, de grands soirs en petits matins (2018), La France à l'heure du monde. De 1981 à nos jours (2019), Révolution (2019) und L’Œuvre du temps. Mémoire, histoire, engagement (2019).