CALIPSO: MediCAtion AnaLysIs in haematoPoetic Stem cell transplantatiOn

Die Studie „Optimierung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) von Patienten nach hämatopoetischer Stammzelltransplantation“ beinhaltet eine Medikationsanalyse zur Erhöhung der Arzneimitteleffektivität und Minimierung des Arzneimittelrisikos stammzelltransplanierter Patienten.
Eine Medikationsanalyse umfasst nach der Bundesvereinigung der Deutschen Apothekerverbände e.V. (ABDA) eine „strukturierte Analyse der aktuellen Gesamtmedikation eines Patienten“ zur Identifizierung arzneimittelbezogener Probleme und Entwicklung von Maßnahmen, um diese zu reduzieren. Je nach Anzahl der vorliegenden Informationsquellen (Medikationsdatei, klinische Daten und Patientengespräch) werden drei Arten von Medikationsanalysen unterschieden: eine einfache, erweiterte und umfassende Medikationsanalyse. Die Medikationsanalyse ist ein Grundbaustein der AMTS, welche insgesamt das Ziel verfolgt, unerwünschte Arzneimittelereignisse und ein damit verbundenes Risiko für Patienten zu reduzieren bzw. zu vermeiden.

Unser Forschungsgebiet:

Vor einer Stammzelltransplantation kommt es im Rahmen der Konditionierung zur Chemotherapie und Bestrahlung, um das erkrankte hämatopoetische System des Patienten zu zerstören. Durch die Chemotherapie können neben dem hämatopoetischen System auch Organe, wie die Niere, geschädigt werden. Die Nierenschädigung kann aufgrund der immunsuppressiven Therapie, welche zur Verhinderung einer Transplantatabstoßung eingesetzt wird, verstärkt werden. Demnach ist die Überwachung der Plasmakonzentrationen der Immunsuppressiva und möglicher Interaktionspartner ein wichtiger Kontrollparameter für eine erfolgreiche Immunsuppression. Denn beispielsweise eine antiinfektive Prophylaxe, die das Auftreten von Infektionen mit Viren, Pilzen und Bakterien verhindern soll, kann die Pharmakokinetik der Immunsuppressiva beeinflussen und somit deren Plasmakonzentration verändern. Gleichzeitig kann neben der antiinfektiven Therapie, die Komedikation weiterer Grunderkrankungen (z.B. Hypertonie oder Diabetes mellitus) und auch freiverkäufliche Präparate mit den Medikamenten der Stammzelltransplantation wechselwirken und somit deren nephrotoxische Wirkung verstärken. Aufgrund der hohen Anzahl an Interaktionspartner und der Nichtbeachtung patientenindividueller Faktoren wie Größe, Gewicht oder Organfunktion kann es zu einer Vielzahl von Wechselwirkungen und unerwünschter arzneimittelbezogener Probleme kommen. Diesbezüglich können wir durch eine Medikationsanalyse und pharmazeutische Betreuung stammzelltransplantierter Patienten deren Bewusstsein sowohl für die Medikation, aber auch für mögliche Interaktionen mit Nahrungs- und Genussmittel erweitern. Insbesondere nephrotoxische Ereignisse, sowie das Auftreten anderer arzneimittelbezogener Probleme sollen aufgedeckt, in Zukunft vermieden werden und im Zuge der verbesserten Arzneimittelversorgung auch die Lebensqualität der Patienten nach hämatopoetischer Stammzelltransplantation verbessert werden.

Unser Projektpartner:

  • Dr. Jörg Thomas Bittenbring, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg

Literaturverzeichnis:

[1] Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. (24.06.2014).  www.abda.de/index.php. Von www.abda.de: www.abda.de/uploads/media/ 
Grundsatzpapier.pdf abgerufen

[2] Klinik für Innere Medizin I. (09.04.2016). Informationsbroschüre für Patienten mit allogener Stammzelltransplantation.

[3] Klinik für Innere Medizin I. (09.04.2016). Informationsbroschüre für Patienten mit allogener Stammzelltransplatation. Patienteninformation.

[4] Sehgal B, George P, John MJ, Samuel C. Acute kidney injury and mortality in hematopoietic stem cell transplantation: A single-center experience. Indian J Nephrol 2017;27(1):13-19.