Tagung: "Europa von außen"
Am 12. und 13. November 2026 findet die Literatur- und medienwissenschaftliche Tagung „Europa von außen. Imaginationen und Dokumentationen eines Grenzraums” an der Universität des Saarlandes statt, die von Joachim Harst (Saarbrücken) und Christian Meierhofer (Bonn) veranstaltet wird.
Welche Bilder und Konzeptionen entstehen von Europa, wenn der Begriff nicht von einer normativen Mitte aus verstanden, sondern aus peripheren und exzentrischen Perspektiven profiliert wird? Der geplante Workshop nimmt zeitgenössische investigative, dokumentarische und kreative Werke aus Literatur, Film und Medienkunst zum Gegenstand, die Europa von seinen Grenzen aus in den Blick nehmen. Beispielhaft zu nennen wären autofiktionale Reiseberichte, dokumentarisches Theater sowie investigative Fotografien, Filme und Videoinstallationen, die Migrationsbewegungen und Grenzübertritte thematisieren. Diese Werke changieren häufig zwischen faktualem Anspruch und narrativer Konstruktion und machen somit deutlich, dass Europa nicht nur empirisch beschrieben oder dokumentarisch erfasst, sondern stets auch imaginiert und kreativ entworfen wird. Im Blick von der Grenze erscheint Europa nicht als territorial geschlossener Kontinent, sondern als relationales, historisch gewachsenes Gefüge von Übergangszonen, Kontaktflächen und Machtasymmetrien. Ebenso wird deutlich, dass Europas Grenzen keineswegs fest umschrieben sind, sondern sich durch extraterritoriale Gebiete, postkoloniale Abhängigkeiten und ausgelagerte Migrationskontrollen weit über den Kontinent hinaus erstrecken. So entstehen aus der Grenzperspektive „Counter-Narrative”, die die immer noch vorherrschenden Vorstellungen eines kontinentalen Europa kreativ und provokativ hinterfragen.
Tagungsprogramm
| Donnerstag – 12. November 2026 | |
|---|---|
| 14:00 Uhr | Joachim Harst (Saarbrücken) und Christian Meierhofer (Bonn): Begrüßung und Einführung |
| 14:30 Uhr | Christoph Kleinschmidt (Tübingen): Europäische Krisennarrative. Grenzüberschreitendes Erzählen in Christian Krachts Euro-Trash |
| 15:15 Uhr | Kaffeepause |
| 15:45 Uhr | Katja Hettich (Weimar): Europa als multiperspektivische Erfahrung. Innen- und Außenblicke im neueren europäischen Kino |
| 16:30 Uhr | Andrea Schütte (Berlin): Blickregime an den Rändern Europas. Theo Angelopulos’ Film Der schwebende Schritt des Storches |
| 17:15 Uhr | Kaffeepause |
| 17:45 Uhr | Johan Schimanski (Oslo): Understanding Europe from the Outside/Inside: Cognitive Bordering in Tawada Yōko/Yoko Tawada’s Post-Disaster Narratives |
| 19:30 Uhr | Abendessen (Selbstzahler) |
| Freitag – 13. November 2026 | |
|---|---|
| 9:30 Uhr | Astrid Fellner (Saarbrücken): Archipelagisches Europa. Grenzkunst an den Rändern Europas |
| 10:15 Uhr | Alexis Radisoglou (Durham): Grenze und/als Schiffbruch |
| 11:00 Uhr | Kaffeepause |
| 11:30 Uhr | Ulrich Meurer (Wien): Ein-Aus-Atmen-Wandern. Eine Pneumologie an den Rändern Europas |
| 12:15 Uhr | Maria Oikonomou (Thessaloniki): Landschaft mit Untoten. Nekropolitische Natur an den Rändern Europas |
| 13:00 Uhr | Mittagspause |
| 14:30 Uhr | Natasha Gordinsky (Haifa): „Durch den Krieg entdecken wir neue Ortschaften“. Provinzialisierung Europas mittels literarischer Forensis |
| 15:15 Uhr | Stella Lange (Innsbruck): Periphere Linsen und medienkritische Rahmen. Wie Dagmawi Yimer unerhörte Fluchtgeschichten jenseits der europäischen Grenze diesseits sichtbar macht |
| 16:00 Uhr | Kaffeepause |
| 16:30 Uhr | Jacqueline Müller (Saarbrücken): Die „Erweiterung des Dokumentarischen“. Merle Krögers und Philip Scheffners multimediale Havarie |
| 17:15 Uhr | Evgenia Dourou (Saarbrücken): Von außen? Postkoloniale Perspektiven auf das europäische Archiv in Jamal Mahjoub’s Travelling with Djinns (2003) |
| 19:00 Uhr | Abendessen (Conference Dinner) |