Spüren Spüren | Sensing Traces

Spuren werden verspürt, nicht hinterlassen

Der vorliegende Sammelband markiert einen grundlegenden Paradigmenwechsel im Umgang mit dem Begriff der Spur. Anstatt Spuren als vorzufindende Indizien zu betrachten, rückt der Band das prozessuale Zusammenspiel von Spuren und Spüren ins Zentrum: Spuren werden hier als Ergebnisse komplexer Herstellungs-, Wahrnehmungs- und Deutungsprozesse verstanden, denen sinnliches und affektives Spüren vorausgeht. „Spüren“ umfasst dabei sowohl das nicht nur das Wahrnehmen, sondern auch das Nachgehen, Erzeugen und Sichtbarmachen von Spuren – häufig in kollektiven, künstlerischen und interdisziplinären Praktiken sowie unter Vermittlung von Sensoren und sonstigen Spürmedien.

  • interdisziplinärer Blick auf die Produktion von Spuren im Prozess der Wissensproduktion
  • Verbindung von materiellen, medialen und affektiven Wissenspraktiken
  • Fokus auf Transformation und Dekolonisierung von Wissensprozessen

In der Verschränkung von Spuren und Spüren hinterfragt der Sammelband die im konventionellen Spurbegriff vorausgesetzte Dichotomie von Subjekt und Objekt, seine Komplizität mit modernen Machttechniken und den Primat des Sehsinns. Beiträge aus Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaft, aus Ethnologie und Designtheorie untersuchen, wie Spuren/Spüren neue Perspektiven auf Wissensproduktion ermöglichen – und dabei auch die Grenze zwischen wissenschaftlichen und künstlerischen Investigationspraktiken befragen.
Mit diesem innovativen Zugang eröffnet der Band neue Perspektiven auf eine relationale und konstruktivistische Epistemologie der Spur und macht deutlich, wie Spuren/Spüren als transformative Wissenspraxis gesellschaftliche, politische und ästhetische Felder neu erschließt.

 

Spüren Spüren. Wissenspraktiken in der Transformation | Sensing Traces. Knowledge Practices in Transformation. Hg. von Joachim Harst, Sandra Kurfürst und Simone Pfeifer, Freiburg: Herder 2025.

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