DFG-Forschungsprojekt

"Musik-Feld Europa" - Deutsch-französische Musikverflechtungen im Kontext transatlantischer und innereuropäischer Austauschdynamiken der langen 1960er Jahre

"Musikfeld Europa" hebt darauf ab, das Desiderat einer deutsch-französischen Geschichte populärer Musik auf der Folie innereuropäischer wie transatlantischer Austauschdynamiken der langen 1960er Jahre zu füllen. Besonderes Augenmerk legt es auf die möglichen Effekte transnationaler Genres für den sozio-kulturellen und politisch-kulturellen Wandel und deren Belang für Liberalisierungs-, Pluralisierungs- und Demokratisierungsprozesse in einzelnen europäischen Ländern. Es wird zu zeigen sein, dass sich etliche gängige Amerikanisierungsgeschichten für Populärkultur der frühen Nachkriegsjahrzehnte, gerade auch die Amerikanisierungsgeschichte populärer Musikszenen in den langen 1960er Jahren, offener und differenzierter als Europäisierungs- oder transatlantische Verflechtungsgeschichten erzählen lassen. Bei aller öffentlichen Wirkung, die Rock 'n' Roll beanspruchen kann, sind doch Zweifel angebracht, ob landläufige Vorstellungen einer eindeutig zugunsten der "Neuen Welt" ausfallenden Verflechtungsbilanz zutreffen. Mit Blick auf Frankreich, die Bundesrepublik und die DDR, den deutsch-französischen Grenzraum sowie Luxemburg als Land im Schnittfeld nachbarschaftlicher Kultureinflüsse strebt das geplante Teilprojekt deshalb eine doppelt dimensionierte deutsch-französische Vergleichs-, Transfer- und Verflechtungsgeschichte populärer Musikgenres an. Zum einen sind die Rahmungen und Mechanismen selektiver Aneignung für Rock-, Pop-, Beatmusik herauszuarbeiten und  - gestützt auf Plattenverkäufe, Hitparaden, Medienpräsenz - in Bezug zu setzen mit den anschwellenden innereuropäischen, nicht zuletzt deutsch-französischen populärmusikalischen Transfers. "Musikfeld Europa" geht von der Prämisse steter Dynamik und komplexer Zirkulation populärkultureller Akteure, Phänomene und Praktiken aus, für die Musikstile - wie etwa die kaum abgrenzbaren Rock-, Beat- und Popklänge, aber auch Chansonsparten, Protestlieder oder Schlagermelodien der langen 1960er Jahre - ein Paradebeispiel bilden. Zum anderen gilt es das bunte Spektrum transnationaler Musikströme und -szenen ebenso systematisch wie differenziert auf inhärente gesellschaftliche und politische Veränderungspotenziale hin abzuklopfen und damit die immer wieder eingeforderte Kulturgeschichte des Politischen nachdrücklich von der (Populär-)Kultur- statt von der Politikseite her anzugehen.