Dissertationsprojekt von Melanie Bardian

Amerika an der Saar 1957–1983: Institutionen, Debatten, Perspektiven

Das Promotionsvorhaben knüpft thematisch und methodisch an die im Juni 2015 eingereichte Diplomarbeit "Amerika an der Saar: Das Deutsch-Amerikanische Institut 1957–1970. Gründung. Aktivitäten, Perspektiven" an. Das Dissertationsvorhaben wirft einen transfer- und verflechtungsgeschichtlichen Blick auf die amerikanische Kultur- und Informationspolitik in der Grenzregion und möchte aufzuzeigen, in welcher Form "Amerika an der Saar" anzutreffen war – ob als populärkultureller Event oder als kulturdiplomatische Initiative. Es gilt zu untersuchen, ob Amerika-Diskurse und Aktivitäten des Deutsch-Amerikanischen Instituts in Saarbrücken sowie vergleichbarer Institutionen im benachbarten Rheinland-Pfalz und in den französischen Regionen Elsass und Lothringen, Transfers und Verflechtungen verstärkten oder gar initiierten.

Im Fokus des Forschungsinteresses stehen die an der Saar geführten Amerika-Diskurse, vor allem jene, die im Zusammenhang mit den ortsansässigen amerikanischen Kulturzentren geführt wurden. Die Offenlegung des organisationsgeschichtlichen Wandels der "amerikanischen Außenposten" an der Saar, die Analyse der von ihnen hervorgebrachten Aktivitäten und Kooperationen, lenken den Blick auf die offiziellen Aktivitäten der amerikanischen auswärtigen Kultur- und Informationspolitik. Sie zeigen, welche amerikanischen Vorgaben artikuliert wurden und wie diese in der kulturdiplomatischen Praxis umgesetzt wurden. Um transnationale Interaktionen und Verflechtungen auf lokaler Ebene zu analysieren, gilt das Forschungsinteresse vor allem den Akteuren. In welcher Beziehung standen die Verantwortlichen der amerikanischen Kultureinrichtungen zu den Akteuren anderer Institutionen des politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens? Der zweite Analyseschritt widmet sich den Medien als weiteren kulturellen Akteur. In welcher Form fanden Amerika-Diskurse in der Presse an der Saar statt und wie wurde über die amerikanischen Kulturzentren vor Ort berichtet? Neben der Analyse der institutionellen Aktionsebene beinhaltet die Medienanalyse auch offiziöse "Amerika-Events". Es soll herausgestellt werden, welche populärkulturellen Veranstaltungen mit Amerikabezug es in der untersuchten Region gab und wie sich diese von der staatlich gelenkten Kulturdiplomatie unterschieden. Die Rezeption dieser "Amerika-Events" wird Aufschluss darüber geben, welche Amerika-Diskurse in der breiten Öffentlichkeit geführt wurden und wie sich diese von den Diskursen der Meinungseliten unterschieden. Die dritte Analyseebene widmet sich den Rezipienten der Veranstaltungen der amerikanischen Kultur- und Informationseinrichtungen in der Grenzregion: Wer waren diese und führte der Besuch von Veranstaltungen oder die Teilnahme an Austauschprogrammen zu einem Meinungswandel?

Im Sinne einer Erweiterung der klassischen Diplomatiegeschichte nimmt das Dissertationsvorhaben komplexe transnationale Transferprozesse in den Blick und knüpft ein enges Band zur Lokal- und Regionalgeschichte. Methodischer Ansatz des Forschungsprojektes stellt in erster Linie das Konzept der Histoire croisée dar. Dieses dient dazu, die nationalen Grenzen dieser transnationalen Untersuchung zu durchdringen, indem die verschiedenen Akteure aus verschiedenen Blickwinkeln heraus untersucht werden, um Interaktionen, Verflechtungen und Interdependenzen herauszufiltern und zu analysieren. Eine diskursanalytische Rekonstruktion der geführten Amerika-Debatten an der Saar dient als eine methodische Erweiterung des akteurszentrierten Ansatzes der Histoire croisée. Ergänzt wird das Methoden-Repertoire durch quantitative Methoden der empirischen Sozialforschung, Konzepte der Oral History und eine Medienanalyse.